Droht VW die 'Detroitisierung'?: Experten warnen vor Folgen
Veröffentlicht am: 14.07.2026 um 14:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWS"Nach meiner EinschĂ€tzung wird es keine WerkschlieĂung - allerhöchsten Neckarsulm - geben", sagte Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf das Werk der VW-Tochter Audi in Neckarsulm. Volkswagen DE0007664039 mĂŒsse in vernĂŒnftige GesprĂ€che mit der IG Metall eintreten. "Dazu braucht es einen Moderator", so Dudenhöffer. Und schlĂ€gt den SPD-MinisterprĂ€sidenten von Niedersachsen vor: "Am besten wĂ€re Olaf Lies."
Medien hatten zuletzt von bis zu vier Werken berichtet (Hannover, Emden, Zwickau, Neckarsulm), die bis 2034 schlieĂen könnten - und von bis zu 120.000 Jobs, die weltweit wegfallen könnten. Das wĂ€ren mehr als doppelt so viele wie die bisher geplanten 50.000 Stellen, die bis 2030 in Deutschland abgebaut werden sollen.
Experte rechnet mit geringerem Stellenabbau
Dass wirklich noch einmal so viele hinzukommen, glaubt Branchenexperte Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Berlin nicht. Er gehe davon aus, dass man sich in den noch anstehenden GesprÀchen am Ende auf eine niedrigere Zahl verstÀndigen werde.
"Ich denke, dass man sich irgendwo auf 30.000 bis 40.000 einigen wird", sagte Schwope. Und zwar weltweit, nicht nur in Deutschland. ZusĂ€tzlich abmildern lasse sich das durch MaĂnahmen wie eine Vier-Tage-Woche, mit der VW bereits Anfang der 1990er-Jahre Massenentlassungen vermieden hatte.
Warnung vor Dominoeffekten
Experte Stefan Bratzel warnt jedoch vor deutlich gröĂeren Auswirkungen fĂŒr die gesamte Volkswirtschaft. "Wenn Volkswagen strauchelt, hat das Dominoeffekte fĂŒr breite Teile der Wirtschaft", sagte der Direktor des Center of Automotive Management (CAM). "Im Falle des SchlieĂens von Werken vervielfachen sich in einer Kettenreaktion die betroffenen ArbeitsplĂ€tze." Die Gefahr einer "Detroitisierung" sei nicht unrealistisch, so Bratzel in Anspielung auf die kriselnde US-Autometropole Detroit. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung darĂŒber berichtet.
Mehr als 200.000 Stellen in Gefahr?
"Wir gehen davon aus, dass im Falle des Wegfalls von weiteren 50.000 Stellen mindestens dreimal bis fĂŒnfmal mehr ArbeitsplĂ€tze im Umfeld von Zulieferern ĂŒber Logistikunternehmen bis hin zu Hotels und BĂ€ckereien betroffen sind", sagte Bratzel. Dem Bericht zufolge könnten dann mehr als 200.000 Stellen wegfallen - zusĂ€tzlich zu den Stellen beim Autobauer selbst.
Laut "SĂŒddeutscher Zeitung" war VW-Konzernchef Oliver Blume am vergangenen Donnerstag mit seinem Sparpaket im Aufsichtsrat gescheitert. Am Montag nannte Blume im VW-Intranet des Konzerns erstmals eine konkrete Zahl: Ohne VerĂ€nderung der Arbeitskosten wĂŒrde sich demnach als "theoretische Ableitung" eine GröĂenordnung von rund 50.000 Stellen weltweit ergeben, die gestrichen werden mĂŒssten - zusĂ€tzlich zu den 50.000, die bis 2030 bereits abgebaut werden sollen.
Zudem bestĂ€tigte Blume, "dass wir heute fĂŒr die Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm in den 30er-Jahren noch keine wettbewerbsgerechte Belegung bestĂ€tigen können". Mit Blick auf mögliche StandortschlieĂungen sagte er aber: "Intelligente Lösungen sind immer besser, als ein Werk zu schlieĂen." Alternative Lösungen wĂŒrden geprĂŒft, so sei Volkswagen fĂŒr den Standort OsnabrĂŒck mit Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie im GesprĂ€ch. "Uns ist es wichtig, BeschĂ€ftigung zu sichern."
