Produktion/Absatz, Zusammenfassung

Warum Luxusuhren bei jungen Menschen so gefragt sind

25.08.2025 - 06:35:05

Es ist ein kleines Vermögen, das da am Handgelenk glĂ€nzt: Teure Luxusuhren sind "in" - und die Kundschaft ist deutlich jĂŒnger geworden."Die Juweliere berichten verstĂ€rkt ĂŒber Nachfrage junger, insbesondere mĂ€nnlicher KĂ€ufer nach hochwertigen, mechanischen Uhren", beschreibt Joachim DĂŒnkelmann vom Bundesverband der Juweliere, Schmuck- und UhrenfachgeschĂ€fte (BVJ).

Es ist ein kleines Vermögen, das da am Handgelenk glĂ€nzt: Teure Luxusuhren sind "in" - und die Kundschaft ist deutlich jĂŒnger geworden.

"Die Juweliere berichten verstĂ€rkt ĂŒber Nachfrage junger, insbesondere mĂ€nnlicher KĂ€ufer nach hochwertigen, mechanischen Uhren", beschreibt Joachim DĂŒnkelmann vom Bundesverband der Juweliere, Schmuck- und UhrenfachgeschĂ€fte (BVJ). In Liebhaber-Onlineforen sehe man immer öfter mĂ€nnliche Uhren-Fans Mitte 20 und darunter. Ein Trend, der laut Fachleuten durch Promis, Popkultur, soziale Medien und eine spezielle Serie befördert wird.

Dass Luxusuhren gefragt sind, liegt nach Ansicht von Carsten Keller von Chrono24, einem weltweiten Online-Marktplatz mit Sitz in Karlsruhe, unter anderem daran, dass sie Status vermitteln. Zudem bleibe ihr Wert bei zahlreichen Modellen stabil oder steigere sich noch. "Der Wiederverkaufswert liegt dann oft vergleichbar zum Ladenpreis oder noch darĂŒber", sagt Keller.

"PrĂ€zise Mechanik schlĂ€gt kĂŒnstliche Intelligenz"

Vielen gehe es aber nicht nur um Zahlen oder Status, sagt er. Die Technik und Handwerkskunst faszinierten sie. Auch DĂŒnkelmann stellt fest, dass junge MĂ€nner sich fĂŒr die prĂ€zise Mechanik der Uhren interessierten. "Zur immer schnelleren, digitalisierten Welt setzt die Feinmechanik einer Automatikuhr wohl einen willkommenen Kontrapunkt", analysiert er. "PrĂ€zise Mechanik schlĂ€gt kĂŒnstliche Intelligenz, sozusagen. Ganz ohne Akku und Netz."

Luxusuhren enthielten zudem hĂ€ufig edlere Materialien, erklĂ€rt Fernando Fastoso, Professor fĂŒr Luxusmarken-Marketing an der Hochschule Pforzheim. Ihre Uhrwerke und Komponenten seien oft aus eigener Produktion statt dazugekaufte "Standardware". In der Wahrnehmung von Konsumenten werde eine Uhr zur Luxusuhr, wenn sie fĂŒr ultimative QualitĂ€t und ExklusivitĂ€t steht. Der Preis gehe weit ĂŒber die FunktionalitĂ€t des Produktes hinaus.

Auch Legendenbildung spielt eine Rolle: "Es geht um einen Markenmythos, der ĂŒber Jahrzehnte aufgebaut wird", erklĂ€rt Fastoso. "Der Mythos des lange etablierten Uhrenmachers, der in eigener, handwerklicher Produktion, mit ausgesuchten Materialien kleine StĂŒckzahlen anfertigt, die nur anspruchsvolle Kunden zu schĂ€tzen wissen." Ohne verknapptes Angebot gebe es keinen Luxus. Dabei sei Knappheit relativ: "2024 wurden ĂŒber eine Million neue Rolex-Uhren verkauft, dagegen nur knapp 6.000 StĂŒck der Marke Richard Mille."

Einfluss der Popkultur

Ein Grund fĂŒr das hohe Interesse der jungen Generation ist aus Kellers Sicht der Wohlstand bei vielen 20- bis 40-JĂ€hrigen. Hierzu hĂ€tten etwa Erbschaften, Aktien, KryptowĂ€hrungen, Wirtschaftswachstum sowie der Tech- und Start-up-Boom beigetragen. FĂŒr sie stelle sich frĂŒher als bei vorherigen Generationen die Frage, wie sie ihr Geld investieren. Auch bei Frauen wachse das Interesse.

Zudem sei die Generation groß geworden mit Investments in Sammelkategorien. Als Beispiele nennt Keller Sneaker und NFTs, digitalen Sammelkarten. In dieses Schema passen auch Luxusuhren. Bei diesen sei die Preisentwicklung aber ĂŒber viele Jahrzehnte mehr nachvollziehbar - und langfristiger.

Als die Apple Watch auf den Markt kam, habe das sogar einen positiven Effekt auf die alten Marken und klassischen Zeitmesser gehabt, berichtet Keller: "Sie hat die Bedeutung des Handgelenks noch einmal deutlich gesteigert." Doch sie sehe bei allen nahezu gleich aus. Da sei die Frage: Wie differenziere ich mich?

Ein anderes Argument ist die Popkultur: In zahlreichen Songs, gerade im Rap, tauchten Referenzen etwa auf Patek Philippe auf. Musiker Ed Sheeran sei ein riesen Sammler von Uhren und zeige das auch öffentlich. Facebook-GrĂŒnder Mark Zuckerberg habe eine der vielleicht spannendsten Uhrensammlungen der Welt aufgebaut, sagt Keller. Und in der Streaming-Serie "The White Lotus" tauchen auch immer wieder bestimmte Luxusuhren auf.

AufklÀrung durch Influencer

UmsatzmĂ€ĂŸig ist der Uhrenmarkt laut BVJ-GeschĂ€ftsfĂŒhrer DĂŒnkelmann auf stabilem Niveau. "Der Trend geht jedoch allgemein zu höherwertigen Modellen - die StĂŒckzahlen gehen leicht zurĂŒck, die Durchschnittspreise steigen."

Bei den Unter-DreißigjĂ€hrigen auf Chrono24 verzeichnen Marken wie Cartier, die Rolex-Schwestermarke Tudor und Jaeger-LeCoultre in den vergangenen drei Jahren deutlich wachsende Marktanteile. Bei Cartier habe sich der Anteil innerhalb dieser Altersgruppe mehr als verdoppelt, bei Tudor und Jaeger-LeCoultre lagen die ZuwĂ€chse bei ĂŒber 75 Prozent. Was Keller feststellt: "Die GenZ ist sehr interessiert und aktiv, aber das Interesse variiert stĂ€rker."

Bei jungen Leuten dauere der Prozess vom ersten Interesse bis zum Kauf lĂ€nger, sagt er. Daher sei anzunehmen, dass die Menschen sich vorher viel informieren, etwa Blogs lesen oder in sozialen Netzwerken nachschauen. Fachkundige Influencer erzĂ€hlen dort etwa, auf welche Unterschiede es zum Beispiel bei Sondereditionen ankommt und wie man Fakes erkennt. "Bis das GefĂŒhl da ist: Diese Uhr will ich jetzt kaufen", sagt Keller. "Das ist anders als beim Jeanskauf, wo ich sechs bestelle und fĂŒnf wieder zurĂŒckschicke."

@ dpa.de | CH0012255151 PRODUKTION/ABSATZ