DRSC, Nachhaltigkeits-Standards

DRSC gestaltet globale Nachhaltigkeits-Standards mit

24.03.2026 - 17:32:43 | boerse-global.de

Das Deutsche Rechnungslegungsgremium nimmt eine SchlĂŒsselrolle im internationalen Nachhaltigkeitsforum ein und sorgt parallel fĂŒr nationale Planungssicherheit bei der Berichterstattung.

DRSC gestaltet globale Nachhaltigkeits-Standards mit - Foto: ĂŒber boerse-global.de
DRSC gestaltet globale Nachhaltigkeits-Standards mit - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Deutschlands Rechnungslegungsgremium DRSC ĂŒbernimmt eine SchlĂŒsselrolle bei der Ausgestaltung internationaler ESG-Berichtsstandards. Diese Woche begann seine dreijĂ€hrige Mitgliedschaft im globalen Beraterforum der IFRS-Stiftung.

Der Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) hat seine internationale Einflussnahme deutlich ausgebaut. Am 24. MĂ€rz 2026 nahm das Gremium erstmals als Mitglied am Sustainability Standards Advisory Forum (SSAF) der IFRS Foundation teil. Diese Position macht den DRSC zum zentralen Sprachrohr deutscher Interessen bei der Entwicklung weltweiter Nachhaltigkeitsberichterstattungs-Standards.

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BrĂŒckenbauer zwischen Europa und der Welt

Die Mitgliedschaft im SSAF von 2026 bis 2028 ist ein strategischer Coup. Im virtuellen Auftaktmeeting positionierte sich der DRSC als technischer Experte. Seine Hauptaufgabe: DafĂŒr sorgen, dass die internationalen IFRS-Nachhaltigkeitsstandards (IFRS S1 und S2) mit den europĂ€ischen European Sustainability Reporting Standards (ESRS) kompatibel bleiben.

Warum ist das so wichtig? Deutsche Konzerne wie Siemens, Volkswagen oder BASF mĂŒssen bereits nach der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) berichten. ZusĂ€tzliche, abweichende globale Standards wĂŒrden den Aufwand vervielfachen. Der DRSC will hier Doppelarbeit verhindern und die InteroperabilitĂ€t sicherstellen. Er berĂ€t nun direkt den International Sustainability Standards Board (ISSB) – neben europĂ€ischen Schwergewichten wie EFRAG.

Nationale Leitplanken fĂŒr Unternehmen verlĂ€ngert

Parallel zum internationalen Engagement sorgt der DRSC im Inland fĂŒr Planungssicherheit. Das Gemeinsame Fachausschuss (GFA) verlĂ€ngerte die Anwendungsdauer eines wichtigen Leitfadens: Der „Anwendungshinweis AH 5 zu DRS 20“ bleibt gĂŒltig.

Diese Entscheidung vom 19. MĂ€rz ist mehr als BĂŒrokratie. Sie schließt eine LĂŒcke. Da die nationale Umsetzung der CSRD verzögert ist, benötigen Unternehmen eine verlĂ€ssliche Grundlage fĂŒr ihre Berichte der Jahre 2025 und 2026. Der Leitfaden hilft ihnen, nicht-finanzielle ErklĂ€rungen nach deutschem Standard DRS 20 zu erstellen – und gleichzeitig die EU-Anforderungen im Blick zu behalten. Ein „Guidance Gap“ wird so verhindert.

Großstudie mit Deloitte analysiert erste ESRS-Praxis

Wie meistern Deutschlands Top-Konzerne die neue Berichtspflicht? Das will der DRSC genau wissen. Am 20. MĂ€rz kĂŒndigte er eine umfassende Benchmark-Studie in Zusammenarbeit mit Deloitte an. Untersucht werden die Nachhaltigkeitsberichte 2025 von DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen.

Erste Einblicke aus technischen Sitzungen zeigen: Die Praxis ist noch sehr heterogen. Besonders bei der Wesentlichkeitsanalyse und der Offenlegung von Wertschöpfungsketten-Daten gibt es große Unterschiede. Die Studie soll Best Practices und Fallstricke identifyzieren. Im Fokus stehen auch die Integration finanzieller und nicht-finanzieller Daten, digitale Formate wie XBRL und die Transparenz bei Scope 3-Emissionen.

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Ziel ist „Compliance+“ – also Berichte, die nicht nur Pflicht sind, sondern auch strategischen Wert fĂŒr Investoren und Stakeholder liefern.

Fokus auf den Mittelstand: Schutz vor Datenflut

Die grĂ¶ĂŸten Sorgen bereiten oft den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). In einer Sitzung am 17. MĂ€rz widmete sich der Fachausschuss Nachhaltigkeitsberichterstattung (FA NB) genau dieser Herausforderung.

Der Ausschuss begrĂŒĂŸt den geplanten freiwilligen EU-Standard fĂŒr KMU (VSME). Er könnte als „Value Chain Cap“ wirken – also als Deckel fĂŒr die Datenflut. Große Konzerne dĂŒrften dann von ihren Zulieferern nur noch die im Standard definierten Informationen verlangen. Der DRSC warnt jedoch vor zu viel Harmonisierung: Die BedĂŒrfnisse verschiedener Stakeholder bleiben zu unterschiedlich fĂŒr einen Einheitsstandard.

Zudem diskutierte der Ausschuss europĂ€ische Vereinfachungen („Quick Fix“) der Bilanzrichtlinie. FĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2025 sollen methodische Änderungen, die durch neue Gesetze nötig werden, zulĂ€ssige Abweichungen vom Grundsatz der Stetigkeit sein – wenn sie im Bericht klar begrĂŒndet werden.

Ausblick: Frankfurt wird zum Zentrum des Dialogs

Die kommenden Monate sind entscheidend. Am 18. Mai 2026 richtet der DRSC seine große Sustainability Standards Conference in Frankfurt aus. Hier werden die Ergebnisse der technischen Arbeiten und die Fortschritte im SSAF diskutiert.

Die Botschaft des DRSC an die deutsche Wirtschaft ist klar: Der Berichtsaufwand ist hoch, aber das Gremium arbeitet aktiv an Vereinfachung und globaler Abstimmung. Im Fokus steht die KonnektivitÀt: Nachhaltigkeitsdaten sollen so robust sein wie Finanzdaten. Und die deutsche Perspektive soll den globalen ESG-Dialog mitprÀgen.

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