ROUNDUP, EZB

EZB vor Zinsentscheid - Fed verschreckt mit Dezember-Aussage

30.10.2025 - 06:35:04

Die US-Notenbank Federal Reserve hat zum zweiten Mal in diesem Jahr den Leitzins wegen Sorgen um den Arbeitsmarkt gesenkt.

Diese wogen stĂ€rker als die erhöhte Inflation. Anders dĂŒrfte die EuropĂ€ische Zentralbank vorgehen: Angesichts politisch unsicherer Zeiten und einer eingedĂ€mmten Inflation erwarten Ökonomen, dass die EZB an diesem Donnerstag den fĂŒr Sparer und Banken relevanten Einlagenzins bei 2,0 Prozent belassen wird.

Der EZB-Rat entscheidet darĂŒber am Nachmittag (14.15 Uhr) - ausnahmsweise in Florenz und nicht am Sitz der Notenbank in Frankfurt. Die Leitzinsen haben weitreichende Auswirkungen an den FinanzmĂ€rkten und beeinflussen etwa die Höhe der Kreditzinsen fĂŒr Unternehmen sowie die Zinsen fĂŒr Sparer.

Inflation nahe an EZB-Zielmarke

FĂŒr ein Abwarten der EZB spricht, dass die nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ausgeuferte Inflation im Euroraum wieder unter Kontrolle ist. FĂŒr das laufende Jahr erwartet die EZB eine Teuerungsrate von 2,1 Prozent. Das wĂ€re nur leicht ĂŒber dem Ziel der Notenbank von 2,0 Prozent. Zudem hĂ€lt sich die Wirtschaft in Europa trotz höherer US-Zölle robuster als erwartet. FĂŒr Unruhe sorgt jedoch die politische Krise in Frankreich.

Nach einer Serie von Zinssenkungen hatte die Notenbank schon im Juli und September eine Pause eingelegt. Noch im FrĂŒhjahr 2024 lag der Einlagenzins, den Banken erhalten, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, doppelt so hoch bei 4,0 Prozent. Seither sind auch die Sparzinsen deutlich gesunken.

Fed-Chef Powell beunruhigt MĂ€rkte mit Dezember-Aussage

Die Federal Reserve hingegen hatte im September erstmals seit Dezember 2024 wieder Hand an den US-Leitzins gelegt und ihn gelockert. Auch am Mittwoch reduzierte der Zentralbankrat der Fed das Zinsniveau um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von nun 3,75 bis 4,0 Prozent.

Damit hatte eine breite Mehrheit von Volkswirten gerechnet, nicht jedoch mit einer Äußerung von Fed-Chef Jerome Powell, die dann die MĂ€rkte verunsicherte: "Eine weitere Senkung des Leitzinses bei der Dezember-Sitzung ist alles andere als sicher", sagte Powell. Analysten waren von einer weiteren Senkung zum Jahresende ausgegangen. Unter den einzelnen Fed-Mitgliedern gebe es "weit auseinander driftende Ansichten" ĂŒber die weitere Herangehensweise, sagte Powell.

Bereits jetzt Abweichler bei Entscheidung

Bereits bei der jetzigen Sitzung ergab sich ein uneinheitliches Bild: Von den zwölf stimmberechtigten Mitgliedern votierten dieses Mal zehn fĂŒr eine Senkung um einen kleinen Zinsschritt. Jeffrey Schmid vom Fed-Bezirk Kansas City befĂŒrwortete ĂŒberraschend die Beibehaltung der bisherigen Zinshöhe. Stephen Miran, ein Vertrauter von Donald Trump, sprach sich dagegen erneut fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Senkung aus - ganz nach dem Wunsch des PrĂ€sidenten.

Dass eine weitere Zinssenkung nun gar nicht mehr so sicher ist, dĂŒrfte Trump sauer aufstoßen. Seit Monaten ĂŒbt er Druck auf Powell und andere Vorstandsmitglieder aus und fordert Zinssenkungen - und das, obwohl die Federal Reserve unabhĂ€ngig von politischem Druck ĂŒber die geldpolitische Ausrichtung entscheiden soll.

@ dpa.de