Aktien Frankfurt: Dax setzt Konsolidierung nach neuer US-Zolldrohung fort
14.07.2025 - 14:52:42Am Montagnachmittag verlor der deutsche Leitindex 0,93 Prozent auf 24.030,21 Punkte, kurzzeitig rutschte er sogar unter die runde Marke von 24.000 ZĂ€hlern. Bereits in der Vorwoche hatten Zollsorgen nach einem Jahresplus von zeitweise fast 24 Prozent fĂŒr Gewinnmitnahmen gesorgt. Bis dahin hatten die Anleger die Zollrisiken konsequent ausgeblendet und den Dax auf ein Rekordhoch von 24.639 Punkten getrieben.
Trump will Einfuhren aus der EuropĂ€ischen Union ab dem 1. August mit einem Zoll von 30 Prozent belasten, wie er bereits am Samstag ankĂŒndigte. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic betonte zu Wochenbeginn, dass er den Dialog mit den USA fortsetzen werde. Sollte es keine Einigung geben, will die EU allerdings mit Gegenzöllen reagieren.
"Eine Eskalation soll vermieden werden, aber die EU-Vertreter wollen zugleich HÀrte zeigen. Das wird so nicht funktionieren und hatte bereits in den vergangenen Jahren nicht funktioniert", kommentierte Marktbeobachter Andreas Lipkow. Solange sich die Situation nicht verschÀrfe, herrsche an der Börse aber keine Panik.
Der MDax DE0008467416 der mittelgroĂen Börsenunternehmen gab am Montag um 0,85 Prozent auf 31.087,40 Punkte nach. FĂŒr den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 ging es um 0,67 Prozent abwĂ€rts. WĂ€hrend sich auch fĂŒr die US-Börsen ein schwĂ€cherer Start abzeichnete, zeigten sich in Asien vor allem die chinesischen Börsen freundlich. Trotz des Zollstreits war Chinas AuĂenhandel im Juni weiter gewachsen.
Vor dem Start der Berichtssaison stand unternehmensseitig die Chemiebranche im Fokus. Nach Covestro DE0006062144 senkten auch BASF DE000BASF111 und Brenntag DE000A1DAHH0 ihre Gewinnprognosen fĂŒr das laufende Jahr. Die Mitte der neuen Prognosespanne von BASF liege auf Linie mit den Markterwartungen, konstatierte UBS-Analyst Geoff Haire. Nach stĂ€rkerem Start gaben die BASF-Aktien zuletzt 0,5 Prozent nach. Die Gewinnwarnung von Brenntag sei hingegen schlimmer als befĂŒrchtet, schrieb JPMorgan-Analyst Chetan Udeshi. Die Papiere des ChemikalienhĂ€ndlers bĂŒĂten 2,2 Prozent ein.
Bayer-Titel DE000BAY0017 hielten sich als einer der gefragtesten Dax-Werte 0,8 Prozent im Plus. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern darf das Medikament Finerenon in den USA kĂŒnftig auch gegen eine bestimmte Form der Herzinsuffizienz vermarkten. Im vergangenen Jahr wuchsen die UmsĂ€tze mit der noch recht neuen Arznei krĂ€ftig.
Eine Tarifeinigung fĂŒr die kriselnde Stahlsparte von Thyssenkrupp DE0007500001 gab den Aktien des Industriekonzerns keinen weiteren RĂŒckenwind. Nach gutem Lauf fielen sie um 1 Prozent. Die Einigung sei zwar grundsĂ€tzlich positiv zu werten, sagte ein AktienhĂ€ndler. Der Sanierungsprozess verlaufe allerdings recht langsam.
Derweil musste der Medizin- und Sicherheitstechnikhersteller DrĂ€gerwerk DE0005550636 im zweiten Quartal einen GewinnrĂŒckgang hinnehmen, setzt nun aber auf einen anziehenden Auftragseingang. Daher bestĂ€tigte das im Kleinwerte-Index SDax DE0009653386 gelistete Unternehmen seine Jahresprognose. Die DrĂ€ger-Aktien standen 1,2 Prozent im Plus.
FĂŒr die Anteilsscheine von Secunet DE0007276503 ging es dagegen nach zeitweise zweistelligen Verlusten noch 6,3 Prozent bergab. Den Anlegern gefiel mit Blick auf vorlĂ€ufige Zahlen nicht, dass die gute Entwicklung im ersten Halbjahr vor allem mit dem starken Auftaktquartal begrĂŒndet wurde. Daraus lasse sich schlieĂen, dass das zweite Jahresviertel wohl nicht so toll gelaufen sei, sagte ein Börsianer.
SGL Carbon DE0007235301 sanken nach einer gekappten Umsatzprognose des Kohlefaserspezialisten fĂŒrs laufende Jahr um 1,4 Prozent. Wegen der anhaltenden NachfrageschwĂ€che von Halbleiterkunden nach Spezialgraphit-Komponenten im ersten Halbjahr dĂŒrfte das Wachstum noch deutlicher zurĂŒckgehen als bisher befĂŒrchtet.
Ansonsten bewegten auch Analystenkommentare die Aktienkurse. Renk DE000RENK730 kletterten nach einer Kaufempfehlung von Kepler Cheuvreux 2,9 Prozent höher an die MDax-Spitze. Insbesondere die bessere Berechenbarkeit des Auftragseingangs werde noch unterschÀtzt, schrieb Analyst Sven Sauer. Knapp dahinter stieg auch United Internet DE0005089031 um 2,9 Prozent. Analyst Andrew Lee von Goldman Sachs sieht die 1&1DE0005545503-Muttergesellschaft als Hauptprofiteur der Branchenkonsolidierung unter Europas Telekomunternehmen./niw/jha/
--- Von Nicklas Wolf, dpa-AFX ---

