E-Rezept: Digitaler Fortschritt trifft auf Apotheken-Proteste
10.03.2026 - 00:39:47 | boerse-global.deDie Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens steckt in der Krise: WÀhrend die Technik voranschreitet, protestieren die Apotheken bundesweit gegen eine ruinöse Finanzierung.
Die Telematik-Infrastruktur (TI), das RĂŒckgrat des E-Rezepts, wird stetig ausgebaut. Die zustĂ€ndige Gematik veröffentlichte am 9. MĂ€rz 2026 neue Zahlen zum TI-Messenger. Dieser verschlĂŒsselte Dienst ermöglicht die Kommunikation zwischen Arztpraxen, Apotheken und KrankenhĂ€usern, um Fehler im E-Rezept zu klĂ€ren. Aktuell nutzen 7.309 Einrichtungen den Messenger. Ăber die Apps der Krankenkassen haben sich zudem rund 255.000 Versicherte angemeldet. Seit 2024 gab es ĂŒber 500.000 AktivitĂ€ten. Die Nutzung wĂ€chst also, bleibt aber fĂŒr das riesige Gesundheitssystem ĂŒberschaubar. Die VerhaltensĂ€nderung bei Patienten und Leistungserbringern braucht offenbar Zeit.
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Apotheken rufen zu bundesweiten Protesten auf
Doch wĂ€hrend die digitale Infrastruktur langsam reift, Ă€chzen die physischen Zugangspunkte â die Apotheken â unter wirtschaftlichem Druck. Am selben Tag rief ABDA-PrĂ€sident Thomas Preis in einer Videobotschaft zum bundesweiten Protest auf. FĂŒr den 23. MĂ€rz sind GroĂdemonstrationen in Berlin, Hannover, DĂŒsseldorf und MĂŒnchen geplant.
Der Kern des Protests: Das Fixum, die VergĂŒtung fĂŒr die Abgabe von Arzneimitteln, ist seit 13 Jahren eingefroren. FĂŒr die Apotheken bedeutet das bei steigenden Kosten durch Inflation, Personal und Digitalisierung eine existenzbedrohende Lage. Die Umstellung auf das E-Rezept erforderte teure Investitionen in Hardware, Software und Schulungen. Dazu kommen technische Pannen, die wertvolle Zeit kosten. âDie wirtschaftliche Grundlage unserer Betriebe ist in Gefahrâ, so die klare Botschaft des Berufsstands an die Politik.
Technische Upgrades fĂŒr mehr StabilitĂ€t
Um die StabilitĂ€t des Systems zu erhöhen, treibt die Gematik wichtige Backend-Upgrades voran. Im MĂ€rz wurde die erste Ausbaustufe fĂŒr den âProof of Patient Presenceâ (PoPP) beschlossen. Dieser Dienst soll das bisherige VSDM+-Verfahren ablösen und technisch sicherstellen, dass die Versichertenkarte des Patienten in der Praxis oder bei Hausbesuchen prĂ€sent ist. Experten versprechen sich davon mehr StabilitĂ€t fĂŒr die gesamte TI und weniger SystemabbrĂŒche.
Gleichzeitig lĂ€uft eine verpflichtende Kryptographie-Migration: Bis Mitte 2026 mĂŒssen alle Praxen ihre alten âRSA-onlyâ-Heilberufsausweise (HBA) und Institutionskarten (SMC-B) gegen neue mit dem sichereren ECC-Standard tauschen. Sonst droht der Ausschluss aus dem E-Rezept-Netz.
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NĂ€chster Schritt: Elektronische Verordnung von Hilfsmitteln
Der nĂ€chste groĂe digitale Schritt steht bereits bevor: die elektronische Verordnung von Hilfsmitteln wie HörgerĂ€ten oder OrthopĂ€dietechnik. FĂŒr diese Anbieter wird der Anschluss an die TI 2027 verpflichtend. IT-Berater wie Stephan Losse von Curenect raten zu frĂŒher Vorbereitung. Die Integration der Fachbranchen-Software brauche eine Vorlaufzeit von mindestens drei bis sechs Monaten. Wer zu lange wartet, riskiert EngpĂ€sse und könnte dann keine digitalen Verordnungen mehr annehmen.
Die Lage im MĂ€rz 2026 zeigt die zwei Seiten der Digitalisierung: Die Technik wird ausgefeilter, doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hinken hinterher. Das E-Rezept ist Alltag fĂŒr Millionen Patienten â aber was nĂŒtzt ein digitales Rezept, wenn die Apotheke vor Ort schlieĂt? Der Erfolg der Proteste am 23. MĂ€rz und die Reaktion des Bundesgesundheitsministeriums werden zeigen, ob Politik und Praxis noch einen gemeinsamen Weg finden.
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