ROUNDUP, US-Sicherheitsstrategie

US-Sicherheitsstrategie schreckt Deutschland auf

08.12.2025 - 16:00:43

Die neue US-Sicherheitsstrategie mit scharfer Kritik an Europa hat in Deutschland bis hin zur Regierungsspitze besorgte, aber auch selbstbewusste Reaktionen hervorgerufen.

Nach EinschĂ€tzung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist das US-Konzept teils auf Ideologie zurĂŒckzufĂŒhren, wie ein Regierungssprecher sagte.

GrundsĂ€tzlich teile die Bundesregierung die Analyse in vielen Punkten, sagte Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille in Berlin. Er begrĂŒndete dies mit dem "Grundgedanken, dass wir unsere Sicherheit breit denken mĂŒssen". Europa und die USA seien zudem historisch, wirtschaftlich sowie kulturell verbunden und blieben Partner.

Die Bundesregierung weise aber die von der Regierung unter US-PrĂ€sident Donald Trump hervorgebrachten kritischen Töne gegenĂŒber der EU zurĂŒck, so Hille. Die AnwĂŒrfe wĂŒrden mehr als Ideologie denn als Strategie gesehen.

Kontroverse um Russland

Deutschland teile nicht die Ansicht, dass Russland nicht mehr als Bedrohung gesehen werde, sagte Hille ausdrĂŒcklich auch im Namen von Kanzler Merz. Vielmehr bleibe es die ĂŒbereinstimmende EinschĂ€tzung Deutschlands und seiner europĂ€ischen Partner, dass "Russland die grĂ¶ĂŸte Bedrohung von StabilitĂ€t, von Frieden und Freiheit in Europa ist".

In ihrer neuen Sicherheitsstrategie beklagen die USA unter anderem einen Verlust der Demokratie und Meinungsfreiheit in Europa. Über Migration heißt es, der angebliche wirtschaftliche Niedergang Europas werde von der Gefahr einer "zivilisatorischen Auslöschung" ĂŒberlagert. EuropĂ€ischen Politikern wirft die Trump-Regierung "unrealistische Erwartungen" und eine politische Blockadehaltung im Ringen um Frieden mit Moskau vor. Das erschwere die Wiederherstellung von StabilitĂ€t auf dem Kontinent - einschließlich einer neuen "strategischen StabilitĂ€t mit Russland".

Wadephul verwahrt sich gegen US-Rat

Aus Deutschland und anderen europĂ€ischen Staaten war bereits scharfe Kritik gekommen. Außenminister Johann Wadephul sagte zu den kritischen Äußerungen zur Meinungsfreiheit, er glaube "nicht, dass irgendjemand uns dazu RatschlĂ€ge geben muss". Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen warf Trump vor, mit seiner neuen Sicherheitsstrategie die Existenz der EU zu bedrohen. "Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stehen die USA nicht mehr an der Seite der EuropĂ€er", sagte der Unionsfraktionsvize dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die GrĂŒnen-Vorsitzende Franziska Brantner setzt daher auf eine verstĂ€rkte sicherheitspolitische Zusammenarbeit in der EU: "Jeder, der jetzt immer noch auf rein nationale statt europĂ€ische Sicherheit setzt, gefĂ€hrdet unser aller Freiheit und Sicherheit in Europa", sagte sie der Funke-Mediengruppe.

Die Chefin der Linken, Ines Schwerdtner, sagte in Berlin, man mĂŒsse die RealitĂ€t anerkennen, dass sich die USA offensichtlich mit Wladimir Putins Russland und autoritĂ€ren Staaten verbrĂŒderten. Sie forderte eine StĂ€rkung der europĂ€ischen SouverĂ€nitĂ€t. "Dass bedeutet, dass die deutsche Bundesregierung wirklich auch den Bruch mit den Trumpisten wagen muss."

@ dpa.de