ROUNDUP, Flughafen

Flughafen Hamburg kommt aus roten Zahlen - 'Leute wollen mobil sein'

05.12.2023 - 18:05:58

Erstmals seit der Corona-Pandemie kommt der Hamburger Flughafen aus den roten Zahlen.

"Wir gehen davon aus, dass wir dieses Jahr mit einer schwarzen Null abschließen können", sagte der scheidende GeschĂ€ftsfĂŒhrer Michael Eggenschwiler der Deutschen Presse-Agentur. Die Zahl der Passagiere werde 2023 etwa 13,8 Millionen betragen. Das sind knapp 80 Prozent des Vor-Corona-Jahres 2019, als 17,3 Millionen FluggĂ€ste gezĂ€hlt wurden. 2022 waren 11,1 Millionen Menschen in Hamburg abgeflogen oder gelandet. Rekordjahr war bislang 2017 mit 17,6 Millionen Passagieren.

Im vergangenen Jahr hatte die Flughafen Hamburg GmbH (FHG) einen Verlust von rund 27,2 Millionen Euro eingefahren. In den 25 Jahren vor der Pandemie hatte die Gesellschaft stets einen Gewinn erwirtschaftet. Die FHG ist zu 51 Prozent im Besitz der Hansestadt. 49 Prozent der Anteile hĂ€lt der Flughafeninvestor AviAlliance GmbH (DĂŒsseldorf).

Weniger InlandsflĂŒge

Ursache fĂŒr die weiterhin niedrigere Passagierzahl im Vergleich zu 2019 sei der geringere GeschĂ€ftsverkehr im Inland, sagte Eggenschwiler. "Die Deutschen habe eine ZurĂŒckhaltung, was InlandsflĂŒge angeht." Dagegen habe der touristische Flugverkehr wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. Der Tag mit dem stĂ€rksten Reiseaufkommen in diesem Jahr war der 13. Oktober. Mehr als 56 000 FluggĂ€ste kamen am Helmut-Schmidt-Flughafen an oder flogen in die Herbstferien.

"Die Leute wollen mobil sein", betonte Eggenschwiler. Die Luftverkehrsbranche mĂŒsse diese MobilitĂ€t ermöglichen und zugleich klimafreundlicher werden. Zur Forderung nach einer CO2-freien Luftfahrt sagte der Flughafenchef jedoch: "Es dauert lĂ€nger als einige glauben." Die gegenwĂ€rtige Flotte habe eine Lebensdauer von mindestens 30 Jahren. Ein Teil der Flugzeuge könne zwar mit einem Anteil von bis zu 50 Prozent synthetischem Kerosin fliegen, das CO2-neutral sei. Aber der Aufbau der Produktions- und Versorgungsstruktur brauche Zeit. Noch sei synthetisches Kerosin zehnmal so teuer wie der herkömmliche Treibstoff.

Flughafen plant Wasserstoff-Infrastruktur

DemnĂ€chst werde es kleinere Maschinen geben, die mit Wasserstoff und Brennstoffzelle fliegen könnten. Auch Kleinflugzeuge mit Elektromotor und Batterie seien schon unterwegs, erklĂ€rte Eggenschwiler. Airbus NL0000235190 wolle das erste CO2-freie Flugzeug mit einer Reichweite von rund 2000 Kilometern vor 2040 auf den Markt bringen. Dann brĂ€uchte der Flughafen die entsprechende Infrastruktur, etwa einen Pipeline-Anschluss fĂŒr Wasserstoff und einen großen Tank mit einer SpeicherkapazitĂ€t von 400 Tonnen. Die Entwicklung laufe, Eggenschwiler fĂŒgte aber hinzu: "Da sind wir noch in den AnfĂ€ngen."

Erst kĂŒrzlich trat Hamburg als erster Airport in Deutschland einem internationalen Airbus-Netzwerk fĂŒr den Aufbau einer Infrastruktur fĂŒr die wasserstoffgetriebene Luftfahrt bei. Der weltgrĂ¶ĂŸte Flugzeughersteller arbeitet in dem "Hydrogen Hub at Airports" genannten Netzwerk mit FlughĂ€fen, Airlines und Unternehmen aus dem Energiesektor zusammen.

Maschinen der Neoklasse leiser und sparsamer

Umweltfreundlicher wird die Luftfahrt auch durch neue, sparsamere Triebwerke. Bereits rund 20 Prozent der Starts und Landungen in Hamburg erfolgen mit Maschinen der sogenannten Neoklasse. Diese modernen Flugzeuge seien rund fĂŒnf Dezibel leiser und brĂ€uchten 20 bis 30 Prozent weniger Treibstoff. "Die Branche investiert in neues GerĂ€t - da hat die Nachbarschaft auch was davon", sagte Eggenschwiler mit Blick auf den LĂ€rmschutz.

Die Airlines bemĂŒhten sich zudem, verspĂ€tete Landungen nach 23.00 Uhr zu vermeiden - auch aus KostengrĂŒnden. Trotz des Großmanövers "Air Defender", Streiks und vielen Extremwettertagen werde die Zahl der spĂ€ten Landungen in diesem Jahr voraussichtlich geringer als 2022 sein.

Eggenschwilers Stellvertreter wird neuer Chef

Eggenschwiler (65) geht Ende des Jahres in den Ruhestand. Der Schweizer war am 1. Januar 2003 GeschĂ€ftsfĂŒhrer geworden, im Oktober 2007 hatte er der den Vorsitz der GeschĂ€ftsfĂŒhrung ĂŒbernommen. Sein Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter Christian Kunsch (50). Neu in die GeschĂ€ftsfĂŒhrung kommt zum 1. April Berit Schmitz (51). Die Betriebswirtin war zuletzt GeschĂ€ftsfĂŒhrerin fĂŒr die Mainzer Verkehrsgesellschaft und wird fĂŒr den kaufmĂ€nnischen Bereich zustĂ€ndig sein.

@ dpa.de

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