'Peregrine' zum Mond gestartet
08.01.2024 - 08:35:41Am Montagmorgen hob die Rakete vom Typ "Vulcan Centaur" des Herstellers ULA mit dem Lander "Peregrine" an Bord vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ab.
Die unbemannte Kapsel des US-Unternehmens Astrobotic aus Pittsburgh soll am 23. Februar (US-Zeit ET) in einem Gebiet mit dem Namen Sinus Viscositatis (Bucht der Klebrigkeit) landen. Es wĂ€re die erste - wenn auch unbemannte - US-Mondlandung seit den Apollo-Missionen vor ĂŒber 50 Jahren.
Eine private Mission ist bereits gescheitert
Garantiert ist der Erfolg keineswegs: Im April vergangenen Jahres scheiterte eine japanische Firma bei einer Ă€hnlichen Mission. Als Grund gab das Unternehmen ispace eine fehlerhafte Höhenberechnung des Landers an. Kurz nach der anvisierten Landezeit von "Hakuto-R" auf dem Mond hatte ispace keine Daten mehr vom Lander empfangen. Die Firma geht davon aus, dass er im freien Fall auf die MondoberflĂ€che gestĂŒrzt ist.
Bei einem Erfolg wÀre es die weltweit erste private Mondlandung gewesen, nun folgt der zweite solche Versuch eines Unternehmens. Bereits seit Jahren wollen auch private Firmen auf dem Mond landen und andere Raumfahrtprojekte stemmen, unter anderem SpaceX von MilliardÀr Elon Musk. Wie bei der Raumstation ISS arbeitet die US-Raumfahrtbehörde Nasa auch bei Mond-Projekten immer enger mit kommerziellen Anbietern zusammen, weil sich das als effizienter und letztendlich kostensparender Weg erwiesen hat. Umgekehrt hÀngt das GeschÀftsmodell privater Firmen bislang vielfach von staatlichen Auftraggebern ab.
Erkenntnisse sollen bemannter Mondmission dienen
Bei der "Peregrine Mission 1" konnten Privatpersonen sich Raum fĂŒr den Transport von Material zum Mond in dem Lander kaufen, der 1,9 Meter hoch ist und einen Durchmesser von 2,5 Metern hat. Auch die US-Weltraumbehörde Nasa will mit mehreren GerĂ€ten auf der Reise ihre eigenen Expeditionen zum Mond vorbereiten, der etwa 380 000 Kilometer von der Erde entfernt ist.
Die Nasa möchte bei der Mission unter anderem die MondexosphÀre untersuchen. Zudem sollen thermische Eigenschaften und der Wasserstoffgehalt des Materials auf der MondoberflÀche (Regolith) erkundet werden. Geplant ist auch, fortschrittliche Solaranlagen bei dieser Mond-Kollaboration zwischen Nasa und einem Privat-Unternehmen zu testen.
Die Untersuchungen wĂŒrden dabei helfen, "uns besser darauf vorzubereiten, bemannte Missionen zurĂŒck zum Mond zu schicken", hatte Nasa-Wissenschaftler Paul Niles vor dem Start erklĂ€rt. Im Rahmen des "Artemis"-Programms will die Nasa nach derzeitigem Stand Ende 2024 mit drei MĂ€nnern und einer Frau bei der rund zehntĂ€gigen Mission "Artemis 2" den Mond umrunden. 2025 sollen dann bei "Artemis 3" - zumindest nach derzeitigem Plan - nach mehr als einem halben Jahrhundert wieder Astronauten auf dem Mond landen, darunter erstmals eine Frau und eine nicht-weiĂe Person. Das langfristige Ziel von "Artemis" ist die Errichtung einer permanenten Mondbasis als Grundlage fĂŒr Missionen zum Mars.
Ureinwohner Amerikas haben EinwÀnde gegen eine Ladung
Wichtig ist dabei fĂŒr die US-Raumfahrtagentur die Hilfe durch private Raumfahrtunternehmen. "Wir wissen nicht, wie viele dieser frĂŒhen Tests erfolgreich sein werden. Aber ich kann Ihnen sagen, dass diese amerikanischen Unternehmen technisch detailorientiert sind. Sie sind sehr geschĂ€ftstĂŒchtig. Sie sind einfallsreich und motiviert", lobte Nasa-Programmchef Chris Culbert Astrobotic und weitere Partner. Die Firmen seien hochmotiviert, den Mond als GeschĂ€ftsfeld zu erobern.
Die Nasa plant neben der "Peregrin"-Mission weitere Kooperationen im Rahmen ihrer CLPS-Initiative (Commercial Lunar Payload Services), um Material zum Mond zu bringen. Dabei vergibt sie ein Art Lieferauftrag an ein Unternehmen wie Astrobotic. "Stellen Sie sich die "Peregrine"-Raumsonde als ein Liefervehikel im Weltraum vor", schreibt das private Raumfahrtunternehmen. "So wie Versandunternehmen wie etwa DHL Pakete rund um die Welt verschicken, schickt Astrobotic Artikel zum Mond." Nach Unternehmensangaben hat "Peregrine" Lieferungen von Regierungen, Unternehmen, UniversitÀten und der Nasa aus sieben verschiedenen LÀndern an Bord.
Eine Ladung von privaten Partnern in "Peregrine" ist zumindest einigen Ureinwohnern in den USA ein Dorn im Auge: Menschliche und tierische Asche soll - als besondere letzte RuhestÀtte - durch die Mission auch auf den Mond gelangen. US-Medienberichten zufolge schrieb der PrÀsident der Navajo Nation im Bundesstaat Arizona, Buu Nygren, deshalb der Nasa einen Beschwerdebrief: Die Mission entweihe den in ihrer Kultur als heilig angesehenen Mond, hieà es.

