Niedersachsen: Keine gemeinsame Regierungslinie zur Gasförderung vor Borkum
06.07.2025 - 14:33:37WĂ€hrend MinisterprĂ€sident Olaf Lies (SPD) eine Förderung befĂŒrwortet, wenn Umwelt- und Naturschutzauflagen beachtet werden, lehnt sein Umweltminister Christian Meyer (GrĂŒne) diese weiterhin ab.
Aus seiner Sicht sei die Gasförderung zur Sicherung der Versorgung notwendig, sagte Lies im Interview mit dem Deutschlandfunk. Auch wenn es im Moment keine Gasmangellage mehr gebe, sei Deutschland weiterhin abhĂ€ngig von Gasimporten aus Norwegen, die ĂŒber Pipelines nach Deutschland kĂ€men: "Wir sind in einer AbhĂ€ngigkeit, dass dort technische Probleme oder AnschlĂ€ge zu Problemen fĂŒhren können."
Kritik von Umweltminister Meyer
DemgegenĂŒber kritisierte Meyer in einem Interview mit NDR Info eine Entscheidung des Bundeskabinetts fĂŒr ein Wirtschaftsabkommen mit den Niederlanden zur Gasförderung im Grenzgebiet der Nordsee vor Borkum. Diese sei "ziemlich verfrĂŒht". Der Schritt stehe im Widerspruch mit der Feststellung der Bundeswirtschaftsministerin aus dieser Woche, es bestehe keine Gasmangellage mehr.
Meyer verwies auf die Gefahren, die sich fĂŒr das benachbarte Weltnaturerbe Wattenmeer ergeben könnten. So könnten bei Havarien Schadstoffe in den geschĂŒtzten Bereich gelangen. Auch Absenkungen des Meeresbodens hĂ€tten Auswirkungen auf die Umwelt. "Wir haben Sorgen um die Umwelt, und natĂŒrlich passt das nicht mit den Klimazielen zusammen", betonte Meyer.
Lies: UmweltbeeintrÀchtigungen ausgleichen
FĂŒr MinisterprĂ€sident Lies schlieĂen sich hingegen Gasförderung und die Belange des Umweltschutzes nicht grundsĂ€tzlich aus. "Wenn es SchĂ€den an Umwelt und Natur gibt, dann gibt es keine Gasbohrung", sagte er in dem Interview. Dennoch mĂŒsse geprĂŒft werden, ob UmweltbeeintrĂ€chtigungen nicht ausgeglichen werden könnten. So mĂŒssten etwa kĂŒnstliche Riffe geschaffen werden, weil die natĂŒrlichen Riffe bei dem Projekt zu stark geschĂ€digt wĂŒrden.
Offen lieà der MinisterprÀsident, ob Niedersachsen im Bundesrat dem Gasförderabkommen mit den Niederlanden zustimmen werde. Die Landesregierung wolle sich erst das Abkommen ansehen und dann entscheiden, sagte Lies.
InselbĂŒrgermeister kritisiert Bundesregierung
Gegen die umstrittenen GasförderplĂ€ne des niederlĂ€ndischen Energiekonzerns One-Dyas hat Borkum zusammen mit UmweltschutzverbĂ€nden und der Nachbarinsel Juist geklagt. Borkums BĂŒrgermeister JĂŒrgen Akkermann (parteilos) kritisierte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), der in einer Mitteilung gesagt hatte, dass es keine Gasförderung mehr in Schutzgebieten geben sollte, weil die Belastungen der Meere schon sehr hoch seien.
"Aus unserer Sicht sind neue FörderstĂ€tten fĂŒr fossile Energien mit dieser Feststellung unvereinbar", sagte Akkermann. Die BeschrĂ€nkung, Förderplattformen allein auĂerhalb von Schutzgebieten zu erlauben, sei bei nĂ€herer Betrachtung kein Erfolg fĂŒr den Meeresschutz.
Die Insel Borkum ist nach eigenen Angaben an vier Gerichtsverfahren vor deutschen und niederlÀndischen Gerichten beteiligt. Entscheidungen gibt es noch nicht.

