ChemikalienhÀndler Brenntag kappt Gewinnziel - Aktie gibt nach
13.08.2024 - 14:01:34(Neu: Aussagen aus der Telefonkonferenz, Aktienkurs, Analysten)
ESSEN (dpa-AFX) - Der ChemikalienhĂ€ndler Brenntag DE000A1DAHH0 streicht infolge von Preisdruck und harter Konkurrenz sein Gewinnziel fĂŒr das Gesamtjahr zusammen. Die Gesamtleistung sei in der ersten JahreshĂ€lfte unbefriedigend und liege unter den eigenen Ambitionen, sagte Unternehmenschef Christian Kohlpaintner bei Vorlage von Zahlen am Dienstag. Die allgemeinen Trends und Erwartungen in der Chemieindustrie stimmten das Management vorsichtiger fĂŒr den Rest des Jahres. Es erwartet eine ungĂŒnstigere Mengenentwicklung und anhaltenden Preisdruck, insbesondere bei den Industriechemikalien.
Nach anfĂ€nglich leichten Kursgewinnen drehte die Aktie ins Minus und verlor zuletzt rund 1,3 Prozent auf 63 Euro. Seit dem Jahreswechsel hat das Unternehmen fast ein Viertel an Börsenwert eingebĂŒĂt. Analyst Christian Cohrs vom Analysehaus Warburg Research zufolge verbessere der ChemikalienhĂ€ndler die Ergebnisse kontinuierlich. Der Anpassungsbedarf bei den KonsensschĂ€tzungen sei angesichts des gesenkten Ausblicks zudem ĂŒberschaubar. Nach EinschĂ€tzung von Analyst Chetan Udeshi von der US-Bank JPMorgan wurde die Kappung des Gewinnziels weitgehend erwartet.
2024 dĂŒrfte der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (operatives Ebita) auf 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro fallen, wie das Dax DE0008469008-Unternehmen bereits am Montagabend in Essen ĂŒberraschend mitgeteilt hatte. Bislang hatte der Vorstand das untere Ende der Spanne von 1,23 bis 1,43 Milliarden Euro angepeilt. Mit den neuen Zielen erwartet Brenntag einen RĂŒckgang gegenĂŒber dem Vorjahreswert. Im ersten Halbjahr ging das operative Ergebnis um knapp 18 Prozent auf rund 557 Millionen Euro zurĂŒck.
Brenntag leidet unter einer schwĂ€cheren Nachfrage. Das sorgte schon 2023 fĂŒr einen deutlichen Umsatz- und ErgebnisrĂŒckgang. Im zweiten Quartal 2024 schrumpfte der Umsatz im Jahresvergleich um 1,9 Prozent auf knapp 4,2 Milliarden Euro, wie der Dax-Konzern am Dienstag in Essen mitteilte. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebita) rutschte um gut ein Zehntel auf 297 Millionen Euro ab.
Dabei habe das operative Ergebnis sowohl seine als auch die KonsensschĂ€tzung leicht ĂŒbertroffen, schrieb Analyst Chris Counihan vom Analysehaus Jefferies. Auf Ebene der einzelnen Sparten habe zwar der Bereich Essentials die Erwartungen ĂŒbertroffen, doch Specialties habe enttĂ€uscht.
Unter dem Strich blieb im zweiten Quartal ein auf die AktionÀre entfallender Gewinn von 149,1 Millionen Euro nach 186,9 Millionen Euro vor einem Jahr.
Nun will das Unternehmen noch einmal seinen Sparkurs verschĂ€rfen. Finanzchefin Kristin Neumann will dafĂŒr Ausgaben verschieben sowie Investitionen in IT und digitale Transformation ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum strecken. Dazu zĂ€hle auch, das globale Standortnetzwerk zu optimieren. "Wir sehen aber auch, dass wir kurzfristig mehr machen mĂŒssen", sagte sie in einer Telefonkonferenz. Die GeschĂ€fte entwickelten sich momentan nicht so, wie es sich das Management eigentlich vorgestellt hatte.
Um die Kosten zu senken, hatte der Vorstand im vergangenen Sommer bereits MaĂnahmen eingeleitet. Dazu zĂ€hlten 23 StandortschlieĂungen und der Abbau von ArbeitsplĂ€tzen. Brenntag habe im laufenden Jahr auĂerdem weitere 10 Standorte geschlossen, erlĂ€uterte Kohlpaintner in einer Telefonkonferenz. Weitere SchlieĂungen seien im Gang oder in der Vorbereitungsphase. Deutschland sei davon nicht betroffen.
Weltweit hat Brenntag laut dem Unternehmenschef momentan mehr als 600 Standorte. Insgesamt will der Konzern bis 2027 auf Jahressicht 300 Millionen Euro einsparen. Die Einmalkosten hatte das Unternehmen auf 250 Millionen Euro beziffert.
Derweil treibt der Konzern die Entflechtung seiner beiden Sparten voran. Die GeschĂ€fte mit Prozesschemikalien (Essentials) sowie mit Spezialchemikalien fĂŒr bestimmte Branchen (Specialties) sollen bis 2026 eigenstĂ€ndig aufgestellt werden. Brenntag erwartet so deutliche Effizienzsteigerungen und Einsparungen bei den Verwaltungskosten, den Ausgaben sowie in der Lieferkette.
Insbesondere das Spezialchemie-GeschĂ€ft soll sich so besser entwickeln. Der Bereich liegt Kohlpaintner zufolge hinter den Wettbewerbern zurĂŒck, diese LĂŒcke soll geschlossen werden. Danach will das Management verschiedene strategische Optionen prĂŒfen. Ob es zu einer Aufspaltung kommt, ist offen.
Aktivistische Investoren, in deren Visier der ChemikalienhĂ€ndler geraten ist, hatten auf eine Aufspaltung in die beiden Bereiche fĂŒr Spezial- und Basischemikalien gedrĂ€ngt. Dabei machte vor allem der britische Finanzinvestor Primestone auf sich aufmerksam. Primestone sowie der US-Hedgefonds Engine Capital erhoffen sich dadurch eine schnelle Wertsteigerung.
Brenntag handelt international mit Industrie- und Spezialchemikalien sowie Inhaltsstoffen. Das Unternehmen kauft die Stoffe bei Chemiekonzernen in gröĂeren Mengen ein und verkauft sie in kleineren Mengen. In den vergangenen Jahren ist Brenntag durch zahlreiche kleinere Ăbernahmen gewachsen.
KonjunkturabschwĂŒnge treffen das Unternehmen in der Regel weniger stark als Chemiekonzerne, weil Kunden dann weniger Chemikalien benötigen und diese vermehrt beim HĂ€ndler statt beim Produzenten kaufen. Zuletzt beschĂ€ftigte Brenntag knapp 18.000 Mitarbeiter.

