Frankfurt-News, Gieriges

Börse Frankfurt-News: Gieriges Biest Inflation gezÀhmt? (Anleihen)

02.02.2024 - 15:44:23

Die Inflation in der Eurozone und in den USA ist auf dem RĂŒckzug - und die Zinssenkungserwartungen verfestigten sich.

Unternehmensanleihen bekannter Namen bleiben gesucht, so manche Bonds erlitten aber auch deutliche Kursverluste.

2. Februar 2024. Es war erneut eine Woche im Zeichen der Notenbanken, diesmal der US-Notenbank. Am Mittwoch betonte Fed-Chef Powell zwar die gute Inflationsentwicklung und ließ das Zinsniveau - wie erwartet - unverĂ€ndert. Er machte aber auch deutlich, dass eine erste Zinssenkung im MĂ€rz unwahrscheinlich sei, die Inflation mĂŒsse sich erst noch nachhaltig in Richtung zwei Prozent bewegen. "Das ĂŒberraschte den Markt doch ein wenig", kommentiert Tim Oechsner von der Steubing AG. Die Zinserwartungen wurden aber nicht erschĂŒttert: "Fed-Chef Powell hat eine baldige Leitzinssenkung als unwahrscheinlich bezeichnet, dies Ă€ndert aber nichts am Bild einer im Jahresverlauf anstehenden Zinswende", erklĂ€rt Analyst Ralf Umlauf von der Helaba.

Nagel: "Zwei-Prozent-Ziel in greifbarer NĂ€he"

Was die Eurozone angeht, gab BundesbankprĂ€sident Joachim Nagel diese Woche ebenfalls Entwarnung in Sachen Inflation. Er sei davon ĂŒberzeugt, dass das "gierige Biest" nun gezĂ€hmt sei. Das Zwei-Prozent-Ziel rĂŒcke in greifbare NĂ€he. In der Tat ist die Inflation in der Eurozone im Januar auf 2,8 Prozent gefallen, in Deutschland auf 2,9 Prozent. Angesichts solcher Zahlen verfestigten sich die Zinssenkungserwartungen, die Renditen legten den RĂŒckwĂ€rtsgang ein: Am Freitagmorgen rentieren zehnjĂ€hrige Bundesanleihen mit 2,17 nach 2,24 Prozent vor einer Woche. US-Staatsanleihen gleicher Laufzeit bieten 3,85 Prozent."Insgesamt war es eine relativ ruhige Woche", schildert Arthur Brunner die Lage im Rentenhandel. Tim Oechsner berichtet von vielen UmsĂ€tze in US-Treasuries, etwa solchen mit FĂ€lligkeit 2024 (US91282CDN83), 2025 (US91282CHN48) und 2027 (US91282CFM82). Die Renditen liegen aktuell bei 4,46 Prozent, 4,68 Prozent und 3,87 Prozent. Gesucht seien außerdem im kommenden Jahr fĂ€llige Papiere des europĂ€ischen StabilitĂ€tsmechanismus ESM (EU000A1U9894), aber auch italienische LanglĂ€ufer mit FĂ€lligkeit 2051 (IT0005425233).

Grenke, Eon und John Deere beliebt

Gregor Daniel, der fĂŒr die Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Anleihen handelt, sieht weiter Kaufinteresse an der Anfang 2025 fĂ€lligen Anleihe des Leasing-Spezialisten Grenke (XS2078696866). "Diesmal gibt es auch eine Nachricht dazu: Grenke will sich aus dem GeschĂ€ftsfeld Factoring zurĂŒckziehen." KĂ€ufe und VerkĂ€ufe gleichermaßen meldet er fĂŒr Papiere von Otto (XS1979274708, XS1853998182) und VW (XS1893631769).Oechsner registriert gute Nachfrage nach Bonds des auf Management- und Inkassodienstleistungen spezialisierten schwedischen Unternehmens Intrum (XS2566291865) und Eon (XS2673536541). Ebenfalls gut an kĂ€men US-Dollar-Bonds von John Deere (US24422EWZ86, US24422EWH88, US24422EXE49). Die bieten bei Laufzeiten bis 2030, 2032 und 2033 rund 4,5 Prozent. Bei der ICF Bank geht viel um in Papieren von Multitude (NO0011037327) mit ĂŒberwiegend KĂ€ufen sowie Deutsche Rohstoff mit eher VerkĂ€ufen (DE000A3510K1).

Minus bei Atos und Obotritia

Deutliche Kursverluste haben Papiere des französischen IT-Dienstleisters Atos in den vergangenen Wochen verzeichnet, wie Rainer Petz von Oddo BHF berichtet. Etwa wird die 2028 fĂ€llige Anleihe (FR0013378460) nach rund 60 Prozent Ende Dezember jetzt nur noch zu 25 Prozent gehandelt. Atos ist bereits seit lĂ€ngerer Zeit in finanziellen Schwierigkeiten, auch der Aktienkurs ist eingebrochen. "Es wird ein Schuldenschnitt befĂŒrchtet", erklĂ€rt Petz. Kleinanleger*innen dĂŒrften wegen der Mindestanlagesummen von 100.000 Euro allerdings nicht betroffen sein.Abermals unter Druck geriet Daniel zufolge die Hybridanleihe von Obotritia Capital (DE000A1616U7) - das Unternehmen hatte schon zuvor mehrmals die Zinszahlungen aufgeschoben. "Wieder hĂ€lt Obotritia ihre Verpflichtungen nicht ein - Creditshelf vor Aus?", fragt sich das Nebenwerte Magazin. Der Vorstand des Kreditvermittlers Creditshelf hatte am gestrigen Donnerstag gemeldet, dass man "nach ergebnislosen Verhandlungen mit der Hauptgesellschafterin Obotritia" zur Feststellung gelangt sei, dass diese ihren vertraglichen Verpflichtungen gegenĂŒber Creditshelf nicht nachkommen werde.

Brunner hat außerdem einiges an Abgaben im Mittelstandssegment beobachtet. "Da könnten VerkĂ€ufe des Deutschen Mittelstandsanleihen-Fonds (LU0974225590) hinter stecken." Jedenfalls seien die Kurse der Anleihen von Paragon (DE000A2GSB86) zurĂŒckgegangen. Der Deutsche Mittelstandsanleihen-Fonds, der in hochverzinste Mittelstandsanleihen investiert hatte, wurde im vergangenen Juni aufgelöst, die Papiere werden nun verkauft.

Etwas ruhiger geworden ist es in Hinblick Neuemissionen. Brunner berichtet nur von neuen Bonds von ZF Europe mit 4,75 Prozent bis 2029 (

Von Anna-Maria Borse, 2. Februar 2024 © Deutsche Börse AG

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

@ dpa.de