Leitzins bleibt stabil
28.01.2026 - 20:20:18Bei ihrer ersten Entscheidung im laufenden Jahr votierte die Mehrheit des zwölfköpfigen Zentralbankrates dafĂŒr, den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent beizubehalten. Die Mehrheit der Volkswirte war von einem solchen Schritt ausgegangen.
FĂŒr das laufende Jahr rechnen die Experten damit, dass die Fed den Leitzins in zwei Schritten senken dĂŒrfte - also bis auf 3,0 bis 3,25 Prozent. Die Abstimmung rĂŒckte indes aufgrund der jĂŒngsten Eskalation zwischen der Regierung von US-PrĂ€sident Donald Trump und Fed-Chef Jerome Powell eher in den Hintergrund - denn Experten sehen darin einen Angriff auf die UnabhĂ€ngigkeit der Fed.
Die Fed mit Sitz in Washington begrĂŒndete ihre Zinsentscheidung damit, dass Inflation und die Lage am Arbeitsmarkt zuletzt in etwa gleich stark gewichtet worden seien und damit keine Senkung erforderlich sei. FĂŒr eine Beibehaltung stimmten insgesamt zehn Mitglieder des Zentralbankrates. Lediglich der Fed-Gouverneur Christopher Waller und Trumps Berater Stephen Miran sprachen sich so wie bei frĂŒheren Abstimmungen fĂŒr eine Senkung aus. Miran war von Trump fĂŒr eine vakante Stelle im Fed-Vorstand nominiert worden in der Hoffnung, dass der PrĂ€sident dadurch schneller seine geforderten Zinssenkungen erreicht. Waller wird als möglicher Nachfolgekandidat fĂŒr den Chefposten bei der Fed gehandelt.
Viel kritisierte Ermittlungen gegen Fed-Chef Powell
Zuletzt hatte sich der Konflikt zwischen Trump und der Notenbank weiter zugespitzt: In einer Ă€uĂerst seltenen Stellungnahme wies Powell strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn und eine drohende Anklage als Versuch der Einflussnahme auf die Arbeit der Fed zurĂŒck. "Die Drohung mit einer Anklage ist eine Folge davon, dass die Federal Reserve die ZinssĂ€tze nach bestem Wissen und Gewissen im öffentlichen Interesse festlegt und nicht den PrĂ€ferenzen des PrĂ€sidenten folgt", sagte Powell. Er werde sein Amt weiter "integer und im Dienste des amerikanischen Volkes ausfĂŒhren".
Powell zufolge stellte das US-Justizministerium der Fed Vorladungen zu und drohte mit einer Anklage. Powell soll im Zusammenhang mit der mehrjĂ€hrigen und kostspieligen Sanierung von GebĂ€uden der Zentralbank in Washington vor dem Senat Falschaussagen gemacht haben, so der Vorwurf. Die zustĂ€ndige StaatsanwĂ€ltin spielte den Fall herunter: AuĂer Powell habe niemand das Wort "Anklage" in den Mund genommen.
Den Ermittlungen waren monatelang Angriffe Trumps gegen Powell vorangegangen. Der PrĂ€sident will um jeden Preis einen besonders niedrigen Leitzins durchgesetzt sehen und macht den Notenbankchef höchstpersönlich dafĂŒr verantwortlich, dass die Fed den Zins bislang nur zögerlich lockerte. In der Folge beleidigte Trump Powell regelmĂ€Ăig und verlangte seine Entlassung.
Powell vermutet hinter Ermittlungen etwas anderes
Der Fed-Chef sieht in den Ermittlungen indes nur einen Vorwand: "Es geht darum, ob die Fed die ZinssĂ€tze weiterhin auf Grundlage von Fakten und wirtschaftlichen Gegebenheiten festlegen kann - oder ob die Geldpolitik stattdessen von politischem Druck oder EinschĂŒchterung bestimmt wird", erklĂ€rte er weiter.
Notenbankchefs weltweit stellten sich hinter Powell - etwa Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel: "Das ist ein Unding", sagte er. Nagel sagte, er kenne Powell gut und schĂ€tze ihn sehr. "Er macht fĂŒr die USA nach wie vor eine sehr gute Geldpolitik und ist grundanstĂ€ndig." KfW-Volkswirt Stephan Bales kommentierte: "Sollte die US-Notenbank zunehmend an UnabhĂ€ngigkeit verlieren, droht ein Vertrauensverlust mit gefĂ€hrlicher Eigendynamik."
Warum Trump Zinsentscheidungen nicht manipulieren darf
WĂŒrde ein US-PrĂ€sident auch die Leitzinsentscheidung manipulieren, so wĂ€re das Vertrauen an den FinanzmĂ€rkten weltweit nachhaltig zerstört. Der geldpolitische Kurs wird fĂŒr gewöhnlich ausschlieĂlich auf Basis vorhandener Daten festgelegt, unabhĂ€ngig der politischen Ausrichtung einer Regierung. Trumps stĂ€ndige Angriffe auf die Fed und der dadurch befĂŒrchtete Schaden der Zentralbank hatten zuletzt den US-Dollar und amerikanische Staatsanleihen belastet. Investoren suchen daher zunehmend nach Alternativen und setzten verstĂ€rkt auf Gold.
Mit ihren Zinsentscheidungen will die Fed einen Kompromiss zwischen stabilen Preisen und möglichst vielen VollbeschÀftigten finden. Ist der Leitzins zu hoch, bremst er die Wirtschaft aus etwa wegen zu hoher Kreditkosten. Ein niedrigerer Zins stimuliert zwar Wachstum und den Arbeitsmarkt, kann aber die Inflation anheizen.
Nicht nur Fed-Chef in Trumps Visier
Powell ist nicht das einzige Fed-Vorstandsmitglied, gegen das die Trump-Regierung derzeit vorgeht: Das Oberste US-Gericht prĂŒft derzeit, ob die VorstĂ€ndin Lisa Cook entlassen werden darf oder nicht. Richterinnen und Richter aus beiden politischen Lagern Ă€uĂerten zuletzt Skepsis gegenĂŒber den VorwĂŒrfen der Regierung, Cook habe vor ihrem Amtsantritt bei HypothekengeschĂ€ften falsche Angaben gemacht. Sie betonen die besondere verfassungsrechtliche Stellung und UnabhĂ€ngigkeit der Federal Reserve.
Eine sofortige Entlassung könne die UnabhĂ€ngigkeit der US-Notenbank "schwĂ€chen oder sogar zerstören" und sei daher anders zu bewerten als bei anderen unabhĂ€ngigen Behörden. US-Medien bewerten die Anhörung nahezu einhellig so, dass der Supreme Court Trumps Eilantrag wohl ablehnen dĂŒrfte - Cook bliebe damit vorerst im Amt, wĂ€hrend das Verfahren weiterlĂ€uft. Eine endgĂŒltige Grundsatzentscheidung zu Trumps VorwĂŒrfen ist möglich, aber nicht zwingend sofort zu erwarten.

