US-Einwanderungsbehörde: Asylentscheidungen vorerst gestoppt
30.11.2025 - 17:43:09Die US-Einwanderungsbehörde USCIS verkĂŒndete am Freitagabend (Ortszeit), vorerst alle Asylentscheidungen auszusetzen. Dieser Stopp gelte, bis man sicherstellen könne, dass jeder AuslĂ€nder so grĂŒndlich wie möglich ĂŒberprĂŒft und kontrolliert werde, schrieb der Leiter der Behörde, Joseph Edlow, auf der Plattform X und auf Facebook.
Das US-AuĂenministerium teilte zudem auf X mit, es habe die Ausstellung von Visa fĂŒr Personen, die mit afghanischen PĂ€ssen reisen, sofort gestoppt. Das US-Heimatschutzministerium schrieb auf der Plattform, das Ziel sei nie klarer gewesen: "Remigration jetzt". Rechtsextremisten in Deutschland und anderen LĂ€ndern benutzen diesen Begriff ebenfalls. Damit meinen sie in der Regel, dass eine groĂe Zahl von Menschen auslĂ€ndischer Herkunft das jeweilige Land verlassen soll - auch unter Zwang.
Der US-PrĂ€sident selbst hatte zuvor einen vollstĂ€ndigen Aufnahmestopp der USA fĂŒr alle Menschen aus "Dritte-Welt-LĂ€ndern" angekĂŒndigt. "Ich werde Migration aus allen Dritte-Welt-LĂ€ndern dauerhaft stoppen", schrieb er auf seiner Online-Plattform Truth Social. Welche LĂ€nder genau davon betroffen sein sollen und wie und wann er einen solchen Aufnahmestopp durchsetzen will, erklĂ€rte er nicht.
Auf seine Weisung hin hatte die Einwanderungsbehörde USCIS bereits kurz nach dem Vorfall angekĂŒndigt, die Green Cards "aller AuslĂ€nder aus allen problematischen LĂ€ndern" umfassend zu ĂŒberprĂŒfen. Eine "Green Card" erlaubt es auslĂ€ndischen Staatsangehörigen, sich dauerhaft in den USA aufzuhalten und zu arbeiten. Betroffen von dem Schritt sind neben Afghanen auch Menschen aus 18 weiteren LĂ€ndern wie dem Iran, Libyen, Somalia, dem Jemen, Kuba und Venezuela.
Der aktuelle Stand nach den SchĂŒssen auf die Soldaten
Am Mittwoch waren zwei Nationalgardisten aus dem US-Bundesstaat West Virginia nur wenige HĂ€userblöcke vom WeiĂen Haus entfernt angeschossen worden. Eine Soldatin erlag Trump zufolge ihren Verletzungen. Der zweite Nationalgardist kĂ€mpft weiter um sein Leben, wie der Gouverneur von West Virginia, Patrick Morrisey, am Freitag sagte.
Der mutmaĂliche TĂ€ter - ein Afghane - wurde festgenommen. Die amtierende StaatsanwĂ€ltin fĂŒr die US-Hauptstadt, Jeanine Pirro, kĂŒndigte nach dem Tod der 20-jĂ€hrigen Nationalgardistin bei Fox News an, den TatverdĂ€chtigen wegen Mordes anzuklagen. Zuvor hatte Justizministerin Pam Bondi im GesprĂ€ch mit dem US-Sender bereits zuvor verkĂŒndet, sie werde die Todesstrafe fĂŒr den Mann anstreben, sollte einer der Nationalgardisten sterben. Das Motiv fĂŒr die Tat ist nach wie vor unklar.
Medien: Psychische Probleme wegen KĂ€mpfen in Afghanistan
Medienberichten zufolge soll der TatverdĂ€chtige psychische Probleme gehabt haben. Familienangehörigen von ihm hĂ€tten erklĂ€rt, dass der 29 Jahre alte Mann unter einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten habe, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf mit dem Fall vertraute Beamte. Diese sei auf die KĂ€mpfe in Afghanistan zurĂŒckzufĂŒhren, wo er in einer von der CIA geförderten sogenannten Zero Unit der afghanischen Spezialeinheiten gekĂ€mpft habe.
Taliban-Vertreter und Menschenrechtsgruppen bezeichneten die Einheit laut "New York Times" als "Todesschwadron". Sie sei fĂŒr auĂergerichtliche Hinrichtungen und Verschleppungen, wahllose Luftangriffe und Angriffe auf medizinische Einrichtungen verantwortlich.
Auch ein Freund des mutmaĂlichen AttentĂ€ters sagte der "New York Times", dass der 29-JĂ€hrige psychische Probleme gehabt habe. Der TatverdĂ€chtige litt demnach darunter, was seine Einheit getan habe. Er habe erzĂ€hlt, dass die MilitĂ€roperationen sehr hart gewesen seien und sie unter groĂem Druck gestanden hĂ€tten, berichtete der Freund des jungen Mannes der Zeitung.
Menschenrechtler warnen vor politischer Instrumentalisierung
CIA-Direktor John Ratcliffe hatte jĂŒngst erklĂ€rt, dass der TatverdĂ€chtige in Kandahar fĂŒr dortige Partnerorganisationen des US-MilitĂ€rs tĂ€tig gewesen sei und dabei auch fĂŒr die US-Regierung und die CIA gearbeitet hatte. 2021 soll er ĂŒber das Aufnahmeprogramm "Operation Allies Welcome" in die USA gelangt sein, das Trumps VorgĂ€nger Joe Biden nach der MachtĂŒbernahme der Taliban aufgelegt hatte.
Ziel war es laut dem Heimatschutzministerium, Afghanen zu helfen, die mit US-Truppen wĂ€hrend des Einsatzes in dem Land zusammengearbeitet hatten und nun von VergeltungsmaĂnahmen der Islamisten bedroht waren. Das Programm umfasste ĂberprĂŒfungen und Sicherheitskontrollen der Personen. Dem TatverdĂ€chtigen wurde US-Medienberichten zufolge erst 2025 - also nach Trumps Amtsantritt - Asyl gewĂ€hrt.
Der US-PrĂ€sident behauptete nach den SchĂŒssen in Washington, FlĂŒchtlinge seien aktuell der Hauptgrund fĂŒr gesellschaftliche Probleme in den USA. Menschenrechtler warnten indes davor, den Angriff politisch zu instrumentalisieren.

