FriedenspreistrÀgerin warnt vor Netzwerk der Autokraten
18.10.2024 - 15:13:37 | dpa.de"Die Regime sind unterschiedlich, aber sie arbeiten zunehmend zusammen, wenn es ihren Interessen dient", sagte die amerikanische Historikerin in Frankfurt, wo sie am Sonntag zum Abschluss der Buchmesse mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wird.
"Sie erkennen immer mehr, dass sie einen gemeinsamen Feind haben und dieser Feind sind wir", sagte Applebaum. "Wir", das seien die Menschen in der liberalen, demokratischen Welt, ebenso wie deren fundamentale Ideen wie Gewaltenteilung, unabhÀngige Gerichte oder Pressefreiheit. "All diese Ideen sehen sie als Bedrohung ihrer Macht." Was Demokratie widerstandsfÀhig macht
Was autoritÀre Staaten heute so stark mache, sei deren "neues GeschÀftsmodell", sagte Applebaum. "Sie ziehen GeschÀft und Politik zusammen." Viele moderne Diktaturen seien mit Hilfe des westlichen Wirtschaftssystems entstanden. "Eine Möglichkeit, unsere Demokratien zu stÀrken, ist es, einige der Regeln unseres Finanzsystems zu verÀndern."
Ein weiterer Erfolgsfaktor von Diktaturen sei die digitale Ăberwachung ihrer BĂŒrger und das globale Verbreiten autoritĂ€rer Narrative. Um Demokratien widerstandsfĂ€higer zu machen, schlĂ€gt Applebaum vor, die Regeln sozialer Medien so zu verĂ€ndern, dass ihre Mechanismen "kompatibler" sind mit der Demokratie. "Das zu verĂ€ndern, könnte eine Menge bewirken." Keine Pazifistin
"Ich denke nicht, dass es eine Formel fĂŒr Frieden gibt", sagte die FriedenspreistrĂ€gerin, die sich selbst nicht als Pazifistin versteht. Die Vorstellung, wenn man alle Staatenlenker in einen Raum sperre, wĂŒrden sie sich bei einem Bier schon einigen, findet sie "naiv". Jeder Konflikt erfordere andere Antworten. "In der Ukraine wĂ€re Abschreckung ein Teil dieser Antwort gewesen", sagte sie. "Mit AufrĂŒstung wĂ€re dieser Krieg unmöglich gewesen."
"Wahrer Frieden entsteht, wenn man offene Beziehungen zwischen Regierungen hat", sagte Applebaum. Daher sei Dialog fĂŒr Frieden unerlĂ€sslich. Mit jemandem nicht zu sprechen sei ein Argument aus dem Kalten Krieg. "Wir sollten mit allen FĂŒhrern weltweit sprechen." "So klar, dass es fast schmerzt"
Applebaum werde ausgezeichnet "fĂŒr ihre kontinuierliche, tiefgehende Analyse", sagte Jury-Vorsitzende Karin Schmidt-Friderichs. "Sie öffnet uns die Augen fĂŒr das, was in autokratischen Regimen passiert und fĂŒr die Gefahr, die davon fĂŒr unsere liberale Demokratie ausgeht." Und sie tue das "akribisch, klar und so, dass es fast schmerzt".
Der mit 25.000 Euro dotierte Friedenspreis wird seit 1950 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. GewĂŒrdigt werden damit Persönlichkeiten, die in Literatur, Wissenschaft oder Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen haben.
Applebaum wurde als Kind jĂŒdischer Eltern in den USA geboren. Neben der US-amerikanischen besitzt sie auch die polnische StaatsbĂŒrgerschaft. Sie ist mit Radoslaw Sikorski verheiratet, dem heutigen AuĂenminister Polens. Sie arbeitet als Journalistin und schrieb BĂŒcher wie "Der Gulag" (2003), "Der Eiserne Vorhang" (2012), "Die Verlockung des AutoritĂ€ren" (2021) und zuletzt "Die Achse der Autokraten" (2024).
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