US-Handelskonflikt verunsichert Lufthansa nach tiefrotem Jahresstart
29.04.2025 - 11:24:16 | dpa.deWĂ€hrend im Vorjahr mehrere Streiks teuer zu Buche geschlagen hatten, stiegen die Betriebskosten nun im ersten Quartal spĂŒrbar. Zudem fiel Ostern diesmal erst ins zweite Quartal. Ăberraschend gut lĂ€uft indes das GeschĂ€ft auf den Strecken ĂŒber den Atlantik. Zumindest in den Vereinigten Staaten verkaufte die Lufthansa im MĂ€rz mehr Tickets fĂŒr solche FlĂŒge als ein Jahr zuvor. Doch die Unsicherheit bleibt hoch.
Die Lufthansa-Aktie verlor kurz nach Handelsbeginn zeitweise fast drei Prozent an Wert, machte ihre Kursverluste jedoch nach wenigen Minuten wieder wett. Mit einem Kursgewinn von zuletzt rund 0,8 Prozent gehörte sie zu den schwĂ€cheren Titeln im MDax DE0008467416, dem Index der mittelgroĂen Werte. Im Vergleich zum Jahreswechsel hat sie damit rund fĂŒnf Prozent gewonnen.
Branchenexpertin Jaina Mistry vom Investmenthaus Jefferies bezeichnete die GeschĂ€ftszahlen als durchwachsen. Der Nettoverlust liege noch höher als am Markt erwartet. Das SommergeschĂ€ft sei hingegen wohl stark, und sinkende Treibstoffkosten brĂ€chten weiteren RĂŒckenwind. So rechnet der Vorstand fĂŒr 2025 jetzt nur noch mit Treibstoffkosten von rund 7,3 Milliarden Euro - 600 Millionen weniger als noch im MĂ€rz prognostiziert.
Vorstandschef Carsten Spohr zeigte sich jedenfalls zuversichtlich. "Die globale Nachfrage nach Flugreisen wĂ€chst weiter." Die Lufthansa bleibe trotz aller geopolitischen Unsicherheiten auf Wachstumskurs, schaue optimistisch auf den Sommer und halte an ihrem Ausblick fĂŒr 2025 fest. So soll der Gewinn im TagesgeschĂ€ft (bereinigtes Ebit) den Vorjahreswert von rund 1,65 Milliarden Euro wie angekĂŒndigt "signifikant" ĂŒbertreffen.
Im ersten Quartal steigerte die Lufthansa ihren Umsatz im Jahresvergleich um zehn Prozent auf 8,1 Milliarden Euro. Der um Sonderposten bereinigte operative Verlust (bereinigtes Ebit) verringerte sich um 15 Prozent auf 722 Millionen Euro. Unter dem Strich wuchs der Fehlbetrag des Konzerns wegen einer geringeren Steuerentlastung um mehr als ein FĂŒnftel auf 885 Millionen Euro.
Dass es nicht noch schlimmer kam, verdankte der Konzern den Gewinnen seinen Töchtern Lufthansa Cargo und Lufthansa Technik: Der Frachtsparte gelang mit einem bereinigten operativen Gewinn von 62 Millionen Euro die RĂŒckkehr in die schwarzen Zahlen. Und die Wartungssparte schaffte mit einem entsprechenden Gewinn von 161 Millionen Euro so viel wie noch nie in einem ersten Quartal.
Deutlich schlechter lief es im PassagiergeschĂ€ft. Zwar schreibt die Lufthansa wie andere Fluggesellschaften im generell reiseschwachen ersten Quartal ĂŒblicherweise rote Zahlen.
Diesmal vergröĂerte sich der bereinigte operative Verlust der hauseigenen Passagier-Airlines wie Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines, Brussels und Eurowings sowie der neuen Beteiligung an der italienischen Ita jedoch um zwei Prozent auf 934 Millionen Euro. Und das ohne teure Streiks, die das Ergebnis ein Jahr zuvor mit rund 350 Millionen Euro belastet hatten.
Das Management erklĂ€rte die Entwicklung mit deutlich gestiegenen Kosten, vor allem bei GebĂŒhren fĂŒr Flugsicherung und FlughĂ€fen sowie höheren Wartungskosten. Die Aufwendungen fĂŒr Treibstoff gingen dank gesunkener Kerosinpreise hingegen sogar um ein Prozent zurĂŒck.
Allerdings zĂ€hlte der Konzern im MĂ€rz trotz des Zollstreits mit den USA deutlich mehr Reisende aus den Vereinigten Staaten als ein Jahr zuvor. Auch zuletzt hĂ€tten die Buchungen aus den USA weiter zugelegt. Allerdings sieht das Management Gefahren fĂŒr die UmsĂ€tze auf den wichtigen Strecken ĂŒber den Nordatlantik - auch durch eine mögliche Rezession in den USA. Allerdings könnten sich gĂŒnstige WĂ€hrungskurse und billigerer Treibstoff fĂŒr die Lufthansa positiv auswirken, hieĂ in einer PrĂ€sentation des Vorstands.
An ihren grundsĂ€tzlichen GeschĂ€ftsplĂ€nen will die Lufthansa indes nicht rĂŒtteln. Das konzernweite Flugangebot soll in diesem Jahr wie geplant um etwa vier Prozent wachsen. Zugleich sieht sich der Vorstand bei seinem Effizienzprogramm fĂŒr die Kernmarke Lufthansa Airlines auf Kurs, die sogar im Gesamtjahr 2024 rote Zahlen geschrieben hatte.
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