ROUNDUP, Trump

Trump streicht Empfehlungen fĂŒr Kinderimpfungen zusammen

Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 07:20 Uhr | dpa.de

Die Regierung von US-PrĂ€sident Donald Trump empfiehlt weniger Impfungen fĂŒr Kinder und will Kombi-Impfungen kĂŒnftig auf mehrere Arztbesuche verteilen lassen.

Per Dekret verfĂŒgte Trump im Beisein seines umstrittenen Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr., fortan nur noch Impfungen gegen elf Krankheiten als zentrale Empfehlungen fĂŒr alle Kinder anzuerkennen. Ob die Anordnung unmittelbare Auswirkungen haben wird, war zunĂ€chst unklar. Ein Ă€hnlicher Umbau der Impfpolitik war im MĂ€rz von einem Bundesgericht vorlĂ€ufig gestoppt worden, zudem liegen viele Befugnisse zu Impfregeln bei den Bundesstaaten.

Bei seinem Auftritt im Weißen Haus rĂ€umte der PrĂ€sident zudem selbst ein, sich auf unbewiesene Behauptungen zu stĂŒtzen. Er wiederholte auch seine These eines möglichen Zusammenhangs zwischen Impfungen und Autismus, fĂŒr den es laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) keinerlei Belege gibt.

Der neuen Anordnung zufolge sollen Impfungen gegen Krankheiten wie Hepatitis B, Covid-19 und Grippe nicht mehr pauschal fĂŒr alle Kinder empfohlen werden. Eltern könnten sich aber weiterhin fĂŒr sĂ€mtliche Impfungen entscheiden, betonte Trump bei der Unterzeichnung des Dekrets im Weißen Haus. Die Kosten dafĂŒr sollen nach Angaben der Regierung auch weiterhin von Versicherungen ĂŒbernommen werden.

Zahl der Maserninfektionen seit Trumps Amtsantritt explodiert

Trump forderte, den kombinierten MMR-Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln kĂŒnftig möglichst in drei einzelne Impfungen aufzuteilen und diese zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu verabreichen. Zusammen könnten die Impfstoffe möglicherweise "ziemlich tödlich" sein, sagte Trump. Auf die Frage eines Journalisten, ob es dafĂŒr Belege gebe, antwortete er: "Nein." Er habe aber von Menschen gehört, die dies behaupteten.

FĂŒr einen besonderen Nutzen einer Aufteilung des MMR-Impfstoffs gibt es nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC keine wissenschaftlichen Belege. Einzelimpfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln sind in den USA derzeit zudem nicht verfĂŒgbar. Gesundheitsexperten warnen, dass zusĂ€tzliche Arzttermine dazu fĂŒhren könnten, dass Kinder lĂ€nger ungeschĂŒtzt bleiben oder spĂ€tere Impfungen ausfallen.

Dabei ist die Zahl der Maserninfektionen schon jetzt auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten. Im Jahr 2000 hatte die Krankheit in den USA eigentlich schon als besiegt gegolten. Danach gab es nur sporadisch immer wieder kleinere AusbrĂŒche. In den vergangenen anderthalb Jahren - Trump ist seit Januar 2025 im Amt - gab es nun mehr FĂ€lle als in den 25 Jahren davor zusammen.

Studien zeigen keinen Zusammenhang mit Autismus

Trump stellte den neuen Kurs erneut in einen Zusammenhang mit der stark gestiegenen Zahl von Autismus-Diagnosen. Er habe seine eigenen Kinder frĂŒher selbst zu mehreren getrennten Impfterminen gebracht, sagte der PrĂ€sident. "Ich denke, das wird einen großen Einfluss auf Autismus haben."

Auch Gesundheitsminister Kennedy sagte, die Regierung wolle mögliche ZusammenhĂ€nge zwischen Impfungen, deren Zeitpunkt und Autismus weiter untersuchen. Er erklĂ€rte, ein Anstieg von Autismus-Diagnosen könne nicht allein mit besserer Erkennung erklĂ€rt werden und mĂŒsse auch Umweltursachen haben.

Die Weltgesundheitsorganisation kommt dagegen nach wiederholter Auswertung zahlreicher Studien zu dem Schluss, dass es keinen Beleg dafĂŒr gibt, dass Impfungen Autismus verursachen. Auch ein Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus wurde in großen Studien nicht gefunden.

Gericht schritt gegen Kurswechsel ein

Die Anordnung setzt den seit Monaten verfolgten Kurs der Trump-Regierung fort. Kennedy hatte Anfang des Jahres bereits versucht, den nationalen Kinderimpfplan einzudampfen, allgemeine Empfehlungen nur noch fĂŒr Impfungen gegen 11 statt 17 Krankheiten auszugeben und bei allen anderen FĂ€llen stĂ€rker auf individuelle Entscheidungen von Eltern und Ärzten zu setzen.

Ein Bundesgericht stoppte diese Änderungen im MĂ€rz jedoch vorlĂ€ufig, nachdem ÄrzteverbĂ€nde dagegen geklagt hatten. In der UrteilsbegrĂŒndung hieß es, in der Vergangenheit seien solche Entscheidungen nach "Methoden wissenschaftlicher Natur, die durch Verfahrensvorschriften im Gesetz kodifiziert sind" getroffen worden, doch "leider hat die Regierung diese Methoden missachtet und dadurch die IntegritĂ€t ihres Handelns untergraben".

Auch Trumps neue Anordnung hebt die Gerichtsentscheidung nicht auf. Sie macht den reduzierten Impfplan zur erklĂ€rten Politik der Regierung und stĂ¶ĂŸt weitere Schritte an, Ă€ndert aber nicht automatisch die derzeit geltenden Impfempfehlungen oder die Impfanforderungen fĂŒr Schulen. Letztere werden in den USA prinzipiell von den Bundesstaaten selbst festgelegt. Trump wies das Justizministerium nun an, rechtlich gegen Bundesstaaten vorzugehen, deren Regeln nach Auffassung der Regierung das Recht auf religiös oder medizinisch begrĂŒndete Impfausnahmen verletzen.

Regierung verweist auf hohe Impfquoten in Europa

Trump und Kennedy begrĂŒndeten ihren Kurs auch damit, dass europĂ€ische LĂ€nder hohe Impfquoten ohne umfassende Schul-Impfpflichten erreichten. TatsĂ€chlich setzen viele europĂ€ische Staaten vor allem auf freiwillige Impfprogramme. In mehreren LĂ€ndern gibt es jedoch Pflichtimpfungen und entsprechende Nachweispflichten. In Deutschland etwa mĂŒssen Kinder in Kitas und Schulen einen ausreichenden Masernschutz nachweisen.

Die US-Regierung betont, sie strebe weiterhin hohe Impfquoten an - wolle dieses Ziel aber eher durch Information und freiwillige Entscheidungen der Eltern als durch staatliche Vorgaben erreichen.

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