WDH / ROUNDUP: Baywa in der Krise - Sanierungsgutachten notwendig
14.07.2024 - 22:18:48(Ende des ersten Absatzes wurde ein Wort ergÀnzt.)
MĂNCHEN (dpa-AFX) - Der in Milliardenhöhe verschuldete Baywa DE0005194062-Konzern hat einen Sanierungsgutachter an Bord geholt. Das Gutachten soll die "angespannte Finanzierungslage" verbessern, wie der MĂŒnchner Agrarhandels- und Energiekonzern mitteilte. Der Vorstand bekundete gleichzeitig seinen Optimismus, dank "konstruktiver GesprĂ€che mit den Finanzierungspartnern" und der eingeleiteten MaĂnahmen die Finanzsituation nachhaltig stĂ€rken zu können. Ein groĂes Problem sind die seit 2021 stark gestiegenen Zinszahlungen fĂŒr die Kredite, wie den GeschĂ€ftsberichten zu entnehmen ist.
Einzelheiten des Sanierungsprogramms unklar
Baywa-Chef Marcus Pöllinger und seine Vorstandskollegen lieĂen die Pflichtmitteilung am Freitagabend nach Börsenschluss veröffentlichen. Wer der Gutachter ist, und bis wann das Sanierungsgutachten vorliegen soll, teilte das Unternehmen am Samstag zunĂ€chst nicht mit. Im nachbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate ging es fĂŒr Baywa am Freitagabend steil abwĂ€rts - um rund 20 Prozent sackte die Aktie ab.
Rote Zahlen
Im Februar 2023 hatte die Baywa mit einer groĂen Gala ihren 100. Geburtstag gefeiert - und das JubilĂ€umsjahr mit einem Nettoverlust von 93 Millionen Euro beendet. Im ersten Quartal rutschte die Baywa mit einem Minus von 108 Millionen Euro noch tiefer in die roten Zahlen.
Ende des ersten Quartals drĂŒckten lang- und kurzfristige Schulden in Höhe von fast 5,6 Milliarden Euro die Baywa. Schon auf der Hauptversammlung im Juni hatte Pöllinger sozialvertrĂ€glichen Stellenabbau und VerkĂ€ufe nicht wesentlicher GeschĂ€ftsbereiche angekĂŒndigt. Die Baywa hat zurzeit gut 24 000 Mitarbeiter.
Expansion auf Pump
Diese Schulden gehen zu GroĂteil auf die Amtszeit des langjĂ€hrigen Vorstandschefs Klaus Josef Lutz zurĂŒck, der den ehedem auf den Agrarhandel beschrĂ€nkten Konzern bis FrĂŒhjahr 2023 leitete. Der Manager expandierte auf Kredit quasi rund um den Globus. Lutz baute vor allem das GeschĂ€ft mit erneuerbaren Energien als zweites Standbein des Konzerns auf.
Doch auch im Agrarhandel kaufte die Baywa in Lutz' Amtszeit zu: So wurde die Baywa Mehrheitseignerin des groĂen neuseelĂ€ndischen Apfelanbauers Turners and Growers, der seine Plantagen ĂŒberrall auf der Welt betreibt. Auch viele deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher, denen das Unternehmen kein Begriff ist, haben Baywa-FrĂŒchte in der Hand: Dazu zĂ€hlen beispielsweise Ăpfel der Sorten "Kanzi" und Jazz".
Der heutige Chef Pöllinger ist allerdings kein Baywa-Novize, der die Probleme nur geerbt hĂ€tte: Er gehört dem Vorstand seit Ende 2018 an. Unerfreulicherweise fĂŒr die Baywa ging der Anstieg der Verschuldung einher mit dem rasanten Anstieg der Kreditzinsen seit 2022, eine Entwicklung, die auch andere Unternehmen schon in Schwierigkeiten gebracht hat.
Der Vorstand hatte offenkundig mit langfristig niedrigen Zinsen kalkuliert und wurde böse ĂŒberrascht. 2021 zahlte die Baywa knapp 122 Millionen Euro Kreditzinsen, 2022 waren es 202 Millionen, 2023 schoss die Zinsbelastung dann auf 362 Millionen Euro in die Höhe. Das war die maĂgebliche Ursache der Verluste, denn im operativen GeschĂ€ft schrieb die Baywa schwarze Zahlen.
Milliardenkredit wird 2025 fÀllig
Die drĂŒckende Zinslast ist jedoch nicht das einzige Problem: Ein betrĂ€chtlicher Teil der Schulden ist in einem Konsortialkredit mit einem Rahmen von bis zu 2 Milliarden Euro gebĂŒndelt, Ende 2023 hatte die Baywa davon 1,4 Milliarden in Anspruch genommen, wie im GeschĂ€ftsbericht 2023 nachzulesen. Die Uhr tickt: Der Konsortialkredit lĂ€uft im September 2025 aus.
Sehr unerfreulich ist die Entwicklung auch fĂŒr den frĂŒheren Vorstandschef Lutz. Er war 2023 unmittelbar auf den Sessel des Aufsichtsratschefs gewechselt, legte den Posten aber Anfang dieses Jahres nach internen Streitigkeiten nieder. Doch aus dem Rampenlicht ist er nicht verschwunden: Als PrĂ€sident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags ist Lutz einer der prominentesten ReprĂ€sentanten der heimischen Wirtschaft.

