Pharmaverband VFA: Hoher Krankenstand kostet Wirtschaft bis zu 160 Milliarden
26.01.2026 - 13:01:36"Seit vier Jahren ist der Krankenstand auf einem weit ĂŒberdurchschnittlichen Niveau mit erheblichen wirtschaftlichen Konsequenzen", heiĂt es in einer Studie des Pharmaverbands VFA, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Arbeitnehmer in Deutschland seien hĂ€ufiger krank als in anderen LĂ€ndern.
Im vergangenen Jahr habe der Krankenstand mit 5,7 Prozent rund zwei Prozentpunkte ĂŒber dem Durchschnitt der Jahre 2003 bis 2019 gelegen, schreibt VFA-Chefvolkswirt Claus Michelsen. Selbst bei vorsichtiger SchĂ€tzung belaufe sich der Verlust in der Wertschöpfung durch den hohen Krankenstand auf ein Drittel Prozent der jĂ€hrlichen Wirtschaftsleistung - schlimmstenfalls wĂ€ren es fast ein Prozent pro Jahr.
"In der Summe der vergangenen vier Jahre entspricht dies einem Ausfall von bis zu 160 Milliarden Euro." Die finanziellen Lasten fĂŒr die Krankenversicherungen seien dabei noch nicht berĂŒcksichtigt. "In Zeiten eines sinkenden ErwerbstĂ€tigenpotenzials kann dauerhaft nicht auf umgerechnet 300.000 ErwerbstĂ€tige wegen Krankheit verzichtet werden."
Krankenstand erschwert Konjunkturerholung
Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA) plĂ€diert fĂŒr mehr Vorsorge und PrĂ€vention - etwa mit breiten Grippe-Impfungen. "In einem Umfeld ohnehin schwacher Wachstumsraten fallen krankheitsbedingte AusfĂ€lle in der Produktion besonders ins Gewicht und belasten die konjunkturelle Erholung", schreibt Chefvolkswirt Michelsen.
Der Studie zufolge gab es einen Sprung beim Krankenstand von 2021 auf 2022, der maĂgeblich auf Atemwegserkrankungen wie Grippe, RSV und Covid-Infektionen zurĂŒckgehe. Seitdem habe sich der Krankenstand zwar etwas verringert, bleibt aber erhöht.
Telefonische Krankschreibung in der Kritik
FĂŒr tatsĂ€chlich höhere KrankenstĂ€nde spreche, dass es seit 2022 anhaltend mehr Arztbesuche gebe, so der VFA. AuĂerdem seien in den vergangenen vier Jahren weltweit stĂ€rkere Grippewellen aufgetreten und 2023 in Deutschland eine unĂŒblich schwere RSV-Welle. Die oft kritisierte telefonische Krankschreibung habe dagegen wohl keinen spĂŒrbaren Effekt, da sie schon seit 2020 existiere, also vor dem Sprung beim Krankenstand 2022.
Die groĂen KrankheitsausfĂ€lle haben eine Debatte ĂŒber die Arbeitsmoral in Deutschland ausgelöst. Kanzler Friedrich Merz (CDU) beklagte kĂŒrzlich den aus seiner Sicht zu hohen Krankenstand. BeschĂ€ftigte hierzulande kĂ€men im Schnitt auf 14,5 Krankentage im Jahr, kritisierte er und stellte die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung infrage. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kĂŒndigte an, die Regelung zu ĂŒberprĂŒfen. Die mitregierende SPD lehnt ein Ende der Möglichkeit zu Krankschreibungen per Telefon ab.

