APA WIFO: Ăsterreichs Industrie verharrt in Rezession
08.02.2024 - 09:05:25 | dpa.deDie heimische Industrie befindet sich nach wie vor in der Rezession. Der WIFO-Konjunkturklimaindex fĂŒr die SachgĂŒtererzeugung hat sich zu Jahresbeginn zwar stabilisiert, notiert allerdings deutlich im negativen Bereich. Die beiden Teilindizes zur aktuellen Lage und zu den Erwartungen fĂŒr die kommenden drei Monate legten nur minimal zu. Im Gegensatz zu den anderen Branchen wĂ€chst der Tourismus trotz der erheblichen Verteuerung von Hotel- und Restaurantdienstleistungen krĂ€ftig. Nach einer Unterbrechung im Dezember setzte sich der RĂŒckgang der Inflationsrate im JĂ€nner fort.
"Die schwache (internationale) Konjunktur belastet zunehmend den heimischen Arbeitsmarkt. Die Rezession ab Mitte 2022 fĂŒhrte verzögert zu einer Trendumkehr in der Entwicklung der Arbeitslosigkeit", so der Autor des aktuellen WIFO-Konjunkturberichtes Marcus Scheiblecker.
Die Konjunktur in Ăsterreich zeigt bereits seit mehreren Quartalen deutliche ZĂŒge einer Rezession. Die infolge der restriktiven Geldpolitik krĂ€ftig gestiegenen ZinssĂ€tze belasten europaweit die Investitionsnachfrage. Darunter leiden insbesondere auf InvestitionsgĂŒter spezialisierte LĂ€nder wie Deutschland, Tschechien und Ăsterreich. Die verschĂ€rften Kreditbedingungen dĂ€mpfen auch die Baunachfrage erheblich.
Die schwache Industriekonjunktur schlĂ€gt mittlerweile auch auf die Dienstleistungsbranchen durch. In Ăsterreich sind neben dem Transportwesen die unternehmensnahen Dienstleistungen und der Handel betroffen. Einzig die Tourismuswirtschaft entwickelt sich derzeit schwungvoll.
Nach vorlĂ€ufigen Berechnungen wuchs die österreichische Wirtschaft im IV. Quartal 2023 um 0,2% gegenĂŒber dem Vorquartal, wodurch sich fĂŒr das Gesamtjahr 2023 ein BIP-RĂŒckgang von 0,7% ergibt (real). Die Ergebnisse des WIFO-Konjunkturtests von JĂ€nner 2024 spiegeln die rezessive Entwicklung wider, die derzeit fast alle Branchen bestimmt. In der SachgĂŒtererzeugung dĂŒrften sich die LageeinschĂ€tzungen auf niedrigem Niveau stabilisiert haben. Der entsprechende Index ging Ende 2023 nicht weiter zurĂŒck, und im JĂ€nner waren die befragten Unternehmen sowohl hinsichtlich ihrer derzeitigen GeschĂ€ftslage als auch ihrer Erwartungen fĂŒr die kommenden Monate wieder etwas zuversichtlicher.
Im Dienstleistungsbereich hat sich die Stimmung dagegen weiter eingetrĂŒbt. Lediglich im Tourismus lagen die EinschĂ€tzungen zuletzt ĂŒber dem langjĂ€hrigen Durchschnitt, zumal die ideale Witterung fĂŒr einen gelungenen Start in die Wintersaison gesorgt hatte.
Die Inflationsrate ging im JĂ€nner wieder zurĂŒck (gemÀà SchnellschĂ€tzung). Im Dezember 2023 war der preisdĂ€mpfende Effekt der ein Jahr zuvor eingefĂŒhrten Strompreisbremse ausgelaufen. Dies hatte zusammen mit dem verringerten DĂ€mpfungseffekt der Treibstoffpreise zu einem Wiederanstieg der Inflation gefĂŒhrt. Der Preisauftrieb ist in Ăsterreich nach wie vor deutlich krĂ€ftiger als im Durchschnitt des Euro-Raumes.
Die Aufnahme von neu zugezogenen Bevölkerungsgruppen in die Arbeitslosenstatistik fĂŒhrt derzeit ebenso zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit wie die mit Fortdauer der Rezession verringerte Nachfrage nach ArbeitskrĂ€ften. Die Zahl der offenen Stellen nahm in den letzten Monaten spĂŒrbar ab. Der BeschĂ€ftigungszuwachs, der bislang einen schĂ€rferen Anstieg der ArbeitsÂlosenquote verhindert hatte, kam im JĂ€nner im Vormonatsvergleich nahezu zum Erliegen. Im Vergleich zum Vorjahr verringerte sich der Zuwachs von 0,7% im Dezember auf 0,4% im JĂ€nner.
Abbildung 1: Arbeitslosigkeit steigt seit Ende 2022 kontinuierlich - auf der [WIFO-Website] (https://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/71407)
Zu den Definitionen siehe "[Methodische Hinweise und Kurzglossar] (https://www.ots.at/redirect/wifo38)".
RĂŒckfragehinweis: RĂŒckfragen bitte am Donnerstag, dem 8. Februar 2024, zwischen 9 und 15 Uhr, an Mag. Dr. Marcus Scheiblecker, Tel. 01 798 26 01/245, marcus.scheiblecker@wifo.ac.at
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