Produktion/Absatz, Zusammenfassung

Immer mehr Autos fĂŒr weniger Kilometer

08.10.2024 - 11:57:29

Die Menschen in Deutschland besitzen immer mehr Autos.

Weil die Zahl der Neulassungen schneller steigt, als die Bevölkerung wĂ€chst, kamen zum Jahresbeginn 580 Autos auf 1.000 Einwohner, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Das sind zwei Autos mehr als 2023 und sogar 37 Fahrzeuge mehr als im Jahr 2014. Der Rekord von 583 Autos pro 1.000 BĂŒrger und BĂŒrgerinnen datiert allerdings aus dem Jahr 2022.

Kurioserweise werden die inzwischen 49,1 Millionen Pkw in Deutschland aber auch weniger bewegt. Laut Kraftfahrtbundesamt wurden 2023 mit den Autos rund 591 Milliarden Kilometer zurĂŒckgelegt. Das war der fĂŒnfte JahresrĂŒckgang in Folge. 2018 waren es noch 39 Milliarden Kilometer mehr. Im Schnitt legte ein deutscher Pkw vergangenes Jahr 12.320 Kilometer zurĂŒck, 150 weniger als noch vor einem Jahr und ganze 1.791 Kilometer weniger als noch 2014.

Fahrzeuge halten lÀnger

Der Autobestand in Deutschland habe seinen Höhepunkt trotz aller AbgesĂ€nge noch nicht erreicht, sagt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Das Wachstum habe sich zwar verlangsamt, doch zeige der Vergleich mit den USA das Potenzial. Dort kĂ€men rund 800 Autos auf 1.000 Einwohner. Auch in europĂ€ischen LĂ€ndern wie Polen oder Italien gibt es im VerhĂ€ltnis deutlich mehr Autos als hierzulande. Neue Technologien wie autonomes Fahren oder der Elektroantrieb machten Autos zudem fĂŒr die Menschen grundsĂ€tzlich komfortabler und interessanter.

Auch die Industrie hat zum stetigen Flottenwachstum beigetragen, denn die Fahrzeuge halten einfach lÀnger als noch vor wenigen Jahrzehnten. Inzwischen sind die in Deutschland zugelassenen Autos im Schnitt 10,3 Jahre alt. Noch in den 1980er-Jahren waren zu diesem Zeitpunkt viele Wagen lÀngst durchgerostet.

"Neue Straßen sind wichtig"

Experte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach sieht in der zunehmenden Autodichte einen langfristigen Trend, der lĂ€ngst nicht beendet sei. Auch hier greife der Vergleich mit den USA: "Die Menschen leisten sich einfach mehrere Autos, wenn ihr Wohlstand steigt." Anders als beispielsweise in Los Angeles sei es aber in deutschen BallungsrĂ€umen lĂ€ngst nicht immer vordergrĂŒndig rational, fĂŒr jeden Weg das Auto zu benutzen.

Auch Dudenhöffer plĂ€diert fĂŒr einen Verkehrsmix mit einem starken Personen-Nahverkehr in den stĂ€dtischen Zentren. Das Auto dĂŒrfe aber nicht vernachlĂ€ssigt werden. "Neue Straßen sind wichtig, ebenso wichtig wie neue Schienen oder Bahnhöfe", sagt er. Je weiter man in die FlĂ€che gehe, werde das Auto fĂŒr die Menschen immer wichtiger.

Unterschied zwischen Ost und West

TatsĂ€chlich zeigen die Zahlen des Bundesamtes deutliche regionale Unterschiede. So gibt es in den Stadtstaaten Berlin (329), Hamburg (426) und Bremen (435) verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig wenig Autos pro 1.000 Einwohner. Dort sind die Nahverkehrsnetze gut ausgebaut, der Fahrradverkehr steigt und nicht jeder Mensch muss oder will ein eigenes Auto besitzen. Berlin ist das einzige Bundesland, in dem die Autodichte seit 2014 zurĂŒckgegangen ist.

Eine deutlich grĂ¶ĂŸere Flotte ist in den FlĂ€chenlĂ€ndern unterwegs. Das Saarland liegt mit 655 Autos auf 1.000 Einwohner an der bundesdeutschen Spitze vor Rheinland-Pfalz (630) und Bayern (623). Sachsen zeigt mit 534 Wagen den niedrigsten Wert eines FlĂ€chenlandes. Alle ostdeutschen FlĂ€chenlĂ€nder liegen unter dem Bundesschnitt, alle westdeutschen darĂŒber.

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