Energydrink-Konsum unter Kindern und Jugendlichen nimmt zu
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 06:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVor allem monatlicher Konsum nahm in den vergangenen Jahren zu, wie die im "Deutschen Ărzteblatt International" vorgestellte Auswertung ergab. HĂ€ufig solche Produkte zu trinken, könne gravierende gesundheitliche Folgen haben, warnen Experten.
Energydrinks sind gesĂŒĂte GetrĂ€nke, die mit Koffein und anderen Inhaltsstoffen wie Taurin und Glucuronolacton versetzt sind. Influencer preisen solche GetrĂ€nke an, einige haben eigene Produkte. "Energydrinks enthalten hohe Koffein- und Zuckerkonzentrationen, die in groĂen Mengen schĂ€dlich fĂŒr unser Herz-Kreislauf-System sind", erklĂ€rte Felix Oberhoffer vom Klinikum der UniversitĂ€t MĂŒnchen (LMU). "Ein regelmĂ€Ăiger und hoher Konsum kann langfristig die Entstehung von Bluthochdruck, Ăbergewicht und Zuckerstoffwechselstörungen befördern."
Gesetzliche Obergrenze wird ausgenutzt
Die Fruchtsaft- und ErfrischungsgetrĂ€nkeverordnung sieht eine Maximalgrenze von 320 Milligramm Koffein pro Liter vor. Eine marktĂŒbliche 500-Milliliter-Dose enthĂ€lt den "Ărzteblatt"-Autoren zufolge hĂ€ufig die gesetzliche Obergrenze von 160 Milligramm Koffein sowie etwa 55 Gramm Zucker. Nach EinschĂ€tzung der EuropĂ€ischen Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist bei Kindern ein Konsum von maximal drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag wahrscheinlich unbedenklich - bei 50 Kilogramm Gewicht wĂ€ren das 150 Milligramm.
Julia Hansen, Clemens Neumann und Reiner Hanewinkel von der Forschungseinrichtung IFT-Nord in Kiel hatten Daten des vom Institut jĂ€hrlich erhobenen "PrĂ€ventionsradars" fĂŒr die Schuljahre 2020/21 bis 2025/26 ausgewertet. Insgesamt wurden Angaben von mehr als 107.000 SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern unter 16 Jahren aus 15 BundeslĂ€ndern ausgewertet. Zu bedenken ist dabei, dass Fragebogendaten durch sozial erwĂŒnschte Antworten verzerrt sein können. Die tatsĂ€chlich konsumierte Menge wurde nicht erfasst.
Fast jedes zweite Kind, rund sieben von zehn Jugendlichen
Den Angaben nach haben 46 Prozent der 9- bis 12-JĂ€hrigen und 72 Prozent der 13- bis 15-JĂ€hrigen bereits Energydrinks konsumiert. Bei den Kindern tranken zuletzt 13 Prozent mindestens einmal im Monat Energydrinks, in der ersten berĂŒcksichtigten Erhebung 2020/21 waren es knapp 10 Prozent. Bei den Jugendlichen stieg der Anteil von 25 auf 33 Prozent. Mindestens einmal pro Woche konsumierten zuletzt 6 Prozent der Kinder - der Wert blieb nahezu unverĂ€ndert - sowie 19 Prozent der Jugendlichen nach knapp 16 Prozent im Schuljahr 2020/21. Kaum VerĂ€nderung gab es beim Prozentsatz tĂ€glich konsumierender Kinder: rund 2 Prozent der Kinder und etwa 6 Prozent der Jugendlichen.
TÀglicher Energydrink-Konsum war der Befragung zufolge eng mit dem Konsum von Nikotin verbunden. Jugendliche, die im vergangenen Monat geraucht oder E-Zigaretten genutzt hatten, wiesen eine 2,4-fach höhere Rate tÀglichen Energydrink-Konsums auf als Jugendliche ohne Nikotinkonsum. Auch Alkohol- und Cannabiskonsum, höhere Risikobereitschaft, mehr Bildschirmzeit sowie Aufmerksamkeits- und emotionale Probleme standen mit tÀglichem Konsum in Zusammenhang.
Gerade der Mischkonsum mit Alkohol sei gefĂ€hrlich, erklĂ€rte Katharina Rathmann von der Hochschule Fulda. "Koffein kann die MĂŒdigkeit durch Alkohol ĂŒberdecken, ohne die tatsĂ€chliche BeeintrĂ€chtigung von Reaktion, Urteilsvermögen und Koordination zu verringern. Dadurch kann man sich nĂŒchterner fĂŒhlen, als man tatsĂ€chlich ist, und eher mehr Alkohol trinken oder die Risiken unterschĂ€tzen."
ZusammenhĂ€nge gehen auf sozioökonomische Faktoren zurĂŒck
Dass Energydrink-Konsum hÀufig zusammen mit Nikotin-, Alkohol- und Cannabiskonsum auftrete, bedeute nicht, dass die Drinks diese Verhaltensweisen verursachen, so Rathmann. "Auch Unterschiede nach Schulform sollten eher als Hinweis auf soziale Unterschiede im Konsum verstanden werden."
Seltener als bei anderen Schulformen war tĂ€glicher Energydrink-Konsum der Auswertung zufolge bei SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern an Gymnasien. Auch stĂ€rkeres elterliches Monitoring und eine höhere Risikowahrnehmung gegenĂŒber Substanzen gingen mit niedrigeren Konsumraten einher. Ein statistisch bedeutsamer Unterschied zwischen den Geschlechtern zeigte sich nicht.
Auch die Autoren verweisen auf die gesundheitlichen Risiken. Hohe Koffeinmengen könnten unter anderem Schlafprobleme, AngstzustĂ€nde und eine akute Belastung des Herz-Kreislauf-Systems begĂŒnstigen. Der hohe Zuckergehalt erhöhe das Risiko fĂŒr Ăbergewicht und ZahnschĂ€den.
Verkaufs- und WerbeeinschrÀnkungen
Hansen, Neumann und Hanewinkel empfehlen neben MaĂnahmen zur VerhaltensprĂ€vention strengere Regeln fĂŒr den Verkauf und das Bewerben von Energydrinks. Besonders die Vermarktung ĂŒber Influencer und soziale Medien könne den Konsum bei Jugendlichen fördern.
In anderen LĂ€ndern wurden Energydrinks bereits stĂ€rker reguliert: In Litauen, Lettland und Polen dĂŒrfen sie nur noch an Kunden ab 18 Jahren verkauft werden. In Norwegen gilt ein Verkaufsverbot an unter 16-JĂ€hrige.
"KardiovaskulÀre Erkrankungen sind schon heute die Todesursache Nummer Eins in Europa und verursachen direkte sowie indirekte Gesundheitskosten in Milliardenhöhe", mahnte LMU-Mediziner Oberhoffer. "Es ist nun höchste Zeit, dass unsere Bundesregierung hier nachbessert, denn PrÀvention beginnt im Kindesalter und nicht erst nach dem ersten Herzinfarkt."
