Europa Schluss: Weitere Verluste nach Rally - Zollsorgen belasten
20.01.2026 - 18:23:08Eine gewisse UnterstĂŒtzung kam aus den USA. Jenseits des Atlantiks starteten die Börsen nach einem verlĂ€ngerten Wochenende zwar recht schwach, erholten sich dann aber etwas. Wieder aufgeflammte Zollsorgen hatten der jĂŒngsten Rekordrally von EuroStoxx & Co. ein Ende gesetzt. Die Gewinne seit Anfang Januar haben sich weitgehend wieder in Luft aufgelöst.
Letztlich beendete der Leitindex der Euroregion, der EuroStoxx 50 EU0009658145, den Tag 0,57 Prozent tiefer auf 5.892,08 Punkten. AuĂerhalb der Eurozone fiel der britische Leitindex FTSE 100 GB0001383545 um 0,67 Prozent auf 10.126,78 ZĂ€hler und der schweizerische SMI CH0009980894 um 0,81 Prozent auf 13.169,96 Punkte.
US-PrĂ€sident Donald Trump hatte den europĂ€ischen Anlegern am Wochenende die Laune verhagelt. Wegen des Grönland-Streits kĂŒndigte er Strafzölle ab Februar an, die zum 1. Juni weiter steigen sollen, sofern kein Abkommen ĂŒber den Kauf der dĂ€nischen Arktisinsel durch die USA erzielt wird. Betroffen von den Zöllen sind die acht europĂ€ische Nato-LĂ€nder DĂ€nemark, Deutschland, Frankreich, Schweden, Niederlande, Finnland, GroĂbritannien und Norwegen.
Die VerschĂ€rfung der transatlantischen Spannungen samt den wieder erwachten Zollsorgen nagten an der europĂ€ischen Anlagestory, schrieb Aktienmarktstrategin Beata Manthey von Citigroup. Ăber der erwarteten Gewinnbelebung europĂ€ischer Konzerne habe sich ein Schatten gelegt. Manthey strich daher ihre PrĂ€ferenz fĂŒr Aktien Kontinentaleuropas und schĂ€tzt sie im globalen Kontext nur noch neutral ein - erstmals seit mehr als einem Jahr, wie sie betonte.
Optimistischer Ă€uĂerte sich dagegen Anlageexpertin Marina Zavolock von Morgan Stanley. Die erneute Zolleskalation erschwere die Lage zwar insgesamt, allerdings seien die Belastungen sehr individuell. Zudem werde Europa in seinem Kurs zu mehr EigenstĂ€ndigkeit und Eigenverantwortung bestĂ€rkt, was nicht nur RĂŒstungsinvestitionen, sondern auch der Reformagenda insgesamt Schub verleihen dĂŒrfte.
Die Verluste an Europas Börsen werden allerdings auch als Gegenreaktion auf die vorherige Rally gewertet. So sprach Jörg Scherer, technischer Analyst bei der HSBC, von einer "gesunden Verschnaufpause".
Luxusaktien blieben unter Druck, denn neben den Zolldrohungen wegen Grönland belasteten weitere ĂuĂerungen Trumps. Angesichts der zögerlichen Haltung Frankreichs, dem "Friedensrat" fĂŒr den Gazastreifen beizutreten, will der US-PrĂ€sident Zöllen von 200 Prozent auf Wein und Champagner erheben. Die Aktie von LVMH FR0000121014 verlor 2,2 Prozent. Zum Sortiment des Unternehmens gehört auch Champagner. Im Gefolge von LVMH gaben auch Kering FR0000121485, Hermes FR0000052292 und Burberry GB0031743007 nach.
Totalenergies FR0000120271 stemmten sich mit plus 1,4 Prozent gegen den allgemein schwĂ€cheren Gesamttrend. Europas gröĂter Kraftstoffhersteller hatte zum Jahresende von einem besser laufenden RaffineriegeschĂ€ft profitiert. Angesichts weltweit knapper VerarbeitungskapazitĂ€ten hielten steigende Raffineriemargen trotz sinkender Ălpreise den Barmittelzufluss im vierten Quartal, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, stabil. Damit trotze Totalenergies dem negativen Branchentrend mit sinkenden Gewinnerwartungen, hieĂ es von der kanadischen Bank RBC.
An der schweizerischen Börse brachen DocMorris CH0042615283 um 8,6 Prozent ein. Die Online-Apotheke wuchs 2025 zwar krÀftig und erreichte die eigenen Umsatzziele, wobei das elektronische Rezept in Deutschland ein wichtiger Treiber war. Dennoch habe sich der Markt hier mehr erhofft, schrieb Analyst Volker Bosse von der Baader Bank.

