Ethereum: Wale kaufen trotz Verlustserie
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 16:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Drei Quartale in Folge im Minus – das hat es bei Ethereum noch nie gegeben. Ausgerechnet in dieser Phase ziehen große Wallets Rekordsummen aus Börsen ab und horten die Token in der Eigenverwahrung. Zwei gegensätzliche Signale, die zeigen: Die Lage bei ETH ist komplizierter, als der Chart vermuten lässt.
Ethereum notiert aktuell bei rund 1.880 Dollar und hat sich damit von einem Tief unter 1.564 Dollar zu Monatsbeginn deutlich erholt. Verglichen mit dem Allzeithoch von 4.953 Dollar aus dem August 2025 bleibt der Abstand trotzdem groß – rund 60 Prozent liegt der Kurs darunter. Grund dafür sind drei aufeinanderfolgende Verlustquartale: Das vierte Quartal 2025 schloss mit minus 28 Prozent, die ersten beiden Quartale 2026 folgten mit minus 29 und minus 25 Prozent.
Wale kaufen, Citi bleibt skeptisch
Mitten in diese Schwächephase platzte am 17. Juli zusätzlicher Druck von außen: US-Luftangriffe auf den Iran ließen Risikoanlagen weltweit fallen, der japanische Nikkei verlor am selben Tag knapp drei Prozent. Der Fear-and-Greed-Index für Kryptowährungen rutschte auf 22 Punkte – ein Wert, der extreme Angst signalisiert.
Just in dieser Phase zogen Wallets binnen weniger Tage 89.396 ETH im Gegenwert von 164 Millionen Dollar von Coinbase Prime ab, ein Hinweis auf langfristiges Halten statt kurzfristigem Verkaufsdruck. Parallel dazu kehrten die Zuflüsse in Spot-ETH-ETFs zurück: In der Woche bis zum 11. Juli flossen 84,42 Millionen Dollar in die Produkte – die erste positive Woche nach acht Wochen Pause. Citi bleibt trotzdem vorsichtig und senkte Anfang Juli das 12-Monats-Kursziel von 3.175 auf 2.240 Dollar.
Glamsterdam verschoben, Foundation schrumpft
Auf der fundamentalen Seite hängt viel am Glamsterdam-Upgrade, dem nach eigenen Angaben größten Protokoll-Update seit dem Merge im Jahr 2022. Ursprünglich für Juni geplant, wurde die Aktivierung auf das dritte Quartal 2026 verschoben. Das Upgrade soll das Gas-Limit von 60 auf 200 Millionen anheben und die Layer-1-Kapazität verdreifachen – zusätzlich soll die sogenannte Enshrined Proposer-Builder Separation die Kontrolle externer Relay-Anbieter über die Blockerstellung brechen, die derzeit bei über 88 Prozent liegt.
Während das Netzwerk technisch aufgerüstet wird, schrumpft die Organisation dahinter. Am 23. Juni strich die Ethereum Foundation 54 Stellen – rund ein Fünftel der Belegschaft – und kürzte ihr Jahresbudget um 40 Prozent. Beide Co-Direktoren gehörten zu mindestens acht Führungskräften, die die Stiftung in den vergangenen sechs Monaten verlassen haben. Der Umbau zu einem schlankeren Stiftungsmodell soll die laufenden Ausgaben bis 2030 auf rund fünf Prozent des Vermögens senken.
Institutionelles Kapital lässt sich davon bislang nicht abschrecken: Am 1. Juli startete mit Ethereum Institutional eine neue Initiative unter Mitwirkung von Mitgründer Joe Lubin, gestützt auf mehr als 500 bestehende Bankbeziehungen. Wenige Tage später, am 16. Juli, ging zusätzlich ein tokenisierter Fonds mit einem Volumen von 1,3 Milliarden Dollar auf Ethereum an den Start. Ob die Erholung nachhaltig wird, dürfte sich an der 100-Tage-EMA-Marke von 1.944 Dollar entscheiden – dem nächsten technischen Widerstand vor dem für das dritte Quartal angesetzten Glamsterdam-Termin.
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