Börse Frankfurt-News: Renditen bleiben in enger Handelsspanne (Anleihen)
10.10.2025 - 14:42:29In den USA fehlen durch den Shutdown aktuelle Konjunkturdaten. Anlegerinnen und Anleger greifen zu Unternehmensanleihen, auch mit höheren Kupons.
10. Oktober 2025. FRANKFURT (Börse Frankfurt). WĂ€hrend Aktien, Edelmetalle und KryptowĂ€hrungen momentan haussieren, bleiben die RentenmĂ€rkte vergleichsweise ruhig. Die Rendite zehnjĂ€hriger US-Anleihen liegt am Freitagmittag mit 4,11 Prozent fast exakt auf dem Niveau der Vorwoche. Bei den zehnjĂ€hrigen Bundesanleihen sieht es mit aktuell 2,68 Prozent Ă€hnlich aus. Zu Wochenbeginn stieg die Rendite wegen der erneuten Regierungskrise in Frankreich zunĂ€chst auf rund 2,73 Prozent. Die fĂŒr den heutigen Freitag angekĂŒndigte Ernennung eines neuen Premierministers durch PrĂ€sident Emmanuel Macron brachte jedoch schnell Entspannung an den MĂ€rkten. Auch der Rendite-Spread zwischen deutschen und französischen Anleihen hat sich nach einem kurzen Anstieg auf 96 Basispunkte bei jetzt nur noch 83 Basispunkten wieder normalisiert.
Bearishe Positioierung am Rentenmarkt
Elmar Völker von der LBBW rechnet damit, dass die Rendite der zehnjĂ€hrigen Bundesanleihen vorerst in einer Spanne zwischen 2,60 und 2,80 Prozent bleibt. Vor allem einen Ausbruch nach oben hĂ€lt er aktuell fĂŒr unwahrscheinlich. Als BegrĂŒndung verweist er auf die "geringe Neigung der EZB zu einer weiteren geldpolitischen Lockerung", auf die "eine moderat positive Tendenz andeutenden FrĂŒhindikatoren aus dem Euroraum" und die "bearishe Positionierung der Marktakteure am Euro-Rentenmarkt". Das liefere keine gĂŒnstige Ausgangslage fĂŒr einen anhaltenden Rentenkursaufschwung. "Vielmehr dĂŒrfte die Tendenz ĂŒberwiegen, Phasen der Kurserholung relativ zĂŒgig fĂŒr Gewinnmitnahmen zu nutzen", vermutet der Renten-Spezialist.
Fehlende Daten und politischer Druck
In den USA fehlen derzeit aussagekrĂ€ftige Indikatoren zur weiteren Zinspolitik der Notenbank. "Der Zeitpunkt der Veröffentlichung wichtiger US-Konjunkturdaten steht weiter in den Sternen, solange der Government Shutdown anhĂ€lt", erklĂ€rt Völker. Das in dieser Woche veröffentlichte Protokoll der jĂŒngsten Fed-Sitzung zeigt, wie stark die Erwartungen hinsichtlich Inflationsentwicklung und Höhe des neutralen Zinsniveaus im Rat auseinandergehen. Die Fed hatte die Leitzinsen im September reduziert.
Bis Ende 2026 sind nach Berechnung der Deutschen Bank via Fed Funds Futures kumuliert rund 110 Basispunkte an weiteren Senkungen eingepreist. FĂŒr Tim Oechsner von der Steubing AG ist die Entwicklung des zuletzt sehr fragilen Arbeitsmarktes ausschlaggebend fĂŒr die nĂ€chsten Zinsschritte. Dabei sieht sich die Notenbank mit anhaltenden Forderungen der US-Regierung konfrontiert. "Aktuell steht die Fed seitens Trump unter Druck, die Geldpolitik schnell zu lockern", erklĂ€rt Oechsner.
Grenke Leasing-Anleihe wird nachgefragt
Von den Unternehmensanleihen stehen Bonds groĂer deutscher Firmen weiter im Fokus. Gekauft werden laut Oechsner Anleihen von ENBW (XS2942479044), Bayer (XS2630111719) und Siemens (XS1955187775). Auch eine bis 2028 laufende Anleihe von Grenke Leasing mit einer Rendite von 3,7 Prozent stöĂt auf Interesse (XS3175869737).
Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank meldet abseits des Mainstreams KÀufe der 2039 fÀlligen Anleihe der New South Wales Treasury Corp. (AU3SG0003270). Der in AUD notierende Bond ermöglicht aktuell eine Rendite von 5,3 Prozent. Ebenfalls stark nachgefragt war eine neue Anleihe der DEAG Deutsche Entertainment mit einer Laufzeit von vier Jahren und einem Kupon von 7,75 Prozent (NO0013639112). "Die Zeichnung wurde am Mittwoch vorzeitig beendet", berichtet Daniel.
Von Thomas Koch, 10. Oktober 2025 © Deutsche Börse AG
(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

