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EZB hÀlt Zinsen stabil - Sorgen um Frankreichs Schulden

11.09.2025 - 15:57:44

(durchgehend aktualisiert)FRANKFURT - In politisch unsicheren Zeiten lÀsst die EuropÀische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen im Euroraum unverÀndert.

(durchgehend aktualisiert)

FRANKFURT (dpa-AFX) - In politisch unsicheren Zeiten lĂ€sst die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen im Euroraum unverĂ€ndert. Der fĂŒr Banken und Sparer wichtige Einlagenzins bleibt bei 2,0 Prozent.

Schon im Juli hatte die EZB die Leitzinsen nicht angetastet - nicht zuletzt wegen des "außergewöhnlich unsicheren Umfelds" im Zollstreit mit den USA, wie EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde damals betonte. Nun hat Europa es mit einer Regierungskrise in Frankreich zu tun.

Nach der Sitzung des EZB-Rates in Frankfurt ging Lagarde nicht nĂ€her auf die Lage in Frankreich ein, wo erst am Montag die Regierung im Streit ĂŒber Sparmaßnahmen zerbrochen war. Die Französin Ă€ußerte lediglich allgemein die Hoffnung, dass politische EntscheidungstrĂ€ger alles tun werden, um "Unsicherheit so weit wie möglich reduzieren".

Bangen wegen Schuldenkrise in Frankreich

Die Sorge ist groß, dass Frankreichs Verschuldung außer Kontrolle geraten könnte. An den FinanzmĂ€rkten wird bereits spekuliert, ob die EZB die zweitgrĂ¶ĂŸte Euro-Volkswirtschaft mit StaatsanleihenkĂ€ufen stĂŒtzen wĂŒrde.

FĂŒr Frankreich werden neue Schulden immer teurer: Die RisikoaufschlĂ€ge fĂŒr französische Staatsanleihen sind deutlich gestiegen, die Rendite zehnjĂ€hriger Anleihen liegt ĂŒber der von Wertpapieren aus Griechenland.

Gemessen an der Wirtschaftsleistung hat Deutschlands Nachbarland mit 114 Prozent die dritthöchste Schuldenquote in der EU nach Griechenland und Italien. Frankreichs Haushaltsdefizit lag zuletzt mit 5,8 Prozent weit ĂŒber dem europĂ€ischen Grenzwert von 3,0 Prozent der Wirtschaftsleistung.

StĂŒtzt die EZB Frankreich mit AnleihekĂ€ufen?

Die EZB stellte klar, dass sie ĂŒber Instrumente wie TPI ("Transmission Protection Instrument") verfĂŒge, "um ungerechtfertigten, ungeordneten Marktdynamiken entgegenzuwirken". Im Rahmen dieses Programms könnte die EZB unbegrenzt Anleihen einzelner Eurostaaten kaufen. Gedacht ist das Instrument fĂŒr den Fall, dass die Zinsen fĂŒr Wertpapiere eines Eurostaates durch Finanzspekulation unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig stark hochschnellen.

Wenn eine Notenbank in großem Stil Staatsanleihen kauft, muss der betroffene Staat nicht so hohe Zinsen fĂŒr Wertpapiere bieten und kommt gĂŒnstiger an frisches Geld. Schon in der Euro-Schuldenkrise ab 2010 und ab 2015 im Kampf gegen Mini-Inflation und KonjunkturschwĂ€che steckte die EZB Milliarden in AnleihenkĂ€ufe. Kritiker halten dies fĂŒr Staatsfinanzierung mit der Notenpresse.

EZB in Lauerstellung

Im weiterhin unsicheren Umfeld wartet die Notenbank nach einer Serie von Zinssenkungen lieber ab. Zuvor hatte die EZB die Leitzinsen achtmal binnen eines Jahres herabgesetzt. Noch im FrĂŒhjahr 2024 lag der Einlagenzins, den Banken erhalten, wenn sie Geld bei der EZB parken, bei 4,0 Prozent.

Viele Ökonomen erwarten, dass die EZB die Zinsen in diesem Jahr nicht mehr antasten wird. Denn die ausufernde Inflation ist unter Kontrolle: Im August lag die Teuerungsrate im Euroraum mit 2,1 Prozent im Zielbereich der EZB. Einen solchen Wert nur knapp ĂŒber ihrem PreisstabilitĂ€tsziel von 2,0 Prozent erwartet die Notenbank auch fĂŒr das Gesamtjahr 2025. Noch im Oktober 2022 hatte die Teuerung im Zuge des Ukraine-Krieges auf mehr als zehn Prozent angezogen.

Wirtschaft trotzt Trumps Zöllen

Zudem erweist sich die Wirtschaft im Euroraum trotz höherer US-Zölle als robust. FĂŒr das laufende Jahr erwartet die EZB inzwischen 1,2 Prozent Wachstum. Immer mehr Volkswirte sind ĂŒberzeugt, dass die Serie von Zinssenkungen beendet ist. "Damit die EZB die Zinsen nochmal senkt, mĂŒsste schon ein Konjunktureinbruch oder ein gravierendes Ereignis her", meint Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Zwar bleibt US-PrĂ€sident Donald Trump unberechenbar, doch das Szenario einer Eskalation im Zollstreit und einem Schock fĂŒr die Wirtschaft blieb aus. Seit der Einigung zwischen der EU und den USA habe die Unsicherheit im Handel "deutlich abgenommen", sagte Lagarde.

Niedrigere Zinsen stĂŒtzen die Wirtschaft, da Kredite fĂŒr Unternehmen und Verbraucher damit tendenziell gĂŒnstiger werden. Sparer sind dagegen im Nachteil: Bekommen Banken weniger Zinsen fĂŒr bei der EZB geparkte Gelder, senken sie meist die Tages- und Festgeldzinsen fĂŒr ihre Kundenschaft.

Etwas höhere Zinsen fĂŒr Sparer

Doch das Vergleichsportal Verivox sieht eine Trendwende: Erstmals seit Februar 2024 seien die Durchschnittszinsen bundesweit verfĂŒgbarer Tagesgeldangebote gestiegen auf zuletzt 1,28 Prozent. Auch beim Festgeld kletterten die Zinsen ĂŒber alle Laufzeiten wieder.

Michael Heise, Chefökonom beim Vermögensverwalter HQ Trust, sieht gute Nachrichten fĂŒr Sparer: "Die Einlagenzinsen der Banken dĂŒrften in diesem Jahr kaum noch weiter sinken, sondern stabil bleiben."

@ dpa.de