ROUNDUP, Rasches

Rasches Ende der Ukraine-GesprÀche in Genf

18.02.2026 - 13:55:52 | dpa.de

Die zweitĂ€gigen Genfer Verhandlungen Russlands und der Ukraine ĂŒber ein Ende des seit fast vier Jahren dauernden Krieges sind ohne greifbares Ergebnis beendet worden.

Nach knapp zweistĂŒndigen GesprĂ€chen verließ die russische Delegation am Mittwoch den Ort des Treffens, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass meldete.

Ergebnisse der GesprĂ€chsrunde unter Vermittlung der USA wurden nicht mitgeteilt. Der Moskauer Delegationsleiter Wladimir Medinski kĂŒndigte ein weiteres Treffen in naher Zukunft an. "Die GesprĂ€che dauerten zwei Tage, gestern sehr lange in verschiedenen Formaten, heute noch einmal zwei Stunden. Sie waren schwierig, aber sachlich", sagte der Ex-Kulturminister und derzeitige Berater von Kremlchef Wladimir Putin Tass zufolge.

Moskauer Staatsmedien bezeichneten die AtmosphÀre in Genf sogar als "sehr angespannt". Dagegen schrieb der US-Sondergesandte Steve Witkoff auf X, die Anstrengungen von PrÀsident Donald Trump, beide Seiten zusammenzubringen, hÀtten "bedeutsame Fortschritte" gebracht.

Der ukrainische ChefunterhĂ€ndler Rustem Umjerow bestĂ€tigte das Ende des zweitĂ€gigen Treffens. Auch er sprach wenig konkret von intensiven und substanziellen GesprĂ€chen. "Es gibt Fortschritte, aber in dieser Phase können keine Details bekanntgegeben werden", sagte der SekretĂ€r des ukrainischen Sicherheitsrates. NĂ€chster Schritt sei, ein "Niveau an Übereinstimmung" zu erreichen, um den PrĂ€sidenten Lösungen vorlegen zu können.

Selenskyj beklagt Moskauer Blockade

Vor dem zweiten Tag hatten beide Delegationen RĂŒcksprache mit ihren HauptstĂ€dten gehalten. "Gestern gab es Treffen, die nicht einfach waren, und wir können festhalten, dass Russland versucht, die Verhandlungen zu verzögern, die bereits in der Endphase sein könnten", schrieb der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj auf Telegram.

Kommende Woche, am 24. Februar, geht der von Putin befohlene Angriffskrieg gegen das Nachbarland in das fĂŒnfte Jahr. Bei den von den USA vermittelten BemĂŒhungen um ein Kriegsende hatten sich Russen und Ukrainer zuletzt im Januar und Februar in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten getroffen. Daran nahmen von Moskauer Seite vor allem MilitĂ€rs und Geheimdienstoffiziere teil.

Welche Rolle spielte ChefunterhÀndler Medinski?

In Genf leitete Medinski (55) die russische Delegation, wie schon bei GesprĂ€chen 2022 und 2025 in Istanbul. Über den ersten Tag in Genf schrieb der als politischer Beobachter des US-Nachrichtenportals "Axios" gut informierte Journalist Barak Ravid bei X, der politische Teil der GesprĂ€che stecke in einer Sackgasse. Grund dafĂŒr seien Positionen des Moskauer VerhandlungsfĂŒhrers.

Dem aus der Zentralukraine stammenden russischen Ex-Kulturminister Medinski wird nachgesagt, in vorherigen Runden lĂ€ngere historische VortrĂ€ge zur Geschichte der Ukraine aus Moskauer Sicht gehalten zu haben. Auch Selenskyj sagte mit Bezug auf ihn: "Fantasieplaudereien zu historischen Themen haben fĂŒr sie (die Russen) grĂ¶ĂŸere Bedeutung."

Medinski gilt nicht als jemand mit großer Hausmacht im Moskauer Machtapparat, er ist aber ein treuer Verfechter von Putins Linie. Er ist einer der Autoren der neuen SchulbĂŒcher in Geschichte, die Experten als propagandistisch und antiwestlich einstufen. Mit Medinski verknĂŒpft sind politische Forderungen des Kremls an die Ukraine - eine moskaufreundliche Regierung, sicherheitspolitische NeutralitĂ€t, ein besonderer Status fĂŒr Russisch.

Selenskyj offen fĂŒr Referendum zu Frontlinie

Selenskyj warnte in einem Interview von "Axios" die US-FĂŒhrung, der Ukraine eine Friedensregelung aufzuzwingen, die von der Bevölkerung nicht akzeptiert werde. Die Ukraine werde keine weiteren Gebiete preisgeben. Er könne sich aber vorstellen, dass seine Landsleute einem Einfrieren des Konflikts an der aktuellen Frontlinie zustimmten, sagte Selenskyj. "Ich denke, dass die Menschen das in einem Referendum akzeptieren wĂŒrden." Ein solcher Volksentscheid könnte parallel zu PrĂ€sidentschaftswahlen abgehalten werden.

Einen von Russland geforderten Abzug ukrainischer Truppen aus den noch von ihnen gehaltenen Teilen der östlichen Gebiete Luhansk und Donezk lehnte Selenskyj ab. "Emotional werden die Menschen das niemals verzeihen. Niemals", sagte der Staatschef "Axios". Selenskyj zufolge hat seine Regierung mit den Amerikanern vereinbart, dass jedes Abkommen eine Zustimmung der ukrainischen Bevölkerung per Referendum erfordert.

Der ukrainische Staatschef will die strittigen Gebietsfragen bevorzugt bei einem direkten Gipfeltreffen mit Putin lösen. Er habe seiner Delegation Anweisung gegeben, diese Frage in Genf anzusprechen. Der Kreml lehnt einen solchen Gipfel zwar nicht direkt ab, sprach aber mehrfach davon, dass ein derartiges Treffen entsprechend vorbereitet werden mĂŒsse - und lĂ€sst kein Interesse an konkreten Vorbereitungen erkennen.

Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 mit westlicher Hilfe gegen die russische Invasion. Seit Trumps Amtsantritt im Januar 2025 versucht das Weiße Haus, die Ukraine und Russland ĂŒber Verhandlungen und Druck zu einem Ende des Krieges zu bewegen.

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