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Digital Omnibus: EU lockert Datenschutz fĂŒr KI-Training

13.03.2026 - 00:00:15 | boerse-global.de

Die EU plant mit dem Digitalen Omnibus eine Vereinfachung der KI-Regulierung, stĂ¶ĂŸt aber auf Kritik wegen möglicher Lockerungen beim Datenschutz. Ein Verband warnt vor einem Ausverkauf europĂ€ischer Standards.

Digital Omnibus: EU lockert Datenschutz fĂŒr KI-Training - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Digital Omnibus: EU lockert Datenschutz fĂŒr KI-Training - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Die EU will mit ihrem Digitalen Omnibus die Regeln fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz verschlanken – und löst damit einen Streit ĂŒber den Schutz persönlichen Daten aus. Die Open Source Business Alliance warnt vor einem Ausverkauf europĂ€ischer Datenschutzstandards.

Ein Kompromiss unter Zeitdruck

Am 11. MĂ€rz 2026 einigten sich die Abgeordneten des EuropĂ€ischen Parlaments in einer Schattenrunde auf einen vorlĂ€ufigen Kompromiss zum Digitalen Omnibus. Das Paket soll die digitale Regulierung straffen und die WettbewerbsfĂ€higkeit europĂ€ischer KI fördern. Kern sind Änderungen am bereits beschlossenen KI-Gesetz (AI Act).

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Um wichtige Fristen einzuhalten, wurden die KI-Regeln aus dem grĂ¶ĂŸeren Regelwerk ausgekoppelt. Der Entwurf sieht lĂ€ngere Übergangsfristen fĂŒr Hochrisiko-KI-Systeme vor. Systeme aus Anhang III sollen erst ab dem 2. Dezember 2027, jene aus Anhang I sogar erst ab dem 2. August 2028 vollstĂ€ndig gelten. Nationale Behörden und Normungegremien erhalten so mehr Vorbereitungszeit.

Der Kompromiss verbietet zudem ausdrĂŒcklich KI, die nicht einvernehmliche, sexuell explizite Deepfakes erzeugt. Er legt auch klarere Bedingungen fĂŒr die Nutzung sensibler Daten fest, um Verzerrungen in Hochrisiko-KI zu erkennen und zu korrigieren – stets unter strengen Schutzvorkehrungen. Über den finalen Bericht wird am 18. MĂ€rz 2026 in den FachausschĂŒssen abgestimmt.

Warnung vor einem "Ausverkauf" des Datenschutzes

Doch der Vorstoß stĂ¶ĂŸt auf scharfe Kritik. Die Open Source Business Alliance (OSBA) warnte am 12. MĂ€rz öffentlich, die PlĂ€ne gefĂ€hrdeten die europĂ€ische digitale SouverĂ€nitĂ€t. Konkret kritisiert der Verband die geplante Lockerung der Datenschutzregeln fĂŒr das Training von KI-Modellen.

Viele europĂ€ische Anbieter hĂ€tten sich ihren Marktvorteil gerade durch strikte Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erarbeitet. „Senkt der Omnibus diese Standards, um die KI-Entwicklung zu beschleunigen, bestraft er jene, die in datenschutzkonforme Architekturen investiert haben“, so die BefĂŒrchtung. Auch die geplante VerkĂŒrzung von Übergangsfristen fĂŒr Transparenzregeln bei generativer KI auf nur drei Monate sorge fĂŒr Rechtsunsicherheit und höhere Compliance-Kosten.

Praxishilfe: Neuer Verhaltenskodex fĂŒr KI-Kennzeichnung

Parallel zum Gesetzgebungsverfahren schreitet die Arbeit an praktischen Leitlinien voran. Die EU-Kommission veröffentlichte am 5. MÀrz den zweiten Entwurf eines freiwilligen Verhaltenskodex zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte. Er soll Entwicklern helfen, die Transparenzvorgaben aus Artikel 50 des KI-Gesetzes umzusetzen.

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Der ĂŒberarbeitete Entwurf vereinfacht die Praxis: Statt komplexer Unterscheidungen zwischen „KI-generiert“ und „KI-unterstĂŒtzt“ konzentriert er sich auf klare Kennzeichnungspflichten, etwa zur Platzierung standardisierter Symbole. Bis zum 30. MĂ€rz kann Feedback eingereicht werden. Die finale Fassung soll bis Anfang Juni vorliegen. Die Transparenzregeln fĂŒr KI-Inhalte treten EU-weit am 2. August 2026 in Kraft – eine konkrete Deadline fĂŒr Medienplattformen und Entwickler.

Datenschutz wird zur Kern-Infrastruktur

Die Schnittstelle aus KI-Gesetz, DSGVO und dem geplanten Omnibus erzwingt einen grundlegenden Wandel in der Unternehmensstrategie. Datenschutz ist nicht lÀnger eine reine Dokumentationsaufgabe, sondern wird zur Kern-Infrastruktur.

Unternehmen mĂŒssen PrivatsphĂ€re von Anfang an in die technische Architektur ihrer KI-Modelle einbetten. Das ist nötig, weil ein einziges KI-System, das personenbezogene Daten in kritischer Infrastruktur verarbeitet, gleichzeitig Pflichten aus DSGVO, KI-Gesetz und Cybersicherheitsrichtlinie NIS2 auslösen kann. Getrennte Compliance-Prozesse fĂŒhren zu Doppelarbeit und regulatorischen Blindstellen.

Als Antwort setzen Unternehmen zunehmend auf standardisierte Rahmenwerke wie ISO 42001, die Risikomanagement und Daten-Governance ĂŒber den gesamten KI-Lebenszyklus formalisieren. In Deutschland unterstreicht der vom Bundeskabinett am 11. Februar 2026 beschlossene Entwurf zum KI-MarktĂŒberwachungsgesetz (KI-MIG) die Dringlichkeit einer integrierten KI-Governance-Strategie.

Globale Auswirkungen und Handlungsdruck

Die MĂ€rz-Entwicklungen spiegeln einen weltweiten Trend: Datenschutz wird durch KI-FĂ€higkeiten neu definiert. WĂ€hrend von den USA bis Vietnam neue Gesetze entstehen, bleibt der EU-Ansatz aufgrund seiner Reichweite und extraterritorialen Wirkung am bedeutendsten.

Die Spannung zwischen regulatorischer Vereinfachung und robustem Datenschutz stellt multinationale Konzerne vor große Herausforderungen. Eine gemeinsame ErklĂ€rung von 61 globalen Datenschutzbehörden vom 23. Februar 2026 zu den Risiken KI-generierter Bilder zeigt: Die Aufsicht ist koordiniert und durchsetzungsstark.

Unternehmen können sich auf geplante Übergangsfristen nicht ausruhen. Erwartet wird, dass sie bereits jetzt hochwertige Trainingsdaten, detaillierte AktivitĂ€tsprotokolle und wirksame menschliche Aufsichtsmechanismen vorhalten – unabhĂ€ngig vom finalen Starttermin der Gesetzesanlagen.

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