G20-ErklÀrung spart Russlands Krieg namentlich aus
22.11.2025 - 19:05:05Laut Gastgeber SĂŒdafrika nahm der G20-Gipfel schon in der ersten Arbeitssitzung in Johannesburg die "ErklĂ€rung der Staats- und Regierungschefs" an, die Russland oder Kremlchef Wladimir Putin nicht ausdrĂŒcklich erwĂ€hnt.
Bereits auf der ersten der 30 Seiten starken ErklĂ€rung, die auf dem bis Sonntag dauernden Gipfel ungewöhnlich frĂŒh angenommen wurde, finden sich aber unmissverstĂ€ndliche Hinweise auf den russischen Krieg gegen die Ukraine, der nun mehr als dreieinhalb Jahren andauert.
Der Gipfel war ĂŒberschattet von der Diskussion ĂŒber den 28-Punkte-Plan von US-PrĂ€sident Donald Trump fĂŒr einen Frieden in der Ukraine. Da die USA den Gipfel boykottieren, nahmen sie auch nicht an den Arbeiten der AbschlusserklĂ€rung teil.
Dennoch verbucht der Gastgeber, SĂŒdafrikas PrĂ€sident Cyril Ramaphosa, mit dem Konsens einen Erfolg. G20-Dokumente sind nicht rechtlich bindend, sondern AbsichtserklĂ€rungen.
Gipfel: Auf Gewalt verzichten
Die G20-Runde unterstreicht, "dass alle Staaten gemÀà der UN-Charta von der Androhung oder Anwendung von Gewalt zur Erlangung von GebietsansprĂŒchen gegen die territoriale IntegritĂ€t, SouverĂ€nitĂ€t oder politische UnabhĂ€ngigkeit eines Staates absehen mĂŒssen". Ein klarer Hinweis auf den Angriffskrieg Putins. Staaten sollten freundschaftliche Beziehungen untereinander pflegen, unter anderem durch die Förderung und StĂ€rkung der Achtung der Menschenrechte. Putin werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.
Vor dem Treffen war unklar gewesen, ob es wegen des US-Gipfelboykotts ĂŒberhaupt eine gemeinsame AbschlusserklĂ€rung oder nur eine ErklĂ€rung des Gastgebers geben wĂŒrde.
Trump fehlt, weil er der sĂŒdafrikanischen Regierung schwere Repressionen gegen weiĂe Farmer vorwirft. SĂŒdafrika weist die VorwĂŒrfe zurĂŒck. Putin und der chinesische PrĂ€sident Xi Jinping nehmen ebenfalls nicht teil.
SĂŒdafrika: G20 können sich nicht von einem Land aufhalten lassen
Der Sprecher von SĂŒdafrikas PrĂ€sident, Vincent Magwenya, sagte: "Es wĂ€re fĂŒr Amerika sehr schwierig gewesen, sozusagen einen Boykott-Konsens zu organisieren, wenn die LĂ€nder sich ihrer individuellen Verantwortung gegenĂŒber ihren BĂŒrgern und dem Rest der Welt bewusst sind." Ohne die USA zu nennen, sagte er: "Wir können die Regeln nicht fĂŒr ein einzelnes Land beugen."
Der Gruppe der G20 gehören 19 Staaten, die EuropĂ€ische und die Afrikanische Union an. FĂŒr nĂ€chstes Jahr ist der G20-Gipfel in Miami geplant.
Weitere zentrale Punkte der AbschlusserklÀrung: Wichtige Mineralien und seltene Erden
Um langfristiges Wirtschaftswachstum zu sichern, unterstĂŒtzt die G20-Runde die verstĂ€rkte Erkundung von seltenen und fĂŒr die Volkswirtschaften wichtigen Mineralien besonders in EntwicklungslĂ€ndern. Transportwege, MĂ€rkte und Verarbeitungsstandorte sollen ausgebaut und die Wertschöpfung in mineralreichen EntwicklungslĂ€ndern verbessert werden.
Hintergrund ist, dass Deutschland und Europa versuchen, unabhĂ€ngiger von China zu werden, das viele der bekannten Vorkommen besitzt. Rohstoffe wie seltene Erden werden von der Hightech- und RĂŒstungsbranche benötigt, aber auch zur Batterieproduktion. Peking hat ihren Export beschrĂ€nkt. ErwĂ€hnt wird die Rolle Pekings nicht.
UN-Sicherheitsrat
Das wichtigste Gremium der Vereinten Nationen soll nach dem Willen der G20 grundlegend reformiert und so an Anforderungen des 21. Jahrhunderts angepasst werden. Der Rat soll reprÀsentativer, effizienter, demokratischer und transparenter werden. Eine erweiterte Zusammensetzung soll sicherstellen, dass auch unter- oder nicht reprÀsentierte Regionen wie Afrika, Asien-Pazifik, Lateinamerika und die Karibik vertreten sind.
Klimawandel
Die G20-Staaten verpflichten sich, den Klimawandel durch eine verstĂ€rkte Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommen zu bekĂ€mpfen, um bis etwa 2050 weltweit KohlenstoffneutralitĂ€t zu erreichen. Die Gruppe bekrĂ€ftigt das in dem Abkommen vereinbarte Ziel, die ErderwĂ€rmung auf 1,5 Grad gegenĂŒber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. DafĂŒr wollen die Staaten auf nationaler Ebene Verpflichtungen vorlegen.
Globaler SĂŒden
Die Gruppe beklagt die hohe Verschuldung, die in vielen EntwicklungslÀndern Wirtschaftswachstum einschrÀnke und damit Investitionen in Infrastruktur, Katastrophenschutz, Gesundheitsversorgung, Bildung und andere Entwicklungsbereiche begrenze.
Zudem bekrĂ€ftigen die Mitgliedsstaaten die Bedeutung von Energiesicherheit fĂŒr wirtschaftliche Entwicklung und StabilitĂ€t. Mehr als 600 Millionen Afrikaner haben noch immer keinen Zugang zu ElektrizitĂ€t.
Die G20-Teilnehmer betonen die Wichtigkeit einer nachhaltigen Industriepolitik, die kein Land ausschlieĂe, um wirtschaftliche WiderstandsfĂ€higkeit zu stĂ€rken, Wachstum zu unterstĂŒtzen und hochwertige ArbeitsplĂ€tze zu schaffen.

