Ungleichheitsnotstand, Alarm

Ökonomen schlagen wegen globalem 'Ungleichheitsnotstand' Alarm

03.11.2025 - 23:07:21

Eine Gruppe von sechs anerkannten Ökonomen prangert einen globalen "Ungleichheitsnotstand" an.

Die reichsten ein Prozent der Menschen hĂ€tten zwischen 2000 und 2024 rund 41 Prozent des globalen Vermögensaufbaus fĂŒr sich vereinnahmt, heißt es in einem Bericht, der unter FederfĂŒhrung von WirtschaftsnobelpreistrĂ€ger Joseph E. Stiglitz vor dem Gipfel der großen Industrie- und SchwellenlĂ€nder (G20) veröffentlicht wurde, der am 22. und 23. November im sĂŒdafrikanischen Johannesburg stattfindet.

Nur ein Prozent des in dem Zeitraum erwirtschafteten Vermögens komme den Ă€rmsten 50 Prozent der Weltbevölkerung zugute, heißt es in dem Bericht. Das bedeute, dass das durchschnittliche Vermögen von einem Prozent der Weltbevölkerung in rund fĂŒnf Jahren um 1,3 Millionen Dollar (1,1 Millionen Euro) pro Person gestiegen sei, wĂ€hrend das Durchschnittsvermögen der Ă€rmsten 50 Prozent lediglich um 585 Dollar (507 Euro) pro Person angewachsen sei. Laut der Analyse wird eine Minderheit in den nĂ€chsten zehn Jahren voraussichtlich 70 Billionen Dollar (60,7 Milliarden Euro) erben.

Ungleichheit schwÀcht Demokratie

Besonders groß blieben die Einkommensunterschiede zwischen dem Globalen Norden und SĂŒden. Bei rund 90 Prozent der Weltbevölkerung, oder 83 Prozent aller LĂ€nder, differiert die Höhe der Einkommen laut Weltbank stark. Hohe VermögensdisparitĂ€t untergrabe die Demokratie, den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie die Wirtschaft, heißt es in dem Bericht. LĂ€nder mit hoher DisparitĂ€t seien siebenmal hĂ€ufiger von einer Verschlechterung des demokratischen Umfelds betroffen als LĂ€nder mit grĂ¶ĂŸerer Gleichheit.

Seit 2020 hÀtten Ereignisse wie die Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine, sowie die von den USA erlassenen neuen Zölle und die daraus resultierenden Handelsstreitigkeiten einen "perfekten Sturm" geschaffen, der Armut und Ungleichheit weiter verschÀrfe.

Der Bericht empfiehlt die Schaffung eines "Internationalen Gremiums fĂŒr Ungleichheit", das Ă€hnlich wie der Weltklimarat politische EntscheidungstrĂ€ger und die internationale Gemeinschaft berĂ€t. "Die Welt hat erkannt, dass wir uns in einer Klimakrise befinden. Es ist an der Zeit, dass wir auch erkennen, dass wir uns in einer Ungleichheitskrise befinden", sagte Stiglitz. Weltweit mĂŒsse mittlerweile jeder Vierte regelmĂ€ĂŸig auf Mahlzeiten verzichten, wĂ€hrend das Vermögen der MilliardĂ€re den höchsten Stand in der Geschichte erreicht habe.

Wirtschaftsreformen notwendig

Um DisparitĂ€t zu verringern, empfehlen die Autoren eine Reform internationaler Wirtschaftsregeln, wie eine fairere Besteuerung multinationaler Unternehmen und der sehr vermögenden Menschen. Auf nationaler Ebene sollten verstĂ€rkt arbeitnehmerfreundliche Regulierungen umgesetzt, Unternehmenskonzentration verringert, große Kapitalgewinne besteuert, in öffentliche Dienstleistungen investiert und eine progressivere Steuer- und Ausgabenpolitik implementiert werden.

Der G20-Gipfel findet in diesem Jahr unter dem Motto " SolidaritĂ€t, Gleichheit und Nachhaltigkeit" statt. Der G20 gehören 19 Staaten, die EuropĂ€ische und die Afrikanische Union an. Die Gruppe steht fĂŒr etwa 80 Prozent der Weltbevölkerung und mehr als 85 Prozent der weltweiten Wirtschaftskraft. SĂŒdafrika will seine diesjĂ€hrige PrĂ€sidentschaft nutzen, um die Schuldenlast von EntwicklungslĂ€ndern zu mindern sowie eine gerechte Energiewende zu thematisieren.

@ dpa.de