ROUNDUP, Lehren

FĂŒnf Lehren aus dem Merz-Besuch bei Trump

04.03.2026 - 07:20:15 | dpa.de

Ein fester HĂ€ndedruck, ein Klaps aufs Knie und viele warme Worte.

Bei allen inhaltlichen Differenzen und Verwerfungen, die es in den Beziehungen zwischen Europa und den USA von Zöllen ĂŒber Grönland bis zur Ukraine gibt - US-PrĂ€sident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz kommen immer noch ganz gut miteinander aus. Das gehört zu den Erkenntnissen aus den dreieinhalb Stunden, die der Kanzler am Dienstag im Weißen Haus verbracht hat. So ganz glatt verlief sein dritter USA-Besuch als Kanzler aber nicht. FĂŒnf Lehren aus insgesamt 22 Stunden in Washington.

Merz und Trump können miteinander

Ein "sehr erfolgreicher Mann", ein "ausgezeichneter AnfĂŒhrer", der einen "großartigen Job" mache -wie schon beim Antrittsbesuch im Juni vergangenen Jahres umschmeichelte Trump den Kanzler. Und er sagte, was er besonders gut an ihm findet: Dass er "ziemlich das Gegenteil" seiner VorvorgĂ€ngerin Angela Merkel (CDU) ist, mit der Trump es in seiner ersten Amtszeit zu tun hatte. Deutschland war damals Trumps Lieblingsgegner, weil es billiges russisches Gas ĂŒber die Nord-Stream-Pipeline bezog, nicht genug fĂŒrs MilitĂ€r ausgeben wollte und Hunderttausende FlĂŒchtlinge ins Land ließ. Bei Merz sei das nun anders, sagt er.

Der Kanzler scheint sich als einer von vier LieblingseuropÀern Trumps zu etablieren - neben der italienischen MinisterprÀsidentin Giorgia Meloni, dem finnischen PrÀsidenten Alexander Stubb und dem ungarischen MinisterprÀsidenten Viktor Orban.

Trump will keine deutsche MilitÀrhilfe gegen Iran

Die deutsche Haltung zum Iran-Krieg findet Trump "großartig" und auf Forderungen nach einer Beteiligung an der MilitĂ€raktion verzichtet er. "Wir fordern sie nicht auf, Bodentruppen zu entsenden oder irgendetwas in der Art zu tun." Merz sagte nach dem Treffen im Oval Office, es seien bisher weder aus Israel noch aus den USA irgendwelche WĂŒnsche nach MilitĂ€rhilfe geĂ€ußert worden.

Der Kanzler hatte bereits vor der Reise deutlich gemacht, dass fĂŒr ihn eine militĂ€rische Beteiligung nicht in Frage komme. Kritik an dem Angriff hatte er vor seiner Reise zwar vermieden, sich aber auch nicht klar dahinter gestellt und auf Risiken hingewiesen. Trumps VerstĂ€ndnis fĂŒr die deutsche Haltung war also nicht unbedingt zu erwarten.

Merz nimmt europÀische Partner zunÀchst nicht in Schutz

Harte Attacken fuhr Trump allerdings gegen Großbritannien und Spanien. Der britische Premierminister Keir Starmer hatte ihm zunĂ€chst die Nutzung einer MilitĂ€rbasis verweigert. Erst am Sonntagabend lenkte er ein. Trump nannte das "schockierend".

Noch hĂ€rter ging er Spanien an, das den USA die Nutzung der US-StĂŒtzpunkte auf seinem Territorium fĂŒr die Luftangriffe untersagte. "Sie waren unfreundlich." Und deshalb habe er seinen Finanzminister Scott Bessent angewiesen, "alle Deals" mit Madrid einzustellen. Welche Abkommen Trump meinte, blieb zunĂ€chst unklar.

Merz verzichtete auf offener BĂŒhne darauf, die beiden VerbĂŒndeten in Schutz zu nehmen. Auf Nachfrage stimmte er sogar in die Kritik an Spanien ein - aber nur Blick auf die Weigerung des Landes, sich an das gemeinsam vereinbarte Ziel zu den Nato-Verteidigungsausgaben zu halten.

Mit einer harschen Reaktion hĂ€tte er die offene Konfrontation mit Trump riskiert. Hinter verschlossenen TĂŒren habe er dann dagegengehalten, berichtet Merz spĂ€ter in der ARD. "Ich habe ihm sehr deutlich gesagt: Du kannst hier keinen isolierten Vertrag mit Deutschland abschließen oder einen Vertrag mit ganz Europa, aber Spanien nicht."

Ukraine: Europa will zurĂŒck an den Verhandlungstisch

Bei den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine ĂŒber ein mögliches Ende des Krieges vermitteln die USA derzeit alleine und Europa steht an der Seitenlinie. Merz will das Ă€ndern und hat das Trump auch deutlich gesagt: "Wir sind nicht bereit, ein Abkommen zu akzeptieren, das ĂŒber unsere Köpfe hinweg verhandelt wird."

Ob Trump da mitmacht, ist offen. Eine Reaktion ist aus dem Treffen mit Merz jedenfalls nicht ĂŒberliefert. Ob der Kanzler mit seinem Appell Erfolg hatte, wird man erst sehen, wenn die UnterhĂ€ndler wieder zusammensitzen.

Im Zollstreit zwischen der EU und den USA gibt es keine Fortschritte

Keine Fortschritte gab es mit Blick auf den Zollstreit zwischen der EU und den USA. Trump bekrĂ€ftigte seine Absicht zur EinfĂŒhrung eines weltweiten Zolls auf Importe in die USA von 15 Prozent. Zudem untersuche seine Regierung weiter die Möglichkeit unterschiedliche Zölle fĂŒr unterschiedliche LĂ€nder zu erheben.

Dem europĂ€ischen Unmut darĂŒber versuchte Trump mit einem Witz zu begegnen. An den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer gewandt sagte er: "Wie behandeln wir Deutschland? Ich denke, bei denen solltest du sehr, sehr hart zuschlagen." Der US-PrĂ€sident gab Merz dabei einen Klaps aufs Knie.

Der Kanzler schwieg zu dem Thema lieber. Überhaupt ist er wieder mit der Strategie ins Oval Office gegangen: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Von den 33 Minuten Redezeit vor den laufenden Kameras hatte Merz nur drei.

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