Analyse, Mietanstieg

Analyse: Mietanstieg in Metropolen beschleunigt sich

04.02.2024 - 14:15:27

Eine enorme Nachfrage nach Wohnraum, stockender Neubau und Mieter in der Kostenfalle: Der Druck auf dem Wohnungsmarkt deutscher Metropolen hat deutlich zugenommen.

Im zweiten Halbjahr 2023 kletterten die Angebotsmieten in Berlin, Hamburg, MĂŒnchen, Köln, Frankfurt, DĂŒsseldorf, Stuttgart und Leipzig gemessen am Vorjahreszeitraum im Schnitt um 8,2 Prozent, wie eine Analyse des Immobilienspezialisten Jones Lang LaSalle (JLL) zeigt. Das war deutlich mehr als ein Jahr zuvor (6,3 Prozent) und im Schnitt ĂŒber fĂŒnf Jahre (5 Prozent). Die Experten sehen kein Ende des AufwĂ€rtsdrucks.

FĂŒr die Studie wurden rund 35 000 Miet- und 41 000 Kaufinserate fĂŒr Neubauten und BestandsgebĂ€ude ausgewertet. Angebotsmieten bedeuten keine AbschlĂŒsse. Manchmal weicht die vereinbarte Miete ab, aber seltener als beim Immobilienkauf.

Mieten abseits der Metropolen steigen langsamer

Besonders krĂ€ftig war der Anstieg der Angebotsmieten in Berlin und Leipzig mit prozentual zweistelligen Raten. In der Hauptstadt sah JLL sogar einen Sprung von gut 21 Prozent. In den anderen Metropolen fielen die ZuwĂ€chse mit Raten mit zwischen 5 und 7 Prozent niedriger aus. Seit lĂ€ngerem beobachten Experten einen starken Mietanstieg in Berlin und verweisen auf die starke Zuwanderung. Die Hauptstadt nĂ€here sich mit den zuletzt inserierten Mieten von im Schnitt 19,42 Euro pro Quadratmeter und Monat MĂŒnchen (22,50 Euro) als teuerste deutsche Stadt an, schrieb JLL.

Insgesamt fiel die Dynamik in den Metropolen krÀftiger aus als in kreisfreien StÀdten: Dort zogen die Angebotsmieten binnen zwölf Monaten um 4,8 Prozent an. In den Landkreisen kletterten sie um 5,5 Prozent.

Angesichts des Wohnungsmangels sei der Anstieg nicht verwunderlich, sagte Autor Sören Gröbel. Die Folge sei, dass die Kluft zwischen Bestands- und Neuvertragsmieten wachse, was Mieter vom Umzug abhalte. "Daraus entsteht eine Art Teufelskreis: Mit einem stÀrkeren Anstieg der Mieten schrumpft die Zahl der inserierten Mietangebote und verschÀrft die angespannte Situation auf den WohnungsmÀrkten zusÀtzlich."

Der Druck auf dem Wohnungsmarkt nimmt auch zu, weil der Neubau angesichts gestiegener Zinsen und Materialpreise in der Krise steckt. Von ihrem Ziel von jĂ€hrlich 400 000 neuen Wohnungen ist die Bundesregierung weit entfernt. Das Ifo-Institut erwartet, dass 2024 225 000 Wohnungen fertiggestellt werden - nach geschĂ€tzt 270 000 im vergangenen Jahr. Besonders bei den MietmĂ€rkten wachse der NachfrageĂŒberhang, sagte Gröbel. "Folglich werden die Angebotsmieten weiter zulegen."

RĂŒckgang der Immobilienpreise setzt sich fort

Bei den Kaufpreisen fĂŒr Wohnungen beschleunigte sich derweil der Verfall, wie die JLL-Analyse zeigt. Die Angebotspreise fĂŒr Neubauten und Bestandswohnungen sanken im zweiten Halbjahr in Metropolen im Schnitt um 7,4 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum. Ein Jahr zuvor lag das Minus bei 1,6 Prozent. Zuletzt gaben die Preise fĂŒr Bestandsobjekte mit 8,1 Prozent stĂ€rker nach als die fĂŒr Neubauwohnungen (2,3 Prozent). Angebotspreise geben keinen genauen Aufschluss ĂŒber den tatsĂ€chlichen Kaufpreis - denn Verhandlungen zwischen KĂ€ufern und VerkĂ€ufern sind ĂŒblich.

Die zuletzt niedrigen Transaktionszahlen auf dem Immobilienmarkt deuten laut JLL darauf hin, dass die Preisvorstellungen von KĂ€ufern und VerkĂ€ufern nach wie vor weit auseinander liegen. Mit Blick auf die gestiegenen Kreditzinsen bleibe insgesamt das VerhĂ€ltnis von Miet- zu Kaufkosten zugunsten der Mieter verschoben, "was noch einige Zeit zu einem zusĂ€tzlichen Nachfrageschub auf den MietwohnungsmĂ€rkten fĂŒhren dĂŒrfte".

@ dpa.de