ROUNDUP, Siemens

Siemens Energy mit ungebremster Nachfrage - Gewinn im Windgeschäft

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 10:30 Uhr | dpa.de

Die Geschäfte von Siemens Energy DE000ENER6Y0 laufen weiter rund.

Das Unternehmen steigerte im dritten Quartal Umsatz und Gewinn deutlich und übertraf dabei die Erwartungen der Analysten. Die seit Jahren schwächelnde Windenergietochter Gamesa kehrte zudem in die schwarzen Zahlen zurück und erzielte den ersten Gewinn in einem Quartal seit 2022. Die erst im Frühjahr angehobene Prognose bestätigte Siemens Energy, ist für die Marge nun jedoch etwas positiver gestimmt.

Der Energietechnikkonzern, der künftig unter dem Namen Omterra firmieren wird, profitiert von einem sprunghaften Anstieg des Strombedarfs, der durch den massiven Ausbau von Rechenzentren, die KI-Anwendungen betreiben, neue Fabriken und die allgemeine Elektrifizierung verursacht wird. Vor allem die Nachfrage nach Gasturbinen und Netztechnik ist hoch.

Die im Dax DE0008469008 notierte Aktie kletterte am Mittwoch zu Handelsbeginn um mehr als fünf Prozent und setzte damit ihren Erholungskurs fort. Zuletzt legte der Anteilschein um rund 1,8 Prozent auf 153,56 Euro zu. Das Papier war in den vergangenen Monaten im Zuge von Sorgen um die Nachhaltigkeit von KI-Investitionen unter die Räder geraten. Dennoch kommt der Kurs im laufenden Jahr immer noch auf fast 30 Prozent Gewinn. In den vergangenen Jahren gehörte das Unternehmen zudem zu den erfolgreichsten an der Börse.

Analysten attestierten Siemens Energy einen starken Quartalbericht. Der Energietechnikkonzern habe querbeet die Erwartungen übertroffen, schrieb Phil Buller von JPMorgan. Das Unternehmen habe die Ziele leicht erhöht, aus Anlageperspektive gebe es keinen Anlass für Skepsis. Die Auftragslage bei Gaskraftwerken sei beeindruckend, fügte Bernstein-Experte Alasdair Leslie hinzu.

So stieg der Auftragseingang auf vergleichbarer Basis um 8,5 Prozent auf 17,9 Milliarden Euro, wie Siemens Energy mitteilte. Dabei ausgeklammert sind Währungs- und Portfolioeffekte. Analysten hatten hier mit deutlich weniger gerechnet. Angetrieben wurde das Neugeschäft durch einen Rekordauftragseingang in der Gas-Sparte. Den Anteil des Neugeschäfts im Zusammenhang mit KI-Rechenzentren bezifferte Konzernchef Christian Bruch auf rund 20 Prozent. Auch das Netzgeschäft legte deutlich zu.

Hingegen verzeichnete Gamesa einen herben Einbruch beim Auftragseingang. Zwar hatte der Windturbinenbauer im Vorjahr von Großaufträgen für Meeresanlagen profitiert, allerdings zögerten Kunden derzeit auch ihre Investitionsentscheidungen gerade im Offshore-Bereich hinaus - zum einen wegen der Kosten zum anderen wegen eines schwieriger werdenden politischen Umfeldes. Hier müsse etwas "passieren", appellierte Bruch an die Politik.

Der Konzernumsatz kletterte auf vergleichbarer Basis um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro. Dabei legten alle Bereiche zu. Das Ergebnis vor Sondereffekten sprang um mehr als das Dreifache auf 1,6 Milliarden Euro. Auch hier verbesserten sich alle Sparten. Gamesa erzielte dabei einen operativen Gewinn von 75 Millionen Euro, nach einem Verlust von 438 Millionen im Vorjahr. Analysten hatten mit einem deutlich kleineren Gewinn gerechnet. Dabei profitierte das Geschäft von Produktivitätssteigerungen und einer höheren Kosteneffizienz. An seinem Ziel, in diesem Jahr die Gewinnschwelle zu erreichen, hielt Siemens Energy fest.

Ebenfalls positiv entwickelte sich die Sparte Transformation of Industry, die sich an Industriekunden wendet. Der Bereich könnte zur Disposition stehen, möglich wäre etwa eine Abspaltung. Eine Entscheidung darüber oder einen Zeitplan dafür gibt es jedoch noch nicht, wie Bruch betonte. "Das ist nichts, was wir in Hektik machen." Klar sei jedoch auch, dass das Geschäft sich von den Energie-Sparten komplett unterscheide. Die beiden Bereiche kämpften dabei um die gleichen Kapitalressourcen und die Aufmerksamkeit bei Investitionen.

Das "Handelsblatt" berichtete ebenfalls am Mittwoch, dass es Ende August eine Aufsichtsratssitzung zu dem Thema geben soll - auch hier sei noch nicht mit einer Entscheidung zu rechnen. Die Sparte mit mehr als 15.000 Mitarbeitern bietet unter anderem Energieinfrastruktur für die Industrie, Kompressoren für die Ölbranche und Wasserstoff-Elektrolyseure.

Auch unter dem Strich fuhr Siemens Energy deutlich mehr Gewinn ein als noch vor Jahresfrist. Die Mittelzuflüsse stiegen im Quartal von 419 Millionen im Vorjahr auf 2,3 Milliarden Euro. Dabei profitierte das Unternehmen von Kundenanzahlungen, einschließlich Reservierungsgebühren, im Zusammenhang mit dem deutlich höheren Auftragseingang.

Den Ausblick bestätigte der Konzern. Siemens Energy rechnet für den um Währungs- und Portfolioeffekte bereinigten Umsatz im laufenden Geschäftsjahr (bis Ende September) mit einem Zuwachs von 14 bis 16 Prozent. Die Ergebnismarge vor Sondereffekten soll 10 bis 12 Prozent erreichen, wobei das Management um Konzernchef Christian Bruch nun tendenziell vom oberen Ende der Spanne ausgeht. Beim Gewinn nach Steuern werden weiter rund 4 Milliarden Euro angepeilt.

de | boerse | 69918580 |