Frankfurt-News, Anleihen

Börse Frankfurt-News: Anleihen: Kleines Beben erstmal vorbei

05.09.2025 - 15:32:06

Eine alles als normale Woche: Auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten sind die Renditen langlaufender Staatsanleihen diese Woche geklettert.

Jetzt hat sich die Lage beruhigt, ganz weg ist die NervositÀt aber nicht.

5. September 2025. Der Sturm am Anleihemarkt hat sich gelegt. Am Dienstag waren die Kurse langlaufender Staatsanleihen weltweit stark unter Druck geraten - so stark wie schon lange nicht mehr. Im Gegenzug kletterte die Rendite dreißigjĂ€hriger Bundesanleihen auf den höchsten Stand seit 2011, die britischer Staatsanleihen gleicher Laufzeit auf den höchsten Stand seit 1998. In den USA, Japan, Australien und anderen europĂ€ischen LĂ€ndern sah es Ă€hnlich aus. Hintergrund sind die Sorgen um die extrem hohe Staatsverschuldung.

Das "kleine Beben" war schnell wieder vorbei, wie Arthur Brunner von der ICF Bank berichtet. "Game Changer war die Neuemission japanischer Staatsanleihen am Mittwoch, die vom Markt gut angenommen wurde", erklĂ€rt er. Auch neue spanische und italienische Staatsanleihen seien deutlich ĂŒberzeichnet gewesen. Nach zwischenzeitlich 2,8 Prozent liegt die Rendite zehnjĂ€hriger Bundesanleihen am Freitagmittag wieder bei 2,71 Prozent, die dreißigjĂ€hriger bei 3,36 Prozent nach in der Spitze 3,41 Prozent. "Der neue Goldpreisrekord signalisiert aber die anhaltend hohe Unsicherheit", bemerkt Brunner.

Problemlose Auktion französischer Staatsanleihen

Ein besonderer Fall ist Frankreich: Dort waren die Renditen schon vergangene Woche stark gestiegen, die fĂŒr zehnjĂ€hrige Staatsanleihen Frankreichs liegt mittlerweile höher als die fĂŒr das ehemalige Krisenland Griechenland. Premierminister Bayrou hat fĂŒr den 8. September eine Vertrauensabstimmung ĂŒber seine SparplĂ€ne angesetzt, es wird fest von einem Scheitern ausgegangen. "Danach dĂŒrfte es weiter keine politischen Mehrheiten fĂŒr eine Sanierung der angeschlagenen französischen Staatsfinanzen geben", stellt Commerzbank-Analyst Ralph Solveen fest. Ohne Konsolidierung werde die Schuldenquote des Landes von aktuell 120 Prozent des BIP auf 150 Prozent steigen.

Die mit Spannung erwarteten Auktionen neuer französischer Staatsanleihen am gestrigen Donnerstag verliefen allerdings ohne grĂ¶ĂŸere Probleme, wie Helaba-Analyst Ralf Umlauf berichtet. Der Renditeaufschlag gegenĂŒber Bundesanleihen sei im Laufzeitbereich von zehn Jahren wieder deutlich unter die Marke von 80 Basispunkten gesunken.

"SchwĂ€che fĂŒr Einstieg genutzt"

Außerdem geht es weiter um die Notenbanken: NĂ€chsten Donnerstag steht die nĂ€chste EZB-Sitzung an, mit einer Zinssenkung wird am Markt nicht gerechnet. Was die weitere Entwicklung der US-Leitzinsen angeht, blickt alles auf den heute Nachmittag anstehenden US-Arbeitsmarktbericht. FĂŒr die Sitzung am 17. September ist an den MĂ€rkten eine Zinssenkung der Fed nun schon mit 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit eingepreist, wie die Deutsche Bank erklĂ€rt. Im Handel mit Staats- und staatsnahen Anleihen wurden langlaufende US-Treasuries gekauft, wie Brunner meldet. "Die SchwĂ€che wurde fĂŒr einen Einstieg genutzt."

Außerdem sind auf tĂŒrkische Lira lautende Bonds der European Bank for Reconstruction and Development gefragt, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank erklĂ€rt. Bei FĂ€lligkeit 2031 rentieren diese aktuell um 31 Prozent (XS2779805097). "Vielleicht steckt eine Empfehlung dahinter", vermutet der HĂ€ndler.

E.ON-LanglÀufer beliebt

Von den Sorgen am Staatsanleihenmarkt ließ sich die Walter Ludwig-Kundschaft nicht beirren: "Privatanleger sahen die niedrigeren Kurse als Chance und griffen beherzt zu", beobachtet Daniel. "Die KĂ€ufe ĂŒberwogen deutlich, die UmsĂ€tze waren sehr gut", ergĂ€nzt er. Auch langlaufende Papiere seien gut angekommen, etwa von E.ON mit FĂ€lligkeit 2044 und aktuell 4,19 Prozent (XS2791960664). KĂ€ufe meldet er außerdem fĂŒr Bonds der Lufthansa mit FĂ€lligkeit 2028 und aktuell 2,48 Prozent (XS2892988275) und der Deutschen Post mit FĂ€lligkeit 2032 und 3,04 Prozent (XS3084418907).

Ruhe im High Yield-Segment

Auch im High Yield-Segment blieb es ruhig, wie Marcus Mielert von Oddo BHF feststellt. Kleinere Verluste sieht Brunner fĂŒr die Anleihe der Deutsche Rohstoff AG (DE000A3510K1), die aber immer noch zu 106,55 Prozent gehandelt wird. Kurzzeitige Abgaben habe zudem der Bond des Entwicklers von Erneuerbare-Energien-Projekten SoWiTec (DE000A2NBZ21) verzeichnet. "Das Unternehmen hat die geplante TeilrĂŒckzahlung am 8. November ausgesetzt, die Zinsen sollen aber gezahlt werden", erlĂ€utert Brunner.

Neu am Markt ist eine Anleihe der Deutschen Pfandbriefbank mit Kupon von 3,25 Prozent und FÀlligkeit 2028 (DE000A382665), wie Daniel berichtet. "Hier sehen wir KÀufe", erklÀrt er.

Von Anna-Maria Borse, 5. September 2025, © Deutsche Börse

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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