Frankfurt-News, Fallende

Börse Frankfurt-News: Fallende Kurse und hohe Nachfrage (Anleihen)

23.02.2024 - 13:43:50

Die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Senkung der Leitzinsen ist zuletzt weiter gesunken.

Die dadurch fallenden Kurse an den RentenmÀrkten werden an der Börse Frankfurt mehrheitlich zum Kauf von Anleihen genutzt.

23. Februar 2024. Die Anleiherenditen sind in dieser Woche leicht gestiegen. FĂŒr die zehnjĂ€hrigen US-Treasuries ging es von 4,30 auf 4,35 Prozent nach oben, deutsche Bundesanleihen rentieren bei identischer Laufzeit mit 2,46 Prozent nach 2,40 Prozent am vergangenen Freitag. Ende Dezember waren es noch weniger als 2,0 Prozent. Die Analysten der LBBW fĂŒhren das auf eine "Neubewertung der geldpolitischen Aussichten" zurĂŒck. Die Hoffnung auf schnelle und starke Senkungen der Leitzinsen schwindet.

Zinssenkungen verzögern sich

Ablesen lĂ€sst sich das an den marktimpliziten Wahrscheinlichkeiten fĂŒr Zinssenkungen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Demnach rechneten Ende des vergangenen Jahres noch 100 Prozent der Marktteilnehmer*innen mit einer Fed-Zinssenkung im MĂ€rz. Mittlerweile ist dieser Wert fast auf null gesunken. Selbst ein erster Zinsschritt im Mai wird nur noch von 20 Prozent als wahrscheinlich angesehen. Was auch an den Statements der Verantwortlichen liegt. "Vonseiten der Fed gab es erneut zahlreiche Hinweise darauf, dass es schnelle Zinssenkungen wohl nicht geben wird", resĂŒmieren die Volkswirte der Helaba.Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank ist hinsichtlich baldiger Zinssenkungen auch fĂŒr die Eurozone skeptisch. "Mit Blick auf die jĂŒngsten Lohnforderungen und -abschlĂŒsse dĂŒrfte das Inflationsziel der EZB von zwei Prozent eher schwierig zu erreichen sein", begrĂŒndet der HĂ€ndler. Die Analysten der Weberbank sehen das genauso und empfehlen daher, "den Anteil von Anleihen mit langen Laufzeiten im Depot zu erhöhen, um das Zinsniveau zu sichern und die Chance auf Kursgewinne zu verstĂ€rken".

Unternehmensanleihen bleiben gefragt

Genau das haben viele Anleger und Anlegerinnen in den vergangenen Tagen beherzigt. "Auf vier KĂ€ufe kommt nur ein Verkauf", rechnet Daniel mit Blick auf das Orderbuch vor. Gekauft wurde zum Beispiel eine zu Jahresbeginn neu emittierte Anleihe von Sixt, die bis 2029 lĂ€uft und 3,7 Prozent Rendite ermöglicht (DE000A3827R4). Starke KĂ€ufe gab es zudem in einer 2027 fĂ€lligen Anleihe von Mercedes-Benz (DE000A2R9ZU9), die eine Rendite von 3,2 Prozent abwirft. Der Autobauer hatte diese Woche mit starken Quartalszahlen ĂŒberzeugt.Tim Oechsner von der Steubing AG meldet reges Interesse an zwei frisch emittierten Papieren von Bristol-Myers Squibb (Laufzeit bis 2029; Rendite: 5,0 Prozent - US110122EF17) und Intel (Laufzeit bis 2024, Rendite: 5,3 Prozent US458140CL20). "Die Nachfrage ist noch nicht gestillt", erklĂ€rt der HĂ€ndler, der mit Blick auf die jĂŒngsten Daten zur US-Wirtschaft ebenfalls der Meinung ist, dass es fĂŒr die amerikanische Notenbank "keinen Anlass gibt, baldige Zinssenkungen in Aussicht zu stellen".

Fed-Vertreter

Im Handel der ICF BANK AG erkennt Arthur Brunner einen klaren Trend, wonach RĂŒcksetzer der Anleihekurse zum Einstieg genutzt werden. "Die KĂ€ufer wollen sich die attraktiven Renditen sichern". Dabei stehen entweder kurze (maximal zwei Jahre) oder ganz lange Laufzeiten im Fokus. Als Beispiel fĂŒr die KurzlĂ€ufer nennt der Rentenspezialist zwei bis Herbst 2025 laufende Anleihen der KfW (DE000A30VUG3) und der Deutschen Börse (DE000A1684V3), die jeweils eine Rendite von 3,1 Prozent abwerfen.

Am langen Ende gab es gute UmsĂ€tze in einer erst 2049 fĂ€lligen Italien-Anleihe (IT0005363111), wo die Kursentwicklung durch die lange Laufzeit recht volatil ist und immer wieder vermeintlich gĂŒnstige Einstiegschancen bietet. Ebenfalls gekauft wurde eine Anleihe von Semper idem Underberg (DE000A30VMF2), nachdem das Unternehmen angekĂŒndigt hatte, eine Ă€ltere Anleihe vorzeitig zurĂŒckzuzahlen. Davon habe diese mit 4,4 Prozent rentierende Anleihe profitiert, erklĂ€rt Brunner die starke Nachfrage.

Von Thomas Koch, 23. Februar 2024 © Deutsche Börse AG

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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