EU-Digitalausweis, LĂ€nder

EU-Digitalausweis: LĂ€nder im Wettlauf gegen die Zeit

27.01.2026 - 11:34:12

Die EU-LĂ€nder setzen die digitale IdentitĂ€ts-Wallet unterschiedlich schnell um. WĂ€hrend Irland ĂŒber Nutzungszwang debattiert, zeigt ein technischer Test die Machbarkeit, doch die Fristen drĂ€ngen.

Die EU-Staaten kämpfen mit unterschiedlichem Tempo um die Einführung des digitalen Personalausweises. Während einige Länder technisch vorpreschen, entzündet sich andernorts eine hitzige Debatte über Datenschutz und Zwangsnutzung.

Irland zündet Datenschutz-Debatte

In Irland droht der digitale Ausweis zum Politikum zu werden. Medienberichte vom Dienstag enthüllten Pläne der Regierung, die Altersverifikation im Internet zwingend mit dem staatlichen Digitalausweis zu verknüpfen. Das sorgt für erheblichen Widerstand.

Datenschützer schlagen Alarm: Eigentlich soll die Nutzung der EU Digital Identity Wallet freiwillig bleiben. Doch wenn essentielle Online-Dienste wie Social-Media-Zugänge davon abhängen, entsteht faktisch ein Nutzungszwang. „Das untergräbt das Prinzip der Freiwilligkeit fundamental“, kritisieren Aktivisten.

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Hintergrund ist ein politischer Vorstoß vom Dezember 2025. Damals begründete Medienminister Patrick O’Donovan die Pläne mit zu langsamen EU-weiten Kinderschutzmaßnahmen. Jetzt steht die Regierung in Dublin vor einer grundsätzlichen Frage: Wie weit darf der Staat gehen, um Sicherheit durchzusetzen?

EU-Kommission diagnostiziert zerrissenes Bild

Während Irland über Grundsatzfragen streitet, offenbart eine Bestandsaufnahme vom Januar 2026 ein technisches Flickenteppich. Der Bericht beschreibt den Stand der Umsetzung als „durchwachsen“.

Die Unterschiede könnten größer kaum sein: Während Nordeuropa mit Finnland an der Spitze bereits fortgeschrittene Pilotprojekte testet, hinken andere Länder deutlich hinterher. Die Niederlande signalisierten Zeitprobleme, Bulgarien fehlt es noch an notwendigen nationalen Gesetzen.

Das gefährdet das Kernversprechen des gesamten Projekts: die grenzüberschreitende Nutzung. Ob Bankkonto eröffnen oder Auto mieten – der digitale Ausweis soll EU-weit funktionieren. Doch wenn zu wenige Länder rechtzeitig liefern, bleibt das System wertlos für Bürger und Unternehmen.

Brüsseler Testlauf zeigt: Technik funktioniert

Trotz der Umsetzungsprobleme gibt es technische Fortschritte. Mitte Januar veröffentlichte die EU-Kommission Ergebnisse eines entscheidenden Praxistests. Vom 10. bis 12. Dezember 2025 prüften Experten in Brüssel, ob verschiedene Wallet-Prototypen miteinander kommunizieren können.

Die „EUDI Wallets Launchpad“-Veranstaltung bestätigte: Die technische Interoperabilität ist machbar. Entscheidend sind jedoch einheitliche Standards. Diese Erkenntnisse stützen sich auch auf das POTENTIAL-Pilotprojekt, das im September 2025 sechs Anwendungsfälle – darunter digitale Führerscheine und E-Rezepte – erfolgreich testete.

Für die nationalen Entwicklungsteams liefern diese Ergebnisse jetzt den entscheidenden Bauplan. Sie müssen ihre Anwendungen bis Ende 2026 fertigstellen – dem verbindlichen Fristende der eIDAS-2.0-Verordnung.

Countdown für Behörden und Unternehmen läuft

Die Zeit wird knapp. Bis Ende 2026 muss jeder Mitgliedstaat mindestens eine digitale Identitäts-Wallet anbieten. Für die Privatwirtschaft gilt eine zusätzliche Frist: Ab 2027 müssen Banken, Telekom-Anbieter und große Online-Plattformen den digitalen Ausweis als sichere Authentifizierungsmethode akzeptieren.

Marktprognosen zeigen das enorme Potenzial. ABI Research erwartet bis Ende 2026 etwa 169 Millionen genutzte Digitalwallets in der EU. Das entspricht einem gewaltigen Technologieschub innerhalb weniger Monate.

Doch die langfristigen Ziele sind ambitionierter: Eine Nutzungsquote von 80 Prozent – von der Kommission als Erfolgsmarke definiert – dürfte frühestens in den frühen 2030er Jahren erreicht werden. Bis dahin müssen nicht nur technische Hürden überwunden, sondern auch Vertrauen aufgebaut werden. Die Debatte in Irland zeigt: Ohne öffentliche Akzeptanz bleibt der digitale Ausweis eine technische Lösung auf der Suche nach einem Problem.

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