DĂ€nischer US-Boykott: Apps sortieren Waren im Supermarkt aus
22.01.2026 - 06:08:09Was aus den USA stammt, landet bei vielen nicht mehr im Einkaufswagen. Mit Apps können die DÀnen Lebensmittel jetzt auf ihre Herkunft scannen.
Gemeinsam mit seinem Freund Malthe Hensberg hat der 21 Jahre alte DĂ€ne Jonas Pipper die App "UdenUSA" ("OhnedieUSA") entwickelt. Die Idee war den beiden schon im vergangenen Jahr gekommen, als US-PrĂ€sident Donald Trump erstmals ernsthaft damit drohte, Grönland zu ĂŒbernehmen.
Viele DĂ€nen wollen US-Waren boykottieren
Aus einer Welle des Protests in DÀnemark entstand damals die Facebook-Gruppe "Boykottiert Waren aus den USA", in der sich DÀnen dazu austauschen, wie sie amerikanische Produkte am besten meiden können. Inzwischen hat die Gruppe mehr als 100.000 Mitglieder. Zur Einordnung: DÀnemark hat rund sechs Millionen Einwohner.
"Wir haben gemerkt, dass es vielen wichtig war, auf Lebensmittel aus den USA zu verzichten", sagt App-Entwickler Pipper der Deutschen Presse-Agentur. "Aber es ist nicht immer so leicht, die im Supermarkt auch zu erkennen."
App kommt auf ersten Platz im App-Store
AuĂerdem schlage die App Alternativen zu US-Produkten vor, damit Verbraucher stattdessen europĂ€ische Unternehmen unterstĂŒtzen könnten. Die Idee scheint auf Anklang zu stoĂen: Im dĂ€nischen App-Store lag "UdenUSA" am Mittwoch auf Platz 1 der Download-Hitliste der kostenlosen Apps.
Schon im vergangenen Jahr hatte es in DÀnemark Initiativen gegeben, mit denen die DÀnen ein Zeichen gegen Trumps Handelspolitik setzen wollten - so hatten zum Beispiel einige dÀnische Supermarktketten Waren europÀischer Produzenten mit einem Stern auf dem Preisschild gekennzeichnet.
Bringt der Boykott etwas?
Unklar ist aber, was fĂŒr einen Effekt solch ein Boykott haben kann. Denn die dĂ€nische Volkswirtschaft ist vergleichsweise klein - und nur wenige Lebensmittel kommen direkt aus den USA. Selbst wenn ein relevanter Teil der dĂ€nischen Konsumenten US-Produkte meide, dĂŒrfte dies kaum ausreichen, um spĂŒrbare wirtschaftliche oder politische Wirkungen zu entfalten, sagt Sascha Raithel, Professor fĂŒr Marketing an der Freien UniversitĂ€t Berlin.
"GröĂere Boykott-Bewegungen bilden sich ĂŒblicherweise erst dann, wenn ein abgelehntes Ereignis nicht bloĂ angedroht wird, sondern tatsĂ€chlich eintritt beziehungsweise eingetreten ist", sagt Jan Landwehr, Professor fĂŒr Marketing an der Goethe-UniversitĂ€t Frankfurt am Main. Kleinere Boykotte könnten in gewissen Gruppen aber bereits jetzt auftreten. Dabei komme es aber auch darauf an, ob die Produkte leicht zu ersetzen seien, sagt Katharina Gangl, Direktorin des NĂŒrnberger Instituts fĂŒr Marktentscheidungen.
DĂ€nen wollen ihrem Ărger Luft machen
FĂŒr viele Verbraucher sei die bewusste Entscheidung gegen US-amerikanische Lebensmittel einfach eine Art, ihrem Ărger Luft zu machen, sagt der Verhaltensforscher Pelle Guldborg Hansen von der UniversitĂ€t Roskilde dem dĂ€nischen Rundfunk.
"Viele Menschen sehen Nachrichten und Ă€rgern sich ĂŒber etwas - und in diesem Fall geht es auch noch um uns und um Grönland", so der Forscher. "Da möchte man einfach irgendetwas gegen seine Wut unternehmen. Und sei es noch so klein."

