DynoWiper: Neuer Schadsoftware-Angriff auf Europas Energienetze
28.01.2026 - 19:16:12Ein neuartiger und hochgefährlicher Schadcode hat europäische Energieinfrastruktur ins Visier genommen. Der als DynoWiper identifizierte Angriff auf Polens Stromnetz im Dezember 2025 markiert eine gefährliche Eskalation der Cyber-Bedrohung für kritische Versorgungssysteme. Sicherheitsforscher machen die staatlich gesteuerte Hackergruppe Sandworm verantwortlich.
Der Angriff unterstreicht die wachsende Verwundbarkeit der europäischen Energieversorgung. Während der konkrete Vorfall abgewehrt wurde, zeigt er das klare Ziel gegnerischer Staaten: die Zerstörung kritischer Infrastruktur und die Destabilisierung der Gesellschaft.
Abgewehrter Angriff mit verheerendem Potenzial
Ende Dezember 2025 gelang es Betreibern in Polen, einen großangelegten Cyberangriff zu vereiteln. Die Angreifer hatten etwa 30 Anlagen ins Visier genommen, darunter Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und vor allem Steuerungssysteme für Windparks und Solaranlagen. Ihr Ziel war es, die Kommunikation zwischen diesen dezentralen Erzeugern und den Netzleitstellen zu kappen.
Laut Analysen der Cybersecurity-Firmen ESET und Dragos kam dabei die bisher unbekannte Wipeware DynoWiper zum Einsatz. Diese Malware ist nicht auf Spionage ausgelegt, sondern auf die irreversible Zerstörung von Daten und Steuerungssystemen. Ein erfolgreicher Angriff hätte die betroffenen Anlagen komplett lahmlegen können. Polnische Behörden betonen, dass die Netzstabilität nie gefährdet war und es zu keinen Stromausfällen kam. Doch das Szenario zeigt das immense Schadenspotenzial.
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Sandworm: Der bekannte Strippenzieher im Hintergrund
Die Spuren führen zu einer berüchtigten Akteurin: der Hackergruppe Sandworm. Sicherheitsexperten stufen die Beweislage als „mittel bis hoch“ ein, dass diese Gruppe, die dem russischen Militärgeheimdienst GRU zugerechnet wird, hinter dem Angriff steckt.
Sandworm ist verantwortlich für einige der folgenschwersten Cyberangriffe der Geschichte, darunter die NotPetya-Attacke 2017 und den ersten durch einen Cyberangriff verursachten Blackout in der Ukraine 2015. Die bei dem polnischen Vorfall verwendeten Methoden – insbesondere der Einsatz einer maßgeschneiderten Wipeware – passen exakt zu Sandworms Vorgehensweise. Analysen von ESET weisen zudem auf einen symbolischen Aspekt hin: Der Angriff fiel fast auf den Tag genau mit dem zehnten Jahrestag des Ukraine-Blackouts zusammen.
Erneuerbare Energien: Das neue Schlüsselziel
Besorgniserregend ist die gezielte Fokussierung auf dezentrale Energieanlagen (DERs). Anders als frühere Attacken auf zentrale Kraftwerke zielte dieser Angriff auf die Steuerungssysteme von Wind- und Solarenergie ab. Das markiert eine strategische Weiterentwicklung der Bedrohung.
Europa baut für seine Klimaziele massiv auf ein dezentrales Netz aus erneuerbaren Energien. Diese oft fernüberwachten und gesteuerten Anlagen verfügen jedoch nicht immer über das gleiche Sicherheitsniveau wie traditionelle Großkraftwerke. Der Angriff zeigt, dass Gegner diese Schwachstelle erkannt haben. Die Störung Tausender kleiner Erzeuger stellt eine völlig neue Herausforderung für die Netzstabilität dar.
Geopolitisches Signal an einen NATO-Partner
Der DynoWiper-Vorfall ist kein Einzelfall, sondern Teil einer Reihe aggressiver Cyberaktivitäten gegen europäische Infrastruktur. Der Einsatz von Wipeware dient politisch motivierten Angreifern dazu, Chaos zu stiften. Dass ein Schlüsselunterstützer der Ukraine und NATO-Mitglied wie Polen angegriffen wurde, sendet ein klares geopolitisches Signal.
Die Attacke rückt auch die regulatorischen Rahmenbedingungen in den Fokus. Die EU hat mit der NIS2-Richtlinie bereits schärfere Cybersicherheitsvorgaben für kritische Infrastrukturen erlassen. Großbritannien arbeitet an einem ähnlichen Gesetz. Der abgewehrte Angriff wird nun als Weckruf dienen, diese Vorgaben schneller umzusetzen und Investitionen in die Sicherheit des gesamten Energiesektors voranzutreiben.
Die Zukunft: Gesteigerte Wachsamkeit ist Pflicht
Nach der Aufdeckung des Angriffs werden europäische Sicherheitsbehörden und Energiebetreiber ihre Verteidigung hochfahren. Die oberste Priorität ist die Suche nach weiteren Spuren der DynoWiper-Malware in den Netzen. Die technische Analyse des Schadcodes wird entscheidend sein, um wirksame Abwehrmaßnahmen zu entwickeln.
Der Vorfall erinnert schmerzlich daran, dass die Operational Technology (OT) der europäischen Energieversorgung im Fadenkreuz staatlicher Angreifer steht. Die Ausweitung der Angriffsziele auf erneuerbare Energien erfordert eine Anpassung der Verteidigungsstrategien. Betreiber aller Größen müssen ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärfen. In einer angespannten geopolitischen Lage bleibt die Widerstandsfähigkeit der kritischen Infrastruktur eine Frage der nationalen Sicherheit.
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