VW-Tochter Porsche meldet herben Gewinneinbruch wegen Sonderkosten
24.10.2025 - 18:20:21Das Ergebnis nach Steuern brach im Jahresvergleich um 95,9 Prozent auf nur noch 114 Millionen Euro ein, wie das Unternehmen mitteilte. Von Juli bis September meldeten die Stuttgarter sogar rote Zahlen: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag bei minus 966 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal war es noch ein Plus von 974 Millionen Euro. Die Aktie bewegte sich nachbörslich zunÀchst kaum.
Hauptbelastungsfaktor ist der Strategieschwenk des Managements um Noch-Porsche-Chef Oliver Blume: Zuletzt wurden die ambitionierten Elektro-Ziele kassiert - und die geplante Batteriefertigung gleich mit. Auch der Start neuer E-Modelle wurden verschoben. Richten soll es angesichts der "MarktrealitĂ€ten und KundenbedĂŒrfnisse" stattdessen ein Verbrenner-Comeback bis weit ins nĂ€chste Jahrzehnt. Die MaĂnahmen kosten viel Geld: Im GeschĂ€ftsjahr 2025 rechne man mit Sonderkosten von etwa 3,1 Milliarden Euro, hieĂ es.
Tiefpunkt bald ĂŒberwunden?
Der operative Gewinn in den ersten neun Monaten lag bei 40 Millionen Euro - und somit 99 Prozent unter dem Vorjahreswert von gut vier Milliarden Euro. Der Umsatz schrumpfte um sechs Prozent auf knapp 26,9 Milliarden Euro.
Die Ergebnisse spiegeln Finanzvorstand Jochen Breckner zufolge die Belastungen im Zuge der strategischen Neuausrichtung wider: "Wir nehmen bewusst vorĂŒbergehend schwĂ€chere Finanzkennzahlen in Kauf, um langfristig Porsches Resilienz und ProfitabilitĂ€t zu stĂ€rken." Der Manager gab sich aber zuversichtlich: "Wir erwarten, dass wir den Tiefpunkt in diesem Jahr durchschreiten und Porsche sich ab 2026 spĂŒrbar verbessert."
Die Stuttgarter waren in der jĂŒngeren Vergangenheit meist von Erfolg zu Erfolg gerast - und spĂŒlten dem Mutterkonzern Volkswagen DE0007664039 lange Zeit einen groĂen Teil des Gewinns in die Kassen. In den vergangenen Monaten ist aus dem Sportwagenbauer allerdings ein Unternehmen im Krisenmodus geworden.
Probleme: China, USA und E-MobilitÀt
Neben dem schleppenden E-Auto-Hochlauf und den US-Zöllen hat Porsche aber auch Probleme im TagesgeschÀft. Der Sportwagenbauer steuert auf das zweite Jahr mit Verkaufsminus zu. Von Januar bis September wurden gut 215.500 Fahrzeuge ausgeliefert. Sechs Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Insbesondere in China lief es deutlich schlechter. In den ersten neun Monaten des Jahres verkauften die Schwaben in der Volksrepublik knapp 32.200 Wagen - und damit rund 26 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Bereits zuvor hatten Porsche in dem Land Federn lassen mĂŒssen. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum 2022 verkauften der Konzern dort noch gut 68.700 Fahrzeuge bei einem Gesamtabsatz von rund 221.500.
"In China ist der Luxusmarkt komplett eingebrochen", sagte Blume kĂŒrzlich. Ein Viertel des vorherigen Porsche-Gesamtvolumens sei allein dadurch nicht mehr vorhanden. Blume, der seit September 2022 auch Volkswagen fĂŒhrt, steht noch bis Ende des Jahres an der Spitze des Sportwagenbauers. Danach wechselt er komplett nach Wolfsburg. Anfang 2026 ĂŒbernimmt der frĂŒhere McLaren-Manager Michael Leiters den Porsche-Chefposten.
Sparprogramm in Aussicht
Angesichts der wirtschaftlichen Probleme muss Porsche den Rotstift ansetzen - und seine Strukturen schrumpfen. Bis 2029 sollen in der Region Stuttgart rund 1.900 Stellen sozialvertrĂ€glich abgebaut werden. AuĂerdem laufen die VertrĂ€ge von rund 2.000 befristeten Angestellte aus.
Ein weiteres Sparprogramm soll in den kommenden Wochen geschnĂŒrt werden. Aktuell laufen dazu Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Breckner teilte dazu weiter mit: "Wir mĂŒssen davon ausgehen, dass sich die Rahmenbedingungen auf absehbare Zeit nicht verbessern. Deshalb mĂŒssen wir in allen Bereichen ĂŒber weitreichende AnsĂ€tze sprechen - auch im Kontext des Zukunftspakets".
Dabei dĂŒrften nach dpa-Informationen neben zusĂ€tzlichen Stellenstreichungen auch die Jobsicherung zur Debatte stehen. Ăber die Ergebnisse der GesprĂ€che wollen Unternehmen und Betriebsrat nach Abschluss informieren.

