RKI-Befragung, Impfungen

RKI-Befragung zu Impfungen: Akzeptanz mit viel Unsicherheit

02.03.2026 - 13:07:57 | dpa.de

Die Mehrheit der BundesbĂŒrger vertraut den Entscheidungen und Empfehlungen der Gesundheitsbehörden zu Impfungen.

Gleichzeitig ist aber ein betrĂ€chtlicher Teil der Menschen zugĂ€nglich auch fĂŒr lĂ€ngst widerlegte Impfmythen - etwa zum Zusammenhang zwischen Impfungen und der Entstehung von Autismus. Das geht aus einer Online-Befragung im Impress-Projekt des Robert Koch-Instituts (RKI) von mehr als 5.000 Erwachsenen hervor.

Demnach halten rund 80 Prozent der Befragten Impfungen fĂŒr eine sinnvolle Maßnahme zur Krankheitsvorbeugung. Nur gut 7,3 Prozent gaben an, Impfungen seien fĂŒr sie selbst völlig oder eher ĂŒberflĂŒssig.

Mehr als 60 Prozent der Befragten glauben, dass Behörden nur sichere und wirksame Impfstoffe zulassen. Und grob zwei Drittel der Menschen lassen sich impfen, um auch andere Menschen zu schĂŒtzen. Gleichzeitig ist eine deutliche Mehrheit gegen eine Stigmatisierung von ungeimpften Menschen. Nur 20 Prozent der Befragten halten einen Ausschluss dieser Gruppe von öffentlichen Veranstaltungen fĂŒr vertretbar.

AuffĂ€llig viele Menschen sind zugĂ€nglich fĂŒr Impfmythen

Die Befragung zeigt auch ein gewisses Misstrauen in die Behörden: Knapp 20 Prozent glauben, dass Gesundheitsbehörden dem Einfluss der Pharmakonzerne folgen, ein weiteres Drittel stimmt dieser Aussage immerhin teilweise zu. Knapp 8 Prozent glauben völlig oder eher, Impfungen seien schlimmer als die Krankheiten, vor denen sie schĂŒtzen. Weitere 20 Prozent stimmen dem teilweise zu.

AuffĂ€llig viele Menschen sind zugĂ€nglich fĂŒr Impfmythen: So sind etwa 5 von 10 Personen unsicher, ob Impfungen Allergien fördern oder Autismus auslösen. Diese FehleinschĂ€tzung könne das Vertrauen in die Sicherheit und Wirksamkeit von Impfungen beeintrĂ€chtigen, betonen die Autoren.

"Erste AuffÀlligkeiten, die auf Autismus hinweisen, zeigen sich meist bereits vor dem dritten Lebensjahr - also genau in der Zeit, in der Kinder viele Impfungen erhalten", erlÀutert das RKI. "Diese zeitliche NÀhe kann den Eindruck erwecken, die Impfung habe die Erkrankung ausgelöst. Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch eindeutig, dass dies ein Trugschluss ist." Autismus trete bei geimpften und ungeimpften Kindern gleich hÀufig auf. "Als Hauptursache gelten genetische Faktoren." Wissenschaftliche Studien konnten laut RKI auch keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und Allergien nachweisen.

Starke ZurĂŒckhaltung bei Covid-Impfungen

Und etwa die HĂ€lfte der Befragten ist zumindest unsicher, ob Kinder nicht zu frĂŒh zu viele Impfungen erhalten. "Viele Impfungen erfolgen in den ersten Lebensjahren - das kann den Eindruck erwecken, es werde "zu viel, zu frĂŒh" geimpft", schreibt das RKI dazu. "Der frĂŒhe Zeitpunkt ist jedoch medizinisch begrĂŒndet: SĂ€uglinge und Kleinkinder haben bei einigen Infektionen das höchste Risiko fĂŒr schwere VerlĂ€ufe und Komplikationen." Es werde so viel wie nötig zum besten Zeitpunkt geimpft.

Die tatsĂ€chliche Impfbereitschaft hĂ€ngt jedoch stark von der jeweiligen Erkrankung ab: So gaben 6 von 10 Personen, fĂŒr die die Impfempfehlung gilt, an, die Grippeimpfung in der vorherigen Saison bekommen zu haben. Bei Covid dagegen war es sogar nur 1 von 10. "Die Grippeimpfung und die COVID-19-Impfung werden nicht gut angenommen, obwohl sie jĂ€hrlich fĂŒr eine hohe Krankheitslast in der Bevölkerung sorgen", schreibt das RKI.

"Impfmythen durch verstÀndliche ErklÀrungen entkrÀften"

Constanze Rossmann von der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen (LMU), die der StĂ€ndigen Impfkommission angehört, begrĂŒĂŸt das Impress-Projekt. Die jĂ€hrliche Befragung sei besonders wertvoll, weil sie als jĂ€hrliches Impfakzeptanz-Monitoring fĂŒr Deutschland angelegt sei und soziale und psychologische Faktoren der Impfakzeptanz fĂŒr die Allgemeinbevölkerung ab 18 Jahren kontinuierlich erfasse.

"Die Daten bestĂ€tigen, was wir ĂŒber die Impfbereitschaft bei Influenza und Covid-19 schon lĂ€nger beobachten", sagt die Medienforscherin. "Die Impfbereitschaft ist grundsĂ€tzlich zu niedrig, wobei die Bereitschaft, sich gegen Influenza impfen zu lassen, noch deutlich höher ausfĂ€llt als die Akzeptanz der Covid-19-Impfung." Die Unsicherheit im Zusammenhang mit gĂ€ngigen Impfmythen gelte es durch einfach verstĂ€ndliche wissenschaftliche ErklĂ€rungen zu entkrĂ€ften.

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