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Berichte ĂŒber neuen US-Friedensplan - Ukraine unter Druck

20.11.2025 - 06:30:03 | dpa.de

Die Ukraine gerĂ€t durch einen angeblich von der US-FĂŒhrung mit Moskau im Geheimen ausgehandelten Friedensplan unter Druck.

Von dem angegriffenen Land verlange der Rahmenentwurf große ZugestĂ€ndnisse, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf am GesprĂ€chsprozess beteiligte Personen. Die Ukraine solle die umkĂ€mpften Gebiete Donezk und Luhansk vollstĂ€ndig rĂ€umen und ihre Armee halbieren.

Vor dem Hintergrund der Berichte steht fĂŒr den ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj heute in Kiew ein Treffen mit einer US-MilitĂ€rdelegation an. In BrĂŒssel kommen unterdessen die EU-Außenminister zu Beratungen zusammen. Thema sollen etwa mögliche neue Maßnahmen gegen die sogenannte russische Schattenflotte zur Umgehung von Energiesanktionen sein.

Kiewer FĂŒhrung angeblich ĂŒber Plan informiert

Das Nachrichtenportal "Axios" in Washington berichtete, der Plan sei Ende Oktober von Trumps Sondergesandten Steve Witkoff und dem Moskauer Vertreter Kirill Dmitrijew ausgehandelt worden. Den Angaben nach soll Witkoff die Überlegungen dem Chef des ukrainischen Sicherheitsrates, Rustem Umjerow, zur Kenntnis gegeben haben.

In Moskau sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow, es gebe zwischen Russland und den USA keine neuen VorschlĂ€ge fĂŒr ein Kriegsende. Es gelte weiter, was von Kremlchef Wladimir Putin und Trump bei ihrem Gipfel in Alaska im August besprochen worden sei. Der neue Plan entspricht nach EinschĂ€tzung der "Financial Times" weitgehend bekannten russischen Forderungen an Kiew.

Moskau will Russisch als Staatssprache

Moskau soll demnach die Teile von Donezk und Luhansk bekommen, die es bislang nicht erobern konnte. Allerdings sollen sie demilitarisiert werden. Die sĂŒdliche Frontlinie durch die Gebiete Saporischschja und Cherson soll weitgehend eingefroren werden. Der Ukraine droht demnach auch Begrenzungen der Reichweite ihrer Waffen.

Dem Bericht zufolge wird ebenfalls gefordert, dass Russisch als Staatssprache anerkannt und die frĂŒhere moskautreue orthodoxe Kirche wieder zugelassen werde. Die Kiewer FĂŒhrung versucht, diese Kirche als Sicherheitsrisiko zu verbieten.

Über einen militĂ€rischen RĂŒckzug der Ukrainer hatte Trump schon frĂŒher gesprochen und es Gebietsaustausch genannt. In den letzten Wochen zeigte er sich allerdings zunehmend enttĂ€uscht wegen Putins mangelnder Verhandlungsbereitschaft. Trump sagte einen zweiten Gipfel in Budapest vorerst ab und verhĂ€ngte schmerzhafte Sanktionen gegen die großen russischen Ölexporteure Rosneft und Lukoil.

Ukraine doppelt in Schwierigkeiten

Die angebliche WiederannĂ€herung zwischen Washington und Moskau trifft die Ukraine in einem doppelt ungĂŒnstigen Moment. An der Front im Osten ist der Fall der lange umkĂ€mpften Stadt Pokrowsk nur noch eine Frage der Zeit. Auch weiter sĂŒdlich hat die ukrainische Armee Stellungen rĂ€umen mĂŒssen.

Innenpolitisch steht Selenskyj unter Druck wegen eines Korruptionsskandals, der bis in sein Umfeld reicht. Zwei Minister mussten bislang zurĂŒcktreten. Nach Selenskys RĂŒckkehr von einer Auslandsreise werden fĂŒr heute weitere GesprĂ€che in Parlament und Regierung ĂŒber personelle Konsequenzen erwartet. In Kiew wird auch ĂŒber eine Entlassung von Andrij Jermak diskutiert, der als Leiter des PrĂ€sidentenbĂŒros als mĂ€chtig gilt.

Selenskyj: Nur Trump kann Krieg beenden

Eine direkte Reaktion der Ukraine auf den amerikanisch-russischen Plan gab es nicht. Selenskyj beschwor jedoch Trump, sich fĂŒr einen gerechten Frieden einzusetzen. "Nur PrĂ€sident Trump und die USA haben genĂŒgend Kraft, dass dieser Krieg zu einem Ende kommt", schrieb er in sozialen Netzwerken.

Nach GesprĂ€chen in Ankara dankte er dem tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan, dass die TĂŒrkei weiter als Gastgeberin fĂŒr Verhandlungen bereitstehe. Doch das Wichtigste fĂŒr ein Ende des Blutvergießens und einen dauerhaften Frieden sei, dass die USA sich stark und effektiv engagierten. Erdogan drĂ€ngte in Ankara darauf, dass Kiew und Moskau zu neuen GesprĂ€chen in Istanbul auf. Wie bei Trumps Friedensinitiative fĂŒr Gaza sollen laut "Axios" Katar und die TĂŒrkei ebenfalls an dem Ukraine-Plan beteiligt sein.

EuropĂ€er bleiben bislang außen vor

In den europĂ€ischen HauptstĂ€dten war zu dem Plan wenig bekannt. Aus EU-Kreisen in BrĂŒssel hieß es, dass es GesprĂ€che der USA mit beiden Kriegsparteien gebe, den neuen Plan habe man aber noch nicht gesehen. Aktuell scheine eher Russlands ein Interesse an der Verbreitung solcher Nachrichten zu haben. Es sei eine Art Ablenkungsmanöver, denn der Druck durch die US-Sanktionen gegen die russische Ölindustrie sei gewachsen.

Das Nachrichtenportal "Politico" zitierte einen nicht genannten Vertreter der Trump-Administration mit der EinschĂ€tzung, dass Selenskyj unter dem Druck innen und an der Front einlenken mĂŒsse. Die gemachten VorschlĂ€ge seien vernĂŒnftig. Auf die europĂ€ischen VerbĂŒndeten sei dabei kaum RĂŒcksicht genommen worden.

Selenskyj trifft heute eine US-MilitĂ€rdelegation in Kiew. Sie wird von Daniel Driscoll gefĂŒhrt, dem fĂŒr das Heer zustĂ€ndigen StaatssekretĂ€r im US-Verteidigungsministerium. In einem GesprĂ€ch am Mittwoch versuchte der ukrainische Verteidigungsminister Denys Schmyhal, die Ukraine als verlĂ€sslichen und wichtigen Partner der USA darzustellen. Sein Land habe in der Drohnentechnik etwas zu bieten.

Immer noch Vermisste nach Luftangriff auf Ternopil

In der westukrainischen Stadt Ternopil dauerten die Rettungsarbeiten nach einem schweren russischen Luftangriff in Nacht auf Mittwoch weiter an. Bis zum Abend wurden nach Angaben der Nationalen Polizei 26 Leichen gezĂ€hlt. Dazu habe es 93 Verletzte gegeben. PrĂ€sident Selenskyj teilte mit, in den TrĂŒmmern eines neunstöckigen Wohnblocks wĂŒrden immer noch Menschen vermisst. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe hatte ein Marschflugkörper vom Typ Ch-101 das GebĂ€ude getroffen.

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