Polnisches Gericht entscheidet ĂŒber Nord-Stream-VerdĂ€chtigen
17.10.2025 - 05:50:04Das hatte sein Anwalt Timoteusz Paprocki am Mittwoch der dpa bestÀtigt. Nach polnischen Medienberichten wird die Gerichtsentscheidung gegen Mittag erwartet, die Verhandlung beginnt um 11 Uhr.
Der von Deutschland mit europĂ€ischem Haftbefehl gesuchte Ukrainer Wolodymyr Z. war vor einer Woche in Pruszkow bei Warschau festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe handelt es sich bei dem 46-JĂ€hrigen um einen ausgebildeten Taucher, der mutmaĂlich Mitglied der Gruppe war, die im Herbst 2022 nahe der Insel Bornholm SprengsĂ€tze an den Nord-Stream-Gaspipelines platzierte. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm HerbeifĂŒhren einer Sprengstoffexplosion und verfassungsfeindliche Sabotage vor.
Bei dem Anschlag beschÀdigten die Sprengungen die beiden Pipelines so sehr, dass kein Gas mehr durchgeleitet werden konnte. Die Explosionen wurden in der NÀhe von Bornholm registriert. Wenig spÀter entdeckte man vier Lecks an drei der insgesamt vier Leitungen.
Durch Nord Stream 1 floss zuvor russisches Erdgas nach Deutschland, allerdings nicht mehr zum Zeitpunkt des Anschlags. Nord Stream 2 war infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine noch gar nicht in Betrieb.
Politischer Widerstand gegen die Auslieferung
Der Fall hat auch Brisanz im VerhĂ€ltnis zwischen Deutschland und Polen. FĂŒhrende Vertreter Polens machen kein Geheimnis daraus, dass sie nicht nur gegen eine Auslieferung an deutsche Gerichte sind, sondern auch den Anschlag als solchen positiv sehen. Regierungschef Donald Tusk sagte kĂŒrzlich, es liege nicht im Interesse seines Landes, den Mann anzuklagen oder an einen anderen Staat auszuliefern.
Am Mittwochabend schlug das dem PrĂ€sidenten Karol Nawrocki unterstellte Nationale SicherheitsbĂŒro BBN in die gleiche Kerbe: "Es liegt im vitalen Interesse des polnischen Staates, dass die mutmaĂlichen Urheber der BeschĂ€digungen von Nord Stream 1 und 2 einer Strafverfolgung wegen dieser Tat entgehen", erklĂ€rte die Behörde laut Nachrichtenagentur PAP.
Die politische FĂŒhrung Polens waren stets gegen den Bau der Pipeline. Daran haben auch der Regierungswechsel vor zwei Jahren und der kĂŒrzliche Wechsel im PrĂ€sidentenamt nichts geĂ€ndert. In Medienberichten tauchte wiederholt der Verdacht einer möglichen polnischen UnterstĂŒtzung oder zumindest Sympathie fĂŒr die AttentĂ€ter auf.

