Sparpaket fĂŒr stabile KassenbeitrĂ€ge 2026
15.10.2025 - 14:56:26Das Kabinett brachte dazu ein Sparpaket von zwei Milliarden Euro auf den Weg, das den Druck fĂŒr neue Beitragserhöhungen auflösen soll. Es sieht Ausgabenbremsen vor allem bei den Kliniken vor. Von der Opposition, Patientenvertretern und aus den Reihen der LĂ€nder kam Kritik.
Warken sagte in Berlin: "Die Bundesregierung hat Wort gehalten." Eine ermittelte DeckungslĂŒcke von zwei Milliarden Euro fĂŒr 2026 werde geschlossen. Damit durchbreche man die schon zur Gewohnheit gewordenen Erhöhungen der ZusatzbeitrĂ€ge in den vergangenen Jahren. "Stabile SozialbeitrĂ€ge sind ein Beitrag zum notwendigen wirtschaftlichen Aufschwung in unserem Land." Erst Anfang 2025 hatte es eine breite Erhöhungswelle gegeben. Angesichts stark steigender Ausgaben drohten zum 1. Januar 2026 die nĂ€chsten Anhebungen.
Kassen legen konkreten Zusatzbeitrag selbst fest
Direkt stabile BeitrĂ€ge fĂŒr alle Versicherte bei jeder einzelnen Krankenkasse festlegen kann die Politik nicht. Das Gesundheitsministerium macht jeweils zum 1. November einen "durchschnittlichen ausgabendeckenden Zusatzbeitrag" fĂŒr das Folgejahr bekannt, der eine Orientierungsmarke darstellt. Warken sagte, dieser Wert dĂŒrfte mit dem Kabinettsbeschluss "auf dem heutigen Niveau" von 2,9 Prozent stabilisiert werden. Die Krankenkassen entscheiden dann aber noch je nach ihrer Finanzlage selbst, wie hoch sie ihre ZusatzbeitrĂ€ge ansetzen, die zum allgemeinen Beitragssatz von einheitlich 14,6 Prozent hinzukommen.
Das Sparpaket kam kurz vor der Bekanntgabe der jĂ€hrlichen Finanzprognose eines zustĂ€ndigen SchĂ€tzerkreises am Nachmittag. Sie ist eine wichtige Orientierung dafĂŒr, ob Bedarf fĂŒr Beitragsanhebungen besteht. Warken sagte, die jetzt beschlossenen MaĂnahmen sollten noch eingepreist werden können.
GroĂteil der Einsparungen bei KrankenhĂ€usern
Konkret sollen bei den Kliniken 1,8 Milliarden Euro eingespart werden. DafĂŒr soll der Anstieg der VergĂŒtungen auf die tatsĂ€chlichen Kostensteigerungen der KrankenhĂ€user begrenzt werden. Eine Klausel, die zu höheren Zahlungen fĂŒhren wĂŒrde, soll demnach fĂŒr 2026 ausgesetzt werden. Bei den Verwaltungskosten der Krankenkassen sollen 100 Millionen Euro eingespart werden, etwa bei Porto oder Werbeaktionen. Weitere 100 Millionen Euro bringen soll eine Halbierung der Einzahlungen aus Kassenmitteln in einen Fonds zur Versorgungsforschung.
Bei den PflegebeitrĂ€gen, die die Politik direkt festlegt, gibt es im nĂ€chsten Jahr keine Erhöhung, wie Warken deutlich machte. Mit welchen MaĂnahmen eine bestehende FinanzlĂŒcke von 1,7 Milliarden Euro geschlossen werden soll, steht aber noch nicht fest. Warken kĂŒndigte eine Einigung in den nĂ€chsten Tage an. Prinzipiell gebe es die Möglichkeit von LeitungskĂŒrzungen oder Darlehen.
GrĂŒne kritisieren "optische TĂ€uschung"
Der GrĂŒnen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen kritisierte mit Blick auf die Krankenversicherung: "Die vermeintliche BeitragsstabilitĂ€t ist eine optische TĂ€uschung, erkauft durch unrealistische Konjunkturannahmen und kurzfristige Buchungstricks." Statt die Ausgabenlawine endlich an der Wurzel zu packen, kaschiere Warken das strukturelle Defizit mit kosmetischen Eingriffen.
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte mehr Effizienz auch in weiteren Bereichen. Bei den Ausgaben fĂŒr ambulant-Ă€rztliche Behandlungen habe es im ersten Halbjahr 2025 den höchsten Anstieg seit zehn Jahren gegeben, sagte Vorstand Eugen Brysch. Er sieht Einsparpotenzial auch bei der Pharmaindustrie.
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) kritisierte einen verfehlten Sparkurs zulasten der Kliniken. Sie machte dafĂŒr Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) verantwortlich, der sich beharrlich weigere, versicherungsfremde Leistungen hinreichend aus Steuermitteln zu finanzieren.

