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Große Suchtklinik für Jugendliche vor dem Aus

01.04.2026 - 17:35:07 | dpa.de

Die nach eigenen Angaben größte Klinik für suchtkranke Jugendliche in Deutschland steht vor der Schließung.

Ende Juni müsse die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik im niedersächsischen Großenkneten bei Oldenburg ihre Arbeit beenden, erklärte eine Sprecherin der Trägerin Leinerstift e.V. "Grund für die Schließung der Klinik ist eine massive Unterfinanzierung der Leistungen", sagte sie.

Trotz intensiver Verhandlungen und der Unterstützung aus Verbänden und Politik sei keine Einigung mit dem federführenden Kostenträger erzielt worden. Im Jahr 2025 habe die Klinik bereits ein Defizit von mehr als einer Million Euro erwirtschaftet. Die Prognose für die kommenden Jahre lasse erwarten, dass der schon jetzt nicht auskömmliche Tagessatz weiter abgesenkt werde, wodurch sich das Defizit weiter erhöhen werde, hieß es.

Neue Vergütungsregel seit Januar

Zum ersten Januar dieses Jahres sei ein neues Vergütungssystem für medizinische Rehabilitationseinrichtungen eingeführt worden, teilte die Deutsche Rentenversicherung Bund dazu mit. Die Vergütung setze sich aus einer Einrichtungsübergreifenden Komponente (EÜK) und einer Einrichtungsspezifischen Komponente (ESK) zusammen. "Die Besonderheiten, die bei der Erbringung dieser Leistungen entstehen, können im Rahmen der sogenannten Einrichtungsspezifischen Komponente (ESK) berücksichtigt werden", erklärte eine Sprecherin der Deutschen Rentenversicherung.

Der Betreiber der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik habe zwar die Anerkennung als Spezialeinrichtung beantragt, damit sie nicht unter die neue Vergütungsregelung falle. Diese Anerkennung sei von den zuständigen Gremien der Rentenversicherung allerdings nicht erteilt worden, da die Klinik kein Spezialkonzept habe, das im Vergleich zu anderen Einrichtungen einen wesentlichen Mehraufwand begründe.

Versicherer: Vergütung entspricht den Bedarfen

Mit der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik sei seitens der Deutschen Rentenversicherung für 2026 eine Vergütung verhandelt worden, die den Besonderheiten der Klinik und den finanziellen Bedarfen entspreche. "Warum ein wirtschaftlicher Betrieb der Einrichtung dennoch nicht möglich war, kann die Einrichtung oder ihr Träger nur selbst beantworten", hieß es.

Bei einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung stelle die Höhe der Vergütung nur einen Aspekt von mehreren dar. Weitere Aspekte seien etwa die personelle Ausstattung und damit die Personalkosten der Klinik oder die Auslastung vorhandener Kapazitäten (Bettenbelegungsquote), sagte die Sprecherin.

Laut Klinik 60 von 85 Klinikplätze in ganz Deutschland betroffen

Die Klinik in Großenkneten hält 60 Betten für suchtkranke Kinder und Jugendliche vor. Bundesweit gibt es den Angaben der Klinik zufolge 85 Klinikplätze für die Reha, die sich an einen Entzug anschließt. Rund 200.000 Kinder und Jugendliche leiden demzufolge in Deutschland an Suchterkrankungen aufgrund einer Abhängigkeit von Alkohol, Drogen oder Medikamenten. Für erwachsene Suchtpatienten gebe es bundesweit mehr als 13.000 Reha-Plätze.

Drogenbeauftragter Streeck will vermitteln

Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck (CDU), bezeichnete eine mögliche Schließung der Klinik in der Bild-Zeitung als einen schweren Verlust. "Gerade für junge Menschen mit Suchterkrankungen brauchen wir solche Therapieangebote dringend." Er trete als "Vermittler zwischen Betreibern und Rentenversicherung auf, um den Erhalt von Therapieplätzen zu sichern", sagte Streeck der Zeitung.

"Sucht und Abhängigkeit bei Jugendlichen nehmen zu, der Mischkonsum wird gefährlicher, die Zahl der Drogentoten unter 30 Jahren steigt und der Zugang zu Drogen ist durch das Internet so leicht wie nie", sagte Streeck. Gerade deshalb sei eine frühe Therapie für Abhängige wichtig.

Spendenaktion und Petition

Mit einer Spendenaktion versucht derzeit der Träger, Spenden für eine Weiterführung des Klinikbetriebs zu finden. Gleichzeitig werden Unterstützer für eine Petition gesucht, um die Schließung der Klinik zu verhindern und die Suchtrehabilitation für Jugendliche ausreichend zu finanzieren.

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