Ergebnisse, Produktion/Absatz

Boeing-Krise bremst Ryanair noch stÀrker aus - Aktie legt dennoch zu

27.01.2025 - 09:54:58

Die Probleme des Flugzeugbauers Boeing US0970231058 durchkreuzen die GeschÀftsplÀne des Billigfliegers Ryanair IE00BYTBXV33 noch stÀrker als gedacht.

Weil Boeing nicht genĂŒgend Flugzeuge liefern kann, dĂŒrfte die Zahl der Passagiere im kommenden GeschĂ€ftsjahr bis Ende MĂ€rz 2026 nur auf 206 Millionen wachsen, teilte die irische Fluglinie am Montag in Dublin mit. Bereits Anfang November hatte Ryanair-Chef Michael O'Leary sein Ziel auf 210 Millionen Passagiere gekĂŒrzt. Zuletzt lief es fĂŒr den Billigflieger jedoch besser als gedacht.

An der Börse kamen die Neuigkeiten daher gut an: Die Ryanair-Aktie gewann kurz nach Handelsbeginn im Dublin mehr als zwei Prozent auf 20,15 Euro. Laut dem Branchenexperten Alexander Irving vom Analysehaus Bernstein ĂŒbertrafen Ryanairs Quartalsgewinn und das Gewinnziel die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten.

Boeings Krise macht Ryanair seit Jahren zu schaffen. Anders als etwa die britische Konkurrentin Easyjet GB00B7KR2P84 und die Lufthansa-Tochter DE0008232125 Eurowings setzt Europas grĂ¶ĂŸte Billigfluggesellschaft mit mehr als 600 Maschinen fast komplett auf die Boeing-Jets aus der 737-Reihe. Von der aktuellen Generation 737 Max hat sie hunderte Exemplare bestellt, darunter auch die Langversion 737-Max-10, die nach jahrelanger VerspĂ€tung noch immer keine Betriebszulassung hat.

Nach einem Beinahe-UnglĂŒck Anfang 2024 waren bei Boeing etliche QualitĂ€tsmĂ€ngel aufgetaucht. Seitdem steht der Hersteller unter strenger Aufsicht der US-Luftfahrtbehörde FAA und darf die Produktion der 737-Max-Reihe nicht weiter hochfahren. Zudem legte ein fast zweimonatiger Streik die Produktion im vergangenen Jahr lahm. Die fehlenden Jets fĂŒhren bei vielen Airlines zu einem geringeren Flugangebot als geplant - und treiben damit die Ticketpreise nach oben.

FĂŒr das laufende GeschĂ€ftsjahr sieht O'Leary Ryanair allerdings auf Kurs, knapp 200 Millionen Passagiere zu befördern. Zuvor hatte er 198 bis 200 Millionen als Ziel ausgegeben. Dabei erwartet er nun einen GewinnrĂŒckgang auf 1,55 bis 1,61 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Überschuss von 1,92 Milliarden Euro erzielt.

Im dritten GeschĂ€ftsquartal bis Ende Dezember verdiente die Gesellschaft allerdings mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der FluggĂ€ste stieg um neun Prozent auf 44,9 Millionen. Der Umsatz sprang um zehn Prozent auf 2,96 Milliarden Euro nach oben. Der Überschuss legte von 15 Millionen auf 149 Millionen Euro zu.

"Wir arbeiten mit Boeing weiterhin daran, die Flugzeugauslieferungen zu beschleunigen", sagte O'Leary. Er zeigte sich zuversichtlich, dass Ryanair die letzten 29 Maschinen aus einem Großauftrag vor MĂ€rz 2026 erhĂ€lt.

Mit der Zulassung der langen 737-Max-10 rechnet der Manager nun gegen Ende 2025. Die ersten 15 Jets dieser Variante sollten dann im FrĂŒhjahr an Ryanair ausgeliefert werden. Die Max-10 soll 228 Sitze haben und damit 31 mehr als die bisherigen 737-Max-Jets von Ryanair.

Dass die Langversion noch nicht zugelassen wurde, ist eine SpĂ€tfolge der Max-Krise aus den Jahren 2019 und 2020. Nach den AbstĂŒrzen zweier Flugzeuge der Reihe mit 346 Toten durften die Maschinen der 737-Max-Reihe damals 20 Monate lang nicht abheben. Erst nach technischen Nachbesserungen erteilten Behörden in aller Welt nach und nach wieder die Freigabe. Boeing hat sich von dieser Krise bis heute nicht erholt. Die Entwicklung neuer Flugzeugversionen verzögerte sich seither immer wieder.

Auch deshalb liebĂ€ugelte Ryanair-Chef O'Leary wiederholt damit, neue Maschinen beim weltgrĂ¶ĂŸten Flugzeughersteller Airbus NL0000235190 zu kaufen. Mit seiner Modellfamilie A320neo ist der europĂ€ische Hersteller dem einstigen Branchenprimus Boeing lĂ€ngst davongezogen. Dessen Produktion jedoch bis Ende des Jahrzehnts ausgebucht. Im Ryanair-Konzern ist bisher nur die österreichische Tochter Lauda mit Airbus-Maschinen unterwegs.

@ dpa.de | IE00BYTBXV33 ERGEBNISSE