Produktion/Absatz, Wettbewerb

Anzahl der Post-Beschwerden steigt auf Höchstwert

09.03.2025 - 11:05:01

Es geht um verlorene Briefe, beschÀdigte Pakete oder verspÀtete Sendungen: Bei der Bundesnetzagentur sind noch nie so viele Post-Beschwerden DE0005552004 eingegangen wie im vergangenen Jahr.

Wie die Bonner Behörde auf dpa-Anfrage mitteilte, erreichten sie 44.406 Eingaben zu MĂ€ngeln der Postversorgung und damit 2817 mehr als 2023, also ein Plus von fast sieben Prozent. Der bisherige Höchstwert von 43.125 kritischen Wortmeldungen im Jahr 2022 wurde damit knapp ĂŒbertroffen.

Im Vergleich zu 2021 hat sich das Beschwerde-Level fast verdreifacht (15.118). Damals machten Personalprobleme der Post zu schaffen, weswegen sich die Zustellung von vielen Sendungen verzögerte und der Ärger der Verbraucherinnen und Verbraucher grĂ¶ĂŸer wurde. Seither ist das Beschwerde-Level hoch geblieben. Die Möglichkeit zur Kritik bezieht sich auf die ganze Post- und Paketbranche, allerdings richteten sich im vergangenen Jahr 89 Prozent der Beschwerden gegen den MarktfĂŒhrer DHL und seine Briefsparte Deutsche Post.

Meistens geht es um MĂ€ngel bei der Zustellung, aber auch um andere Themen wie Filialen, bei denen Verbraucher auch innerhalb ihrer eigentlichen Öffnungszeiten vor verschlossenen TĂŒren standen, oder um BriefkĂ€sten, die seltener geleert werden als frĂŒher. FĂŒr Frust sorgen auch angeblich fehlgeschlagene Zustellversuche, obwohl der EmpfĂ€nger doch daheim wartete und die Klingel gut funktionierte - da drĂ€ngt sich die Frage auf, ob der Paketbote es ĂŒberhaupt ernsthaft versucht hat.

Es geht um einen winzigen Prozentwert plus X

Der Post-Konzern DHL teilt mit, dass die Anzahl der auf ihn bezogenen Beschwerden im VerhĂ€ltnis zu den 12,2 Milliarden Briefen und 1,8 Milliarden Paketen, die im vergangenen Jahr ausgeliefert wurden, gering sei. Ein Firmensprecher betont aber, dass jede Beschwerde eine zu viel sei. "Wir arbeiten tĂ€glich daran, unsere QualitĂ€t zu verbessern und möglichst wenig AnlĂ€sse fĂŒr Beschwerden entstehen zu lassen."

Der Statistik zufolge fĂŒhren nur 0,0003 Prozent der Sendungen zu einer Beschwerde bei der Bundesnetzagentur. Allerdings kann man sich auch direkt bei DHL beschweren. Wie viele kritische Wortmeldungen die Firma direkt erreicht haben, verrĂ€t der Konzern nicht. Hinzu kommt eine Dunkelziffer von Zustellfehlern, die zwar zu Frust beim EmpfĂ€nger gefĂŒhrt, diesen aber nicht zu einer Beschwerde bewegt haben. Letztlich ist die Beschwerdezahl der Bundesnetzagentur nur ein Indikator, dass etwas im Argen liegen könnte in der Branche, die einen hohen Zeit- und Kostendruck hat.

Post begrĂŒndet Probleme mit PersonalengpĂ€ssen

Wenn sich kritische Wortmeldungen in einer Region hĂ€ufen, leitet die Bundesnetzagentur sogenannte AnlassprĂŒfungen wegen unterbliebener oder mangelhafter Briefzustellung ein. Im vergangenen Jahr waren das 27 und damit acht weniger als 2023. Relativ viel Unmut gab es nach Angaben der Bonner Behörde etwa im Oktober 2024 in Bochum, wo die Post ihre Zustellprobleme mit PersonalengpĂ€ssen und organisatorischen EngpĂ€ssen begrĂŒndete. Die Post reagierte dort mit Neueinstellungen und VertretungskrĂ€ften. Im Januar 2025 hatte sich die Zustellsituation stabilisiert, wie die Bundesnetzagentur schreibt.

Ähnliche Zustelldefizite gab es im vergangenen Jahr zwischenzeitlich etwa in Stuhr (Niedersachsen), Erlensee (Hessen), Hamburg, Freudenstadt (Baden-WĂŒrttemberg), Planegg (Bayern) und Neuenhagen (Brandenburg). Nicht nur PersonallĂŒcken spielten eine Rolle, sondern mitunter auch schlechtes Wetter und ungewohnt hohe Sendungsmengen.

Bei den AnlassprĂŒfungen handelt es sich nur um eine Art mahnenden Zeigefinger der Bundesnetzagentur. Mit der Anfang 2025 in Kraft getretenen Postgesetz-Reform ist das bislang stumpfe Schwert der Aufsichtsbehörde aber etwas schĂ€rfer geworden, kĂŒnftig kann die Behörde Bußgelder verhĂ€ngen. Auch wenn solche Zahlungen noch reine Theorie und somit gar nicht absehbar sind: Der Druck auf den Logistikkonzern ist gestiegen, damit er keine allzu schlechte Arbeit abliefert.

Verschlechtert der Personalabbau die ZustellqualitÀt?

KĂŒrzlich verkĂŒndete die Post binnen weniger Tage zwei Nachrichten. ZunĂ€chst wurde eine Tarifeinigung mit Verdi vermeldet, die den 170.000 TarifbeschĂ€ftigten schrittweise insgesamt fĂŒnf Prozent mehr Lohn einbringt. Wenig spĂ€ter folgte eine schlechte Nachricht: Wegen hoher Kosten baut die Post bis zum Jahresende 8000 Stellen ab, das sind etwas mehr als vier Prozent der zuletzt 187.000 Stellen im deutschen Brief- und PaketgeschĂ€ft. Dabei spielte auch eine Rolle, dass die Portoerhöhung, die es Anfang des Jahres gegeben hatte, der Post nicht hoch genug gewesen war und die Firma daher nicht so viel Geld in die Kasse bekommt wie erhofft.

Und was sagt die Politik zu dem hohen Beschwerdeaufkommen? Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff gibt der Post in dem Punkt recht, als dass die Zahl der Beschwerden im VerhĂ€ltnis zu den Milliarden an Sendungen tatsĂ€chlich gering sei. Dennoch dĂŒrfe der Ärger von Zehntausenden Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht auf die leichte Schulter genommen werden, mahnt der Sozialdemokrat. "Die Post ist gehalten, den Universaldienst in hoher QualitĂ€t sicherzustellen und die Beschwerden weiterhin ernst zu nehmen." Mit Universaldienst ist gemeint, dass die Post ĂŒberall in Deutschland Briefe zustellen sowie flĂ€chendeckend BriefkĂ€sten und Filialen haben muss.

Mit Blick auf den Stellenabbau der Post merkt Roloff an, dass dieser nicht zu einem QualitĂ€tsverlust in der Zustellung fĂŒhren dĂŒrfe. "Die regionalen AnlassprĂŒfungen zeigen schon jetzt, dass das Personal mancherorts knapp ist", sagt der SPDler, der die Postgesetz-Reform mitverhandelt hat. "Den GĂŒrtel noch enger zu schnallen, könnte die Zustellsituation verschlechtern und den Unmut der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger wachsen lassen."

@ dpa.de | DE0005552004 PRODUKTION/ABSATZ