Ergebnisse, Produktion/Absatz

Studie: Zinsen beflĂŒgeln Europas Banken - Deutsche Institute schwĂ€cheln

04.09.2024 - 04:05:04

Die gestiegenen Zinsen haben die Banken in Europa laut einer Studie deutlich rentabler gemacht.

Im vergangenen Jahr zehrten die Aufwendungen der Banken rund 55,1 Prozent der ErtrĂ€ge auf und damit so wenig wie seit 2013 nicht mehr, wie das Beratungsunternehmen BearingPoint am Mittwoch in MĂŒnchen mitteilte. Im Vergleich zu 2022 verbesserte sich das VerhĂ€ltnis von Kosten und ErtrĂ€gen um fast 5 Prozentpunkte. Die deutschen Geldinstitute verbesserten sich Ă€hnlich stark - konnten die höheren Leitzinsen aber noch nicht so stark in mehr Gewinn ummĂŒnzen.

Im Jahr 2023 wurden bei den deutschen Banken im Schnitt 60,1 Prozent der Einnahmen von den Betriebskosten aufgezehrt. Im Vorjahr hatte diese Quote noch bei 65,2 Prozent gelegen - im Jahr 2019 sogar bei 78,0 Prozent. Zwar hĂ€tten die deutschen Institute ihre ZinsĂŒberschĂŒsse zuletzt stĂ€rker gesteigert als ihre europĂ€ischen Konkurrenten, schreiben die Autoren der Studie. Allerdings seien auch die Betriebskosten hierzulande stĂ€rker gewachsen.

Zudem konnten deutsche und französische Banken bei ihren Kreditkunden nicht so stark an der Zinsschraube drehen wie Institute in vielen anderen LĂ€ndern. In beiden LĂ€ndern sei im FinanzierungsgeschĂ€ft eine lĂ€ngerfristige Zinsbindung ĂŒblich, schreiben die BearingPoint-Experten. Eine weitere Verbesserung der sogenannten Kosten-Ertrags-Relation sei bei den deutschen Banken daher erst mittelfristig zu erwarten.

Besonders effizient wirtschaften unterdessen weiterhin die Geldinstitute in den nordischen LĂ€ndern. Sie erzielten der Studie zufolge 2023 eine Quote von 39,9 Prozent und unterboten damit noch die Banken aus Spanien und Portugal, die auf 42,5 Prozent kamen.

"Das Jahr 2023 markiert eine Zeitenwende fĂŒr den europĂ€ischen Bankenmarkt", sagte BearingPoint-Experte Robert Bosch. Nach Jahren wirtschaftlicher Unsicherheiten und der Herausforderung durch die langjĂ€hrige Nullzinspolitik hĂ€tten die europĂ€ischen Banken ihre Ertrags- und Finanzlage deutlich stabilisiert. Allerdings mĂŒssten die Banken auch deutlich mehr Geld aufwenden, um sich Geld zu beschaffen. Dies erschwert aus Boschs Sicht auch das LiquiditĂ€tsmanagement.

Die besonders effizienten Banken investieren der Studie zufolge besonders viel in ihre Computersysteme: Bei Instituten mit einem Kosten-Ertrags-VerhĂ€ltnis von höchstens 55 Prozent lĂ€gen die IT-Ausgaben doppelt so hoch wie bei den ĂŒbrigen GeldhĂ€usern, schreiben die Autoren.

Eine Sonderrolle spielten 2023 die Banken in der Schweiz. Bei ihnen zehrten die Kosten 85 Prozent der ErtrĂ€ge auf. Das Land war damit mit Abstand das Schlusslicht in Europa. Grund war die teure Übernahme der Krisenbank Credit Suisse durch die grĂ¶ĂŸte Schweizer Bank UBS. Dadurch seien die ErtrĂ€ge stĂ€rker gesunken als die Kosten, erklĂ€rte BearingPoint.

FĂŒr die Studie hat das Unternehmen die JahresabschlĂŒsse von 118 europĂ€ischen Banken aus den Jahren 2019 bis 2023 analysiert.

@ dpa.de | DE0005140008 ERGEBNISSE