Gewinn von Wacker Chemie bricht ein - Aktie gibt wieder nach
29.01.2024 - 10:05:16Der Gewinn brach um fast drei Viertel ein. "2023 ist der Industriemotor weltweit ins Stottern geraten", sagte Unternehmenschef Christian Hartel am Montag laut Mitteilung in MĂŒnchen. Auch Wacker habe die Folgen zu spĂŒren bekommen. "Die weiterhin hohen Energiepreise in Deutschland haben unser GeschĂ€ft zusĂ€tzlich belastet." Eine Erholung der Nachfrage sei auch zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Sicht, so Hartel. FĂŒr die Wacker-Aktien ging es am Morgen abwĂ€rts.
Der Umsatz fiel im vergangenen Jahr auf Basis vorlĂ€ufiger Zahlen um 22 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Davon blieben 824 Millionen Euro als Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ĂŒbrig - 60 Prozent unter dem Rekordwert von 2022. Der Ăberschuss sackte um fast eine Milliarde auf 330 Millionen Euro ab.
Bei Umsatz und operativem Gewinn blieb Wacker leicht unter den durchschnittlichen AnalystenschĂ€tzungen. Der freie Barmittelzufluss von rund 166 Millionen Euro habe die Markterwartung sogar um rund 15 Prozent verfehlt, schrieb Analyst Konstantin Wiechert von der Baader Bank in einer ersten Reaktion. Er vermutet aber, dass die Zahlen zumindest zum Teil bereits im Kurs eingepreist sein könnten. Aus Sicht von Jefferies-Analyst Chris Counihan habe das GeschĂ€ft mit Silikonen positiv ĂŒberrascht. Das GeschĂ€ft mit Polymeren habe hingegen enttĂ€uscht.
Die Aktien des MDax-Konzerns DE0008467416 verloren am Morgen zeitweise fast drei Prozent an Wert und lagen zuletzt noch mit einem halben Prozent im Minus. In der vergangenen Woche hatte sich ihr Kurs noch auf niedrigem Niveau stabilisiert. Mitte des Monats war er auf gut 90 Euro und damit auf den niedrigsten Stand seit November 2020 gefallen.
Wacker-Chemie-Chef Hartel war mit Blick auf die GeschÀftsentwicklung zuletzt im Herbst vorsichtiger geworden und hatte seither einen Umsatz von rund 6,5 Milliarden Euro sowie ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 800 bis 900 Millionen Euro in Aussicht gestellt.
Die Chemiebranche leidet schon lĂ€nger unter einer trĂ€gen Weltwirtschaft. Europa schwĂ€chelt und der besonders wichtige Markt China leidet unter einer schweren Immobilienkrise. Die Bauindustrie ist ein wichtiger Abnehmer von Wackers Polymeren. Diese chemischen Verbindungen sind die Basis etwa fĂŒr Klebstoffe, werden aber auch in BodenbelĂ€gen, Farben und Beton beigemischt, um Eigenschaften zu verĂ€ndern.
Zudem bekam Wacker im GeschĂ€ft mit Silikonen einen Druck auf die Preise zu spĂŒren. Diese Kunststoffe werden in der Elektronikindustrie, bei Textilherstellern, Medizintechnikunternehmen und in der Baubranche eingesetzt. Und auch das GeschĂ€ft mit Polysilizium fĂŒr die Solarindustrie schwĂ€chelte wegen der Billigkonkurrenz aus China.

