EU-KI-Verordnung: Ombudsfrau fordert Klarstellung von BrĂŒssel
04.03.2026 - 23:41:35 | boerse-global.deDie EU-Ombudsfrau hat die EuropĂ€ische Kommission aufgefordert, ihre Leitlinien zur Umsetzung des KI-Gesetzes zu prĂ€zisieren. Das Eingreifen erfolgt kurz vor einem entscheidenden Parlamentstreffen und erhöht den Druck auf die Behörden, die Unsicherheit fĂŒr Unternehmen zu beenden.
Seit August 2024 gelten neue KI-Regeln â viele Unternehmen riskieren unwissentlich BuĂgelder. Die EU-KI-Verordnung ist bereits in Kraft. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, was Sie jetzt beachten mĂŒssen. Gratis E-Book mit Umsetzungsleitfaden anfordern
Ombudsfrau hinterfragt KI-Verhaltenskodex
Aufgrund einer Beschwerde eines Europaabgeordneten hat die Ombudsfrau am 2. MĂ€rz formell interveniert. Sie untersucht offenbar widersprĂŒchliche Anforderungen zwischen dem KI-Gesetz und dem Entwurf fĂŒr einen Verhaltenskodex fĂŒr universelle KI-Modelle. Im Fokus stehen dabei die Berichtspflichten zum Energieverbrauch leistungsstarker KI-Systeme.
Die Kommission muss nun bis zum 20. MĂ€rz ihre Methodik zur Bewertung des Kodexes offenlegen und ihr rechtliches Vorgehen erklĂ€ren. Diese administrative PrĂŒfung zwingt die neu geschaffene KI-Behörde (AI Office), ihre Leitlinien streng am Willen des Gesetzgebers auszurichten.
Verpasste Fristen verunsichern Unternehmen
Die Lage wird durch eine verpasste Deadline der Kommission verschĂ€rft. Eigentlich hĂ€tten bis Anfang Februar praktische Leitlinien zu Artikel 6 des KI-Gesetzes vorliegen mĂŒssen. Diese sind jedoch essenziell, um zu bestimmen, ob ein System als âhochriskantâ eingestuft wird â und damit unter die strengsten Compliance-Pflichten fĂ€llt.
Ohne diese Klassifizierungshilfe können Unternehmen in sensiblen Bereichen wie Personalwesen, Gesundheit oder Finanzen ihre Risikomanagement-Systeme nicht finalisieren. Die Kommission begrĂŒndet die Verzögerung mit der Auswertung umfangreicher Stakeholder-Kommentare. FĂŒr Compliance-Teams bedeutet das: Sie operieren nur Monate vor dem Start der Regelung ohne klare Grenzen.
Parlament pocht auf Durchsetzung und Transparenz
Parallel dazu tagte am 4. MĂ€rz ein gemeinsamer Arbeitsausschuss des EuropĂ€ischen Parlaments (IMCO/LIBE), um die Durchsetzungsarchitektur des KI-Gesetzes zu bewerten. Die Abgeordneten fordern nachdrĂŒcklich robuste TransparenzmaĂnahmen und praktikable Offenlegungspflichten fĂŒr Anbieter generativer KI.
Die parlamentarische Kontrolle ist hochaktuell: Die KI-Behörde will noch im MĂ€rz einen zweiten Entwurf fĂŒr einen Transparenzkodex vorlegen. Dieser soll detaillierte technische Standards fĂŒr die Kennzeichnung von Deepfakes und KI-generierten Texten zu Themen von öffentlichem Interesse enthalten.
WĂ€hrend die Politik noch ĂŒber Details streitet, laufen wichtige Ăbergangsfristen fĂŒr Unternehmen bereits unaufhaltsam ab. Dieser kostenlose Download erklĂ€rt Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen und Dokumentationsanforderungen der neuen KI-Verordnung. KI-Verordnung: Jetzt Vorbereitungshilfe kostenlos sichern
âDigital Omnibusâ könnte Fristen verschieben
Eine weitere Unsicherheit bringt der von der Kommission vorgeschlagene âDigital Omnibusâ ins Spiel. Dieses Gesetzespaket schlĂ€gt vor, die Anwendung der Hochrisiko-Regeln an die tatsĂ€chliche VerfĂŒgbarkeit harmonisierter europĂ€ischer Standards zu koppeln.
Sollte der Vorschlag angenommen werden, könnte sich die Frist fĂŒr eigenstĂ€ndige Hochrisiko-Systeme um bis zu 16 Monate verschieben â von ursprĂŒnglich August 2026 auf Dezember 2027. FĂŒr bestimmte Kennzeichnungspflichten wird sogar eine Schonfrist bis Februar 2027 erwogen. Die öffentliche Konsultation zu diesen Ănderungen lĂ€uft noch bis zum 11. MĂ€rz.
Unternehmen handeln trotz Ungewissheit
Rechtsexperten raten Unternehmen dringend, ihre Compliance-Vorbereitungen fortzusetzen â unabhĂ€ngig von möglichen Fristverschiebungen. Die BuĂgelder fĂŒr VerstöĂe bleiben immens: bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Die extraterritoriale Wirkung des Gesetzes trifft auch internationale Anbieter. Der Aufbau robuster KI-Governance-Strukturen, die DurchfĂŒhrung von Grundrechte-FolgenabschĂ€tzungen und strenge Datenkontrollen sind daher bereits jetzt essenzielle Schritte fĂŒr jedes Unternehmen, das KI im europĂ€ischen Binnenmarkt einsetzt.
Die Branche blickt nun gespannt auf die Antwort der Kommission an die Ombudsfrau bis zum 20. MÀrz und auf den Transparenzkodex-Entwurf Mitte des Monats. Sie werden zeigen, wie reagibel die neuen EU-Behörden auf Kritik sind.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

