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DIW sieht Wirtschaft vor Trendwende - Prognosen erhöht

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 14:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Das Deutsche Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet deutlich mehr Wachstum in den kommenden beiden Jahren.

Nach einer starken ersten JahreshĂ€lfte dĂŒrfte die deutsche Wirtschaft 2026 um 1,2 Prozent zulegen, teilte das DIW in Berlin mit. FĂŒr 2027 rechnen die Wirtschaftsforscher mit einer Rate von 1,0 Prozent, fĂŒr 2028 mit 0,7 Prozent.

Damit hat das Institut seine Prognose von Juni mehr als verdoppelt, als nur ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent fĂŒr dieses Jahr erwartet wurde. Grund seien unerwartet starke Exporte, zudem falle der Energiepreisschock wegen des Iran-Kriegs geringer aus als befĂŒrchtet.

Bundesbank ebenfalls optimistischer

Auch nach EinschĂ€tzung der Bundesbank wird die deutsche Wirtschaft 2026 deutlich stĂ€rker wachsen als bisher prognostiziert. Auf Grundlage der ersten beiden Quartale sei Deutschland "auf dem besten Weg, in diesem Jahr etwa ein Prozent zu erreichen, was deutlich besser ist als unsere Prognose vom Juni", sagte Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel der französischen Tageszeitung "Le Monde". Im Juni hatte die Bundesbank fĂŒr das laufende Jahr preis- und kalenderbereinigt 0,5 Prozent Plus vorhergesagt.

Das Wachstum sei zwar nach wie vor nicht sehr hoch, stellte Nagel fest. Die Exportzahlen seien jedoch zuletzt recht solide gewesen, die AuftragseingÀnge im verarbeitenden Gewerbe zufriedenstellend.

In den ersten beiden Quartalen des laufenden Jahres hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal um 0,4 Prozent beziehungsweise 0,3 Prozent zugelegt. Auch im Schlussquartal 2025 war die deutsche Wirtschaft gewachsen.

"Die deutsche Wirtschaft steht vor einer möglichen Trendwende zu stĂ€rkerem Wachstum in den kommenden zwei Jahren", sagte DIW-PrĂ€sident Marcel Fratzscher. Die Konjunkturdynamik sei vor allem der öffentlichen Hand zu verdanken. "Rund 70 Prozent des Wirtschaftswachstums in diesem Jahr gehen auf öffentlichen Konsum und Investitionen zurĂŒck." Neben steigenden Ausgaben fĂŒr Gesundheit, Pflege und Rente stĂŒtzen höhere Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung.

"Anlass zu vorsichtigem Optimismus"

Die Erholung bleibe aber fragil. "Die privaten Investitionen reichen weiterhin nicht aus, um die Wettbewerbs- und InnovationsfÀhigkeit Deutschlands nachhaltig zu stÀrken", sagte Fratzscher. Auch blieben die globalen Unsicherheiten erheblich. "Eine Eskalation im Nahen Osten oder neue Handelskonflikte könnten die Erholung erneut bremsen." Dennoch gebe es Anlass "zu vorsichtigem Optimismus".

Viele Ökonomen hoben zuletzt ihre Prognosen an. "Die deutsche Wirtschaft erholt sich in diesem Jahr etwas besser als gedacht, steht aber noch immer auf etwas wackligen Beinen", sagte DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik.

Im dritten Quartal erwartet das DIW aber nur eine Stagnation der Wirtschaft, da teure Energiepreise und das Niedrigwasser etwa die Chemie- und Metallindustrie belasteten. Vor allem die hohen Gaspreise blieben ein Risiko fĂŒr den Winter.

Bundesbank-PrÀsident: Euro-Ausstieg wÀre extrem gefÀhrlich

Zugleich warnte Bundesbank-PrÀsident Nagel vor dem Erstarken populistischer Parteien. Angesprochen auf den Aufstieg der AfD in Deutschland sagte er: "Es gibt Menschen in Deutschland, die vorgeben, Patrioten zu sein, und gleichzeitig vorschlagen, den Euro aufzugeben. Ich muss daran erinnern, dass Deutschland dank der EinheitswÀhrung enormen Wohlstand erlangt hat - genau wie Frankreich und die gesamte WÀhrungsunion."

Ein Schritt in Richtung ihrer Auflösung wÀre unverantwortlich und extrem gefÀhrlich, und das Ergebnis wÀre kontraproduktiv, sagte Nagel. "Ich bin aufrichtig besorgt, dass Menschen in Deutschland - und anderswo - einen solchen Weg in Betracht ziehen."

Deutsche-Bank-Chef: Abschottung löst keine Probleme

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing warnte wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor dem Aufstieg populistischer Parteien. "Populistische Parteien geben vor, einfache Antworten zu haben", sagte Sewing zum Auftakt des "Handelsblatt-Bankengipfels" in Frankfurt. "TatsÀchlich propagieren sie Konzepte, die den Grundlagen unseres Erfolgs entgegenstehen: Offenheit, Vielfalt, ein starkes Europa, verlÀssliche Institutionen und internationale Zusammenarbeit."

Sewing betonte mit Blick auf die AfD, er halte den Weg einer Partei, die Abschottung und Nationalismus möchte, fĂŒr absolut falsch fĂŒr Deutschland. Ein Ausstieg aus dem Euro wĂ€re "Gift fĂŒr den deutschen Wohlstand". Der Manager warnte: "Abschottung, Nationalismus und das SchĂŒren von Misstrauen lösen kein einziges unserer Probleme." Ohne Wachstum wĂŒrden Verteilungskonflikte hĂ€rter, staatliche SpielrĂ€ume enger und das Vertrauen in die HandlungsfĂ€higkeit der Demokratie schwĂ€cher.

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